Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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WOOD
Dokumentarfilm, AT/DE/RO 2020, Farbe, 95 min., 27.3. OmeU / 29.3. OmdU
Diagonale 2020

Regie: Ebba Sinzinger, Michaela Kirst, Monica Lăzurean-Gorgan
Buch: Ebba Sinzinger, Michaela Kirst, Monica Lăzurean-Gorgan
Darsteller/innen: Alexander von Bismarck, David Gehl, Gabriel Paun, Bogdan Micu, Julia Urrunaga
Kamera: Attila Boa, Jakub Bejnarowicz, Jörg Burger, Lukas Gnaiger, Jerzy Palacz
Schnitt: Andrea Wagner, Roland Stöttinger
Originalton: Hjalti Bager-Jonathansson, Claus Benischke, Nora Czamler, Andreas Pils, Peter Rösner
Sounddesign: Simon Bastian
Produzent/innen: Vincent Lucassen, Ebba Sinzinger, Monica Lăzurean-Gorgan, Adrian Sitaru, Thomas Tielsch, Michaela Kirst
Produktion: WILDart FILM
Koproduktion: Filmtank (DE), 4Proof Film (RO)

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

Rumäniens Wälder werden illegal abgeholzt; auch in Russland und Peru ist die Lage deprimierend. Die gemeinnützige Organisation Environmental Investigation Agency, kurz EIA, ist den Machenschaften auf der Spur. Allen voran Alexander von Bismarck, ehemaliger US-Marine, der versteckt gegen Profiteur/innen und Großunternehmen ermittelt. WOOD von Monica Lazurean-Gorgan, Michaela Kirst und Ebba Sinzinger ist ein Umweltkrimi, der den Kettensägen hinterherjagt.

Rot leuchten die Flecken auf der Satellitenaufnahme. Sie zeigen an, wo Wald abgeholzt wurde. In Rumänien waren es in wenigen Jahren Flächen von der Größe des Burgenlands. Und nicht jeder Baum fiel legal. Das zentrale Holzverarbeitungsunternehmen, Holzindustrie Schweighofer aus Österreich, nimmt die Stämme, wie sie kommen. Was seine Tore passiert, wird bezahlt. Ein Vorgehen, das unabhängige Gruppen auf den Plan gerufen hat, die ohne Erlaubnis abholzen und ihre Beute verkaufen. Die Situation hat sich in den letzten Jahren dramatisiert: Förster und Waldschützer werden ermordet, Politiker vergiftet, Waffen kursieren. Die NGO Environmental Investigation Agency, kurz EIA, ist weltweit illegaler Abholzung auf der Spur. Allen voran Alexander von Bismarck, ausgebildet bei der US-Eliteeinheit Marines, den Monica Lăzurean-Gorgan, Michaela Kirst und Ebba Sinzinger in WOOD begleitet haben. Dabei ist die Lage in Rumänien nur die Spitze des Eisbergs. Zuvor waren von Bismarck und sein Team in Peru, in der russischen Taiga und in China unterwegs gewesen: „It’s raising all the red flags“, verkündet ein Helfer da, als das Team ein Camp tief im russischen Wald ausfindig macht. Das Geschäft mit den illegal gewonnenen Hölzern ist ein lukratives. Die Endverbraucher/innen sitzen in Europa und den USA, sie kaufen Bodenbelag in Heimwerkermärkten wie Lumber Liquidators und denken sich nichts Böses dabei.
WOOD belegt, wie schmutzig es hinter den Kulissen derweil zugeht. Um sich Zugang zu Händler/innen und Unternehmer/innen zu verschaffen, schlüpft von Bismarck mehr als einmal in eine andere Identität, färbt Schopf und Bart, hat eigens hergestellte Visitenkarten dabei. WOOD ist ein Umweltkrimi, in dem investigativ ermittelt wird. In Hotelzimmern verschwinden Kameras und Mikrofone unter Anzugjacken; vermeintliche Geschäftsgespräche werden mitgeschnitten und enttarnen skrupelloses Gebaren. „Everybody is stealing“, lautet der Befund eines Rumänen, der das EIA-Team zu einem Friedhof aus Baumstümpfen geführt hat: „Nobody does anything to stop this.“ WOOD reist den Kettensägen hinterher und dokumentiert die Advokat/innen der Wälder. Das gewonnene Material lässt wenig Raum für Spekulation: Ungefähr die Hälfte der rumänischen Bäume wird rechtswidrig gefällt. Wie auch ein Artikel im britischen „Guardian“ verbreitet, der parallel zu den Dreharbeiten erscheint. Informationen, gegen die sich Akteure wie Holzindustrie Schweighofer zur Wehr setzen und ihrerseits Kampagnen zur Wahrung des eigenen Image starten: „There is no log coming into the sawmills or the collecting points without documents or without the proper marking/stamp.“ Dass viele Zertifikate in Rumänien nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind, ist ein offenes Geheimnis. Umso mehr verwundert es, dass ein weltweit agierendes Unternehmen solche Dokumente nicht infrage stellt.
(Katalogtext, cw)