Diagonale
Festival des österreichischen Films
28. März–2. April 2017, Graz
Gabriele Kranzelbinder © KGP

Gabriele Kranzelbinder © KGP

Geb. 1968 in Klagenfurt, Studium der Rechtswissenschaften in Wien, Paris und Rom. Ab 1994 Organisation von Filmprojekten, Produktions- und Regieassistenz, Produktionsleitung. 2001 Mitbegründerin der Produktionsfirma Amour Fou, Produzentin zahlreicher Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme. Seit 2007 Alleineigentümerin der KGP Kranzelbinder Gabriele Production mit Fokus auf internationale Koproduktionen von europäischen Filmautor/innen.

Zum Interview mit Gabriele Kranzelbinder

 

Zur Person: Gabriele Kranzelbinder

Erstmals würdigt die Diagonale in der neuen Programmschiene Zur Person eine Filmproduzentin. Entlang der Biografie von Gabriele Kranzelbinder (KGP Kranzelbinder Gabriele Production) tastet sich das Format in deren kreativ-kollektive Arbeitsprozesse mit verschiedenen Regisseur/innen vor. Mit einem lohnenden Seitenblick auf Kranzelbinders Naheverhältnis zur Popkultur versteht sich die Programmschiene zudem als Einladung zu transdisziplinären Gedankensprüngen.

Einen Ausgangspunkt dazu markiert Thomas Woschitz’ elektrisierender Episodenfilm Universalove (2008, Soundtrack: Naked Lunch). Woschitz’ Tascheninhalt und Nasenbluten (1995) war der erste von Gabriele Kranzelbinder produzierte Film überhaupt. Ihre zweite gemeinsame Produktion, der Kurzfilm Blindgänger (1996), schaffte es sogar zu den Filmfestspielen von Venedig. Und mit Girls and Cars (2004) erarbeiteten sie auch den dritten Film der sogenannten Josef-Trilogie gemeinsam. Letzterer feierte seine Premiere in Cannes, nur wenige Monate später kam die gesamte Trilogie beim renommierten Filmfestival Locarno auf die Leinwand. Die Diagonale bringt die Reihe rund um die fünf Holzhacker Josef, Josef, Josef, Josef und Josef nun just in Graz zur Wiederaufführung, wo das Festival 2005 mit einem von Kranzelbinder produzierten Film (Amour Fou Filmproduktion) eröffnete: Jörg Kalts Crash Test Dummies. Außer mit Thomas Woschitz und Jörg Kalt hat Kranzelbinder auch mit der Regisseurin Ruth Mader über viele Jahre immer wieder zusammengearbeitet. Maders internationaler Festivalerfolg Struggle (2003) bildet ein weiteres Highlight der Schau.

Universalove © KGP

Universalove © KGP

Mit den internationalen Koproduktionen Taxidermia (György Pálfi, 2006) und Grand Central (Rebecca Zlotowski, 2013) beweist Gabriele Kranzelbinder unterdes ihre Fähigkeit zum sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand. Während sich die Produzentin mit ersterer an das Genrekino – und somit wiederum auch an die Popkultur – heranwagte, verdeutlicht die französisch-österreichische Produktion mit dem späteren Bond-Girl Léa Seydoux die potenzielle Strahlkraft österreichischen Arthouse-Kinos. Mut zu formaler Vielfalt und politischer Brisanz bewies Gabriele Kranzelbinder auch mit jüngeren Produktionen: Für We Come as Friends (2014) begab sich der Dokumentarfilmer Hubert Sauper mit seiner selbstgebauten Propellermaschine auf eine moderne Odyssee in den geteilten Sudan. Für den episodischen Spielfilm Shirley – Visions of Reality (Gustav Deutsch, 2013), der sich über Edward Hoppers Gemälde an die Biografie einer Schauspielerin annähert, arbeitete Kranzelbinder schließlich an der Schnittstelle von Film und bildender Kunst. Einen der 13 Teile von Deutschs Werk, das Gemälde „New York Movie“ (1939), macht das Künstlerhaus – Halle für Kunst & Medien mit der Installation Monday, August 28th 1939, New York, 10 p.m. während der Diagonale’16 zugänglich.

Taxidermia © KGP

Taxidermia © KGP

Komplettiert wird die Schau mit Gabriele Kranzelbinders jüngster Produktion, Maikäfer flieg. Mirjam Ungers Verfilmung von Christine Nöstlingers autobiografischem Roman eröffnet die Diagonale’16. Ebenfalls im Wettbewerb der Diagonale wird der von Kranzelbinder produzierte Animationsfim Uncanny Valley (Paul Wenninger, AT 2015) zu sehen sein.

Die Diagonale’16 präsentiert:
Maikäfer flieg (Mirjam Unger, 2016) – Eröffnungsfilm Diagonale’16
We Come as Friends (Hubert Sauper, 2014)
Monday, August 28th 1939, New York, 10 p.m. (Episode aus Shirley – Visions of Reality, Gustav Deutsch, 2013), Installation
Grand Central (Rebecca Zlotowski, 2013)
Universalove (Thomas Woschitz, 2008)
Taxidermia (György Pálfi, 2006)
Crash Test Dummies (Jörg Kalt, 2005)
God – Naked Lunch (Thomas Woschitz, 2004)
Struggle (Ruth Mader, 2003)
Enduring Freedom (Edgar Honetschläger, 2002)
Josef-Trilogie: Tascheninhalt und Nasenbluten / Blindgänger / Girls and Cars (Thomas Woschitz, 1995–2004)

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