Diagonale
Festival des österreichischen Films
16.–21. März 2021, Graz

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Sen.
Innovatives Kino kurz, AT 2019, Schwarzweiß, 3 min., Stumm
Diagonale 2020

Regie, Kamera: Friedl vom Gröller
Produzent/innen: Friedl vom Gröller

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

Die stoischen Gesichter betagter Personen, in denen das Leben seine Spuren hinterlassen hat. Sen. ist weniger das Porträt alter Menschen als Bildnis eines Status. Dass aber auch dieser den Tod nicht überleben wird, scheinen sie zu wissen, die verschmitzten Senior/innen im Angesicht der Kamera, im Hier und Jetzt.

Drei Frauen und drei Männer im höheren Lebensalter. Die halbnahe statische Kamera nimmt sie in wechselnden Paarkombinationen in den Blick. Sie schauen zurück, der Kamera ins Auge. Dabei wirken sie recht entspannt, trotz stoischer Gesichter, die darauf bedacht sind, die Proportionen zwischen Stirn, Augen, Mund und Kinn einzufrieren, vor Ausschlägen und Irritationen zu bewahren, um mitteilsame Zeichen zu tilgen. Doch das Dasein in der Welt hat lesbare Spuren hinterlassen: Falten, die sich in die Weichheit der Gesichter und der relativ unversehrten, geradezu erholten Körper eingeschrieben haben. Gepflegte Poloshirts, elegante Kleider, Habitus und nicht zuletzt die etablierte Einfamilienhaussiedlung erzählen von einem Leben und Lebensabend ohne physische oder psychische Strapazen, fern existenzieller Not. Friedl vom Gröllers Sen. ist weniger das Porträt alter Menschen als selbstironisches Bildnis eines Status. Dass aber auch dieser den Tod nicht überleben wird, scheinen sie zu wissen, die verschmitzten Senior/innen im Angesicht der Kamera, im Hier und Jetzt.
(Katalogtext, mk)