Diagonale
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Festival des österreichischen Films
18. – 23. März 2026, Graz

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Die Filme:

Baby, I Will Make You Sweat
Birgit Hein
DE 1994, 66 min

Das Block
Stefan Kolbe, Chris Wright
DE 2007, 75 min

Ich denke oft an Hawaii
Elfi Mikesch
BRD 1978, 85 min

Uncomfortably Comfortable
Maria Petschnig
US/AT 2021, 71 min

Kuratiert von Patrick Holzapfel, Friederike Horstmann

duisburger-filmwoche.de


 

| Special | Duisburger Filmwoche |

UNBEHAGEN IM DOKUMENTARFILM
ZUM JUBILÄUM 50 JAHRE DUISBURGER FILMWOCHE
Von Patrick Holzapfel

Ich denke oft an Hawaii von Elfi Mikesch © Deutsche Kinemathek / Elfi MIkesch

Ich denke oft an Hawaii von Elfi Mikesch © Deutsche Kinemathek / Elfi MIkesch

Am liebsten würde man den Kinosaal verlassen. Man erträgt den Film kaum noch, schaut weg und will die Leinwand am liebsten anschreien. Warum beschwert sich niemand? Wie kann man so etwas zeigen? Was für eine Frechheit! Aber man sitzt immer noch da und kann nicht wegschauen. Denn die Abneigung geht mit Faszination einher. Irgendwann ist der Film zu Ende. Und plötzlich erkennt man, dass das, was man zuvor als unbequem empfunden hat, Fragen an die eigenen Sehgewohnheiten stellt.

Der Kinosaal mit seinen raumzeitlichen Verbindlichkeiten verstärkt die Wirkungskraft des scheinbar Unzumutbaren. Das Dispositiv lädt dazu ein, sich auf das einzulassen, was man eigentlich dachte, nicht ertragen zu können. Zwar verbindet man Unbehagen eher mit fiktionalen Genres wie Thriller oder Horrorfilm, doch auch in dokumentarischen Formen spielt es eine Rolle, wenn es die Modi der Repräsentation von Wirklichkeit hinterfragt und so verdrängte Themen sichtbar machen kann. Vor allem ethische Aspekte sind hier relevant, weil die Menschen vor der Kamera keine professionellen Schauspieler:innen sind.

Die Duisburger Filmwoche, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum begeht, hat sich von Anfang an dem Unbehaglichen ausgesetzt. Das ist bei ihrem Fokus auf dokumentarische Formen, die sich für eine mitunter unbequeme Welt interessieren, unvermeidbar. Die Duisburg prägende Gesprächskultur – nach jedem Film wird in einem separaten Raum eine Stunde lang diskutiert – ermöglicht, dass (ver)störende Aspekte von Filmen zu einer aktiven und gemeinsamen Arbeit an der Wahrnehmung beitragen. Dieses Nachdenken und Erfühlen dessen, was man zuvor im Kinosaal erlebt hat, macht das Bedürfnis deutlich, ethische, formale oder repräsentationskritische Fragen zu verhandeln. Worauf können wir uns einigen? Wo entsteht aus einer Zumutung produktive Reibung? Und wann wird es zu viel?

Wir präsentieren vier Beispiele aus der Geschichte des Festivals: die poetisierte Wahrnehmung einer Armutsexistenz in Ich denke oft an Hawaii (1978) von Elfi Mikesch, die womöglich obszöne Offenlegung tabuisierter Themen in Baby, I will Make You Sweat (1994) von Birgit Hein, das vor der Kamera verhandelte Ungleichgewicht zwischen Protagonist und Filmemacherin in Uncomfortably Comfortable (2021) von Maria Petschnig und die verstörend aufdringlich erscheinende Nähe zu den Protagonist:innen in Das Block (2007) von Stefan Kolbe und Chris Wright.

Unbehagen ist kulturellen und zeithistorischen Kontexten unterworfen. Eine Szene, die gestern noch als anstößig empfunden wurde, kann morgen bereits als gewöhnlich betrachtet werden – und umgekehrt. Darstellungen von Sexualität und Gewalt sind in diesem Zusammenhang nur breiter debattierte Beispiele. Zumutungen sind an ihrer Gegenwart zu messen. Im Regelfall fordern Filme, die uns zu nahe rücken, uns nachhaltig verstören oder irritieren, dazu heraus, die Dinge neu zu betrachten. Sie verändern unseren Blick auf das Kino und zugleich auf die Welt.

 

Die Duisburger Filmwoche begeht 2026 ihr Jubiläum: 50 Jahre Dokumentarfilme und Diskussionen im konsentierten Festivalformat, 50 Jahre Gegenwart. Wir sind geschmeichelt und freuen uns, mit unseren österreichischen Freund:innen feiern zu dürfen. Das Programm zeigt uns unbequeme und darin aktivierende Filme, die ihre Zuschauer:innen in ihren Sehgewohnheiten und Sichtweisen herausfordern. Dokumentarfilme, die das Kino als Ort begreifen, in dem das scheinbar Unzumutbare zum Gegenstand einer neuen Wahrnehmung werden kann.“ — Alexander Scholz | Festivalleitung Duisburger Filmwoche

 

 

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