Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

UNTITLED
Dokumentarfilm, AT 2017, Farbe, 107 min., 28.03.: dF / 01.04.: eF
Diagonale 2017

Regie: Michael Glawogger, Monika Willi
Buch: Michael Glawogger, Attila Boa, Monika Willi
Kamera: Attila Boa
Schnitt: Monika Willi
Ton: Manuel Siebert
Musik: Wolfgang Mitterer
Sounddesign: Matz Müller, Erik Mischijew, Tobias Fleig
Weitere Credits:
Sprecherinnen: Birgit Minichmayr (dt. Fassung), Fiona Shaw (engl. Fassung)
Produzent/innen: Peter Wirthensohn, Tommy Pridnig, Gerhard Meixner, Roman Paul
Produktion: Lotus-Film
Koproduktion: Razor Film Produktion GmbH

 

Neugierde, Humor, Hingabe ans Detail und der Mut, Dinge einfach zuzulassen, ziehen sich als Motive durch Michael Glawoggers gesamtes filmisches Werk. Mehr als zwei Jahre nach Glawoggers plötzlichem Tod im April 2014 realisiert Monika Willi einen Film aus jenem Material, das während seiner vier Monate und 19 Tage dauernden Reise durch den Balkan, Italien, Nordwest- und Westafrika entstanden ist. Eine Reise in die Welt. Offen, um zu beobachten, zuzuhören und zu erleben. Serendipity ist das Konzept – vom Dreh bis zum Schnitt.

Dieser Film soll ein Bild der Welt entstehen lassen, wie es nur gemacht werden kann, wenn man keinem Thema nachgeht, keine Wertung sucht und kein Ziel verfolgt. Wenn man sich von nichts treiben lässt außer der eigenen Neugier und Intuition.
(Michael Glawogger)

Ein Jahr Zeit plante Michael Glawogger für die Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm UNTITLED ein, die ihn in entlegene Gebiete und näher an die dort lebenden Menschen führten. Nach vier Monaten und 19 Tagen am Balkan, in Italien und in Nordwest- und Westafrika starb er im April 2014 in Liberia an Malaria. Zwei Jahre später hat seine langjährige künstlerische Wegbegleiterin, die Editorin Monika Willi, aus dem gedrehten Material und Glawoggers Reisetagebuchtexten einen Film gestaltet.
UNTITLED ist der Versuch, die Bewegung der Welt einzufangen – ein Film über Abschied und Fremdheit, über das Entdecken und das Sichverstecken, über die Schönheit des Unerwarteten im Sinn von Glawoggers filmischer Philosophie der serendipity: „The discovery through chance by a theoretically prepared mind of valid findings which were not sought of“ (Robert K. Merton).
Immer wieder spürt Attila Boas Kamera der Bewegung von Körpern nach: bei der Arbeit, auf der Reise, beim Tanzen und beim Ringen – mit dem Anderen, mit sich und mit der Welt. Ähnlich wie in Glawoggers Film Megacities werden zwischen Schnee und Wüstenstaub globale Arbeits- und Lebensformen scheinbar unmittelbar. Es ist ein Blick, der den Moment bildgewaltig verewigt und durch Monika Willis Schnitt zum dynamischen Fluss der Assoziationen gerät – zwischen Kulturen, Religionen und Landschaften, in denen die zufällige Begegnung und die Unmittelbarkeit des Augenblicks in vollster Intensität gefeiert werden.
Neugierde, Humor, Hingabe ans Detail und der Mut, Dinge einfach zuzulassen, ziehen sich als Motive durch Michael Glawoggers gesamtes filmisches Werk – von viel beachteten Dokumentarfilmen, darunter Workingman’s Death und Whores’ Glory, bis zu kanonischen Spielfilmen wie Nacktschnecken oder Slumming. Monika Willis gefühlvoller und persönlicher Umgang mit dem Material trägt zur Vollendung des Œuvres eines der bedeutendsten österreichischen Filmschaffenden bei. Das Leben als Reise, auf der man jederzeit auf Unerwartetes treffen kann. Eine berührende Hommage an Glawoggers außergewöhnlichen Blick auf die Welt und auf Glawogger selbst – den Regisseur und Rastlosen, Menschen und Freund.
(Katalogtext, cw)

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