| Eröffnungsfilm | Diagonale 2026 |
ROSE
VON MARKUS SCHLEINZER
(AT/DE 2026, 93 min, sw)
Die Diagonale freut sich, bekannt geben zu dürfen, dass das Festival des österreichischen Films mit der Österreichpremiere von Markus Schleinzers Spielfilm Rose in Anwesenheit des Filmemachers sowie Teilen des Teams eröffnet wird!

Rose © Schubert / ROW Pictures / Walker+Worm Film / Gerald Kerkletz
„In der Hose war mehr Freiheit, und es ist ja nur ein Stück Stoff. Da bin ich in die Hose.“
Inmitten des Dreißigjährigen Kriegs taucht ein Soldat in einem protestantischen Dorf auf und behauptet, der Erbe eines verwaisten Gutshofs zu sein. Den anfänglichen Argwohn der Dorfgemeinschaft zerstreut der geheimnisvolle Fremde durch Mut und Tatkraft. Nur die allwissende Erzählerin aus dem Off kennt die wahre Identität des Soldaten: Rose ist eine Frau, die als Mann lebt und dabei verschiedenste Rollen annimmt und wieder ablegt – Sonderling, Bärentöter, Gutsherr, Ehemann, Vater. Bis ein scheinbar banaler Moment – der Stich einer Biene – eine folgenschwere Kettenreaktion auslöst.
Eindrucksvoll verkörpert Schauspielstar Sandra Hüller die titelgebende Rose und verleiht ihr allein mit Blicken, Haltungen und ihrem Gang außerordentliche Präsenz in diesem zwischen Fiktion und historischer Genauigkeit changierenden Frauenporträt.
Ausgehend von historischen Berichten über Frauen, die sich im 17. Jahrhundert als Männer ausgaben, um arbeiten zu können und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, entwirft Markus Schleinzer das Porträt einer „Weibsperson“, die die Grenzen ihres Geschlechts überwindet und die für sie passende Biografie somit selbst schreibt. Rose stellt essenzielle Fragen zu Freiheit und Identität – und auch danach, wer die Macht besitzt, eine Geschichte zu erzählen.
Eine eindringliche Parabel auf die Gegenwart
„Bei der Entscheidung für einen Eröffnungsfilm geht es uns stets auch um ein Signal: Um ein besonderes Verhältnis zur Gegenwart, das dem Film innewohnt. Rose hat uns zutiefst berührt, weil er aus der Vergangenheit heraus über Freiheiten spricht, die man sich erkämpfen muss, idealerweise durch Allianzen. Und über Freiheiten, die man schnell wieder verliert, wenn sie nicht geschützt werden.
In Markus Schleinzers großartigem Film streift sich eine ‚Weibsperson‘ die Kleidung und Identität eines Mannes über und erschließt sich so in einem protestantischen Dorf des 17. Jahrhunderts Handlungsspiel-
räume, die ihr zuvor verwehrt waren. Aus kleinen Gesten und präzisen Blicken gewinnt der Film bemerkenswerte emotionale Intensität. Er stellt die Frage, was es heißt, ein Leben im ständigen Risiko eines Trugspiels zu führen. Vor dieser Folie entfaltet sich eine eindringliche Parabel auf die Gegenwart, in der patriarchale Machtstrukturen und ihre Gewalt sichtbar werden, zugleich aber auch fragile, utopische Formen des Zusammenlebens aufscheinen. Schleinzers Regie bleibt glasklar und minimalistisch, getragen von einer herausragenden Sandra Hüller, die mit großer Präzision die inneren Spannungen einer Frau erfahrbar macht.
Die inneren Konflikte Roses und die Gewalt der sozialen Ächtung haben uns nachhaltig beschäftigt. Es ist ein aufwühlender Film, der zeigt, wie rasch Abweichung verdächtig wird – und wie unerbittlich Macht sich selbst absichert.“ — Dominik Kamalzadeh & Claudia Slanar | Festivalleitung