Diagonale
Festival des österreichischen Films
8.–13. Juni 2021, Graz

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1 Verabredung im Herbst
Spielfilm, AT 2021, Farbe, 105 min., 10.06. dOF/11.06. OmeU
Diagonale 2021

Regie, Buch, Kamera: Sebastian Brauneis
Darsteller*innen: Thomas Hojsa, Marlene Hauser, Julia Franz Richter, Christoph Radakovits, Margarethe Tiesel, Michaela Schausberger, Lukas Watzl, Christoph Kohlbacher,Katharina Bigus, Franz Xaver Zach, Franz Solar, Valentin Brauneis, Noah L. Perktold, Thomas Frank, Laura Hermann, Franzi V. Harsdorf, Aeneas Fellmer, Felix Rank, Edi Mayr, Stefan Wunder, Martin Guggisberg, Emmanuel Fellmer, Constanze Winkler, Felix Kreutzer, Miloje Pajkanovic, David Valentek, Lukas Weiss, Xaver Winkler, Ida Lässer, Helmut Emersberger, Michou Friesz, Frederic Machto, Margrit Brauneis
Schnitt: Antonia Adelsberger
Originalton: Flora Rajakowitsch
Musik: Emily Stewart
Sounddesign: Jón Geirfinnsson, Victoria Grohs, Flora Rajakowitsch
Weitere Credits: 2nd Unit: Valentin Brauneis Farbkorrektur: David Hughes, Roman Chalupnik Tonstudio: Innenhofstudios
Produzent*innen: Sebastian Brauneis, Marlene Hauser
Produktion: Studio Brauneis

 

Herbst ist bekanntlich dann, wenn (über-)reife Dinge fallen. Hohle Politsprüche zur Kultur zum Beispiel, aber auch eindimensionale Vorstellungen von Liebe und Lust. Der neue Film von Sebastian Brauneis und Ensemble operiert in bewährter Manier mit Guerilla-Kollaborationen und markanten Kapriolen und erzählt dabei die elegant-verzweigte wunderschön-melancholische Geschichte liebender und sich entliebender Menschen.

Es könnte sich so zugetragen haben: Als der Filmemacher Sebastian Brauneis sich einmal eine leichte Erkältung eingefangen hatte und im Nachthemd auf der Bettkante saß, hörte er eine Platte von Françoise Hardy: „Wie eine Wolke / über dem grau-blauen Meer / versinkt unsere Liebe im Sturm / und mein Herz steht kopf / alles was ein Leben ausmacht / hab’ ich heut’ verloren“, transkribierte Brauneis in sein Notizbuch. „Bei unserer Verabredung im Herbst / zu der du nie gekommen bist / Die Zeit, die uns nun trennt / sie lässt mich jetzt denken / der Sinn unserer Geschichte von damals war lediglich / heute über sie weinen zu können“, sang Hardy weiter, und Brauneis schrieb (den Titel für) seinen nächsten Film: „1 Verabredung im Herbst“.
Der (grandiose) Rest: ein Werk der fiebrigen Form, so wie man für das Kino brennt. In Brauneis’scher Manier der bewährten Guerilla-Kollaborationen und markanten Kapriolen. Erneut mit marginalem Budget, aber in einem umso leidenschaftlicheren Kollektiv realisiert.
Im Film ist es Linda (Julia Franz Richter), welche die verzweigte, von Melancholie durchzogene Geschichte aufzuschreiben versucht, die sich innerhalb von 36 Stunden im „Pandemiesommer 2020“ in Graz und Wien zuträgt: Lindas aktueller Lover Anton (Lukas Watzl) treibt es auch mit etlichen anderen – etwas zu weit. So gut wie jede wird ihn im Laufe des Films abservieren, keine um ihn weinen. Besonders Alma (Marlene Hauser) hat mit der Sorge um die liebe Herzpatientin Ruth (Margarethe Tiesel) wirklich Wichtigeres zu tun, als überhaupt mit Anton Schluss zu machen. Doch auch Linda ist meilenweit entfernt von all den Klischees, in denen Anton nicht zuletzt mit seinen „kleinen Lügen“ hantiert, um „ja keiner wehzutun“. Ohnehin ist Linda aber auch mit Gustav (Christoph Radakovits) beschäftigt, mit dem sie eine Before Sunrise-verdächtige Nacht in Wien verplaudert, inklusive einer jener wundervollen Tanzszenen, wie sie speziell Brauneis inszenieren kann. (Verfolgungsjagden zu Fuß durchs nächtliche Graz kann er außerdem.) Einen Freund wird Anton aber finden, und zwar in Kurt (Christoph Kohlbacher), der seinerseits ein paar Probleme mit einem Kleingangster hat, der wiederum dafür verantwortlich ist, dass Kurts Bruder Egon (Noah L. Perktold) im Gefängnis sitzt.
Herbst ist bekanntlich dann, wenn (über-)reife Dinge fallen. „Alles, was hold und lieblich [ist]“ (Hölderlin) zum Beispiel, aber auch Blätter, Kastanien, Ähren (diverse Dichter/innen), „ein Hund“ (Trakl) und überhaupt „wir alle“ (Rilke). Bei Brauneis fallen zudem: hohle Polit-Plakatsprüche über Kultur etwa, die in seinen Settings zur Kenntlichkeit entstellt sind. Aber auch: eindimensionale Vorstellungen über Liebe und Lust.
„Es gibt ganz verschiedene Arten der Liebe, aber gut ausgehen tut’s fast nie“, erklärt ein „Gärtner“ zu Beginn des Films, während er zärtlich seine Hanfpflanze streichelt. Der Herbst nimmt seinen Lauf. Da muss man gar nicht alles ver-, zer- und abreden.
(Katalogtext, az)

Dieser Film ist am 11. Juni um 20.15 Uhr im Livestream auf FM4 zu sehen. Mehr zu Canale Diagonale – Ein Festival, viele Streams – unter diagonale.at/canale-diagonale.