Diagonale
Festival des österreichischen Films
8.–13. Juni 2021, Graz

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GLORY TO THE QUEEN
Dokumentarfilm, AT/GE/RS 2020, Farbe, 82 min., OmeU
Diagonale 2021

Regie: Tatia Skhirtladze
Buch: Ina Ivanceanu, Tatia Skhirtladze
Kamera: Sebastian Thaler
Schnitt: Petra Zöpnek
Originalton: Irakli Ivanishvili
Musik: Alexandra Vrebalov
Sounddesign: Paata Godziashvili
Weitere Credits: Koregie: Anna Khadzaradze
Produzent*innen: Karin Berghammer, Alexander Dumreicher-Ivanceanu & Bady Minck, Nino Chichua, Anna Khazaradze & Linda Jensen, Sarita Matijević
Produktion: berg hammer film
Koproduktion: AMOUR FOU Vienna 1991 Productions (GE) Playground produkcija (RS)

 

Die Schachwelt in den Händen von vier Frauen: Nona Gaprindaschwili, Maia Tschiburdanidze, Nana Alexandria und Nana Iosseliani dominierten über drei Dekaden das internationale Geschehen am Brett, holten Titel um Titel, übertrumpften sich gegenseitig. Doch was bedeutete es, im Kalten Krieg Spitzenathletin zu sein? Genauer in Georgien, das alle Spielerinnen hervorgebracht hat und noch heute ihr Denkmal pflegt? Tatia Skhirtladze will es wissen und befragt die Ikonen und ihre Fans.

Begegnet man in Georgien einer Frau mit Namen Nana, Nona oder Maia, ist es möglich, dass deren Eltern sich von einer jener vier Ikonen inspirieren ließen, die das kleine Land am Schwarzen Meer lange zur führenden Schachnation machten. Von den 1960er-Jahren bis zum Fall der Sowjetunion be­stimm­ten Nona Gaprindaschwili, Maia Tschiburdanidze, Nana Alexandria und Nana Iosseliani das internationale Geschehen, holten und verteidigten Titel um Titel, wurden zu Vorbildern für zahlreiche Männer und vor allem Frauen. Tatia Skhirtladze lässt in GLORY TO THE QUEEN ihr Andenken aufleben und trifft dafür nicht nur die beiden Nanas, Nona und Maia, sondern trägt auch Archivmaterial zusammen, welches die Frauen genauso in Aktion zeigt wie in propagandistischer Färbung. So wird Nona Gaprindaschwili zur Ehefrau hinterm Herd, während Nana Iosseliani über eine blühende Sommerwiese hüpft, „in die Natur gesetzt wie ein Wunderwesen“. Dabei hatte sie kurz zuvor in Rio de Janeiro noch 13 Turnierpartien hintereinander gewonnen und damit einen Rekord von Schachweltmeister Bobby Fischer geschlagen.
Konvention und Schachspiel scheinen in Georgien, dem „Kalifornien der UdSSR“, eng verknüpft: Frauen bringen das Schachbrett hier traditionell als Mitgift in die Ehe ein, als Zeichen ihrer Intelligenz – nicht zuletzt deswegen habe Georgien derart viele weibliche Ausnahmetalente auf diesem Gebiet hervorgebracht, mutmaßt jemand im Film. Was es jedoch bedeutet, im internationalen Spitzensport zu agieren, auch davon erzählt GLORY TO THE QUEEN: Ein halbes Kilo Körpergewicht würde bei einer schweren Partie, wie sie die Frauen auch gegeneinander austrugen, fällig. Ganz zu schweigen vom psychischen Druck, der für die Dauer eines mehrmonatigen Turniers auf den Spielerinnen lastete. „Wenn man keine guten Nerven hat, wird man depressiv. Und man muss auch seinen Körper fit halten“, sagt Nona Gaprindaschwili, Schachweltmeisterin von 1962 bis 1978. Maia Tschiburdanidze fand derweil Rückhalt in der Religion. In GLORY TO THE QUEEN sieht man sie außerdem ihrem Hobby nachgehen: dem Anmischen von Parfüms.
Tatia Skhirtladzes Porträt vierer Königinnen ist auch Ausdruck der Verschiedenartigkeit weiblicher Kraft – und wie sich diese an neue Generationen vermittelt. Sei es durch die Leitung von Schachschulen oder durch die Bereitschaft, nach wie vor an Turnieren teilzunehmen. Die Begeisterung der Jugendheldinnen von damals ist ungebrochen – genauso wie die Faszination, die von ihnen ausgeht.
(Katalogtext, cw)