Diagonale
Festival des österreichischen Films
16.–21. März 2021, Graz

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EIN BISSCHEN BLEIBEN WIR NOCH
Spielfilm, AT 2020, Farbe, 102 min., OmeU
Diagonale 2020

Regie, Buch: Arash T. Riahi
Darsteller/innen: Leopold Pallua, Rosa Zant, Anna Fenderl, Christine Ostermayer, Markus Zett, Alexandra Maria Nutz, Simone Fuith, Rainer Wöss, Ines Miro
Kamera: Enzo Brandner
Schnitt: Julia Drack, Stephan Bechinger
Originalton: Atanas Tcholakov
Musik: Karwan Marouf
Sounddesign: Atanas Tcholakov
Szenenbild: Katrin Huber, Gerhard Dohr
Kostüm: Monika Buttinger
Produzent/innen: Michael Katz, Veit Heiduschka
Produktion: wega Filmproduktion

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

Als die Mutter versucht, sich das Leben zu nehmen, werden die beiden aus Tschetschenien geflüchteten Kinder Oskar und Lilli getrennt voneinander in österreichischen Pflegefamilien untergebracht. EIN BISSCHEN BLEIBEN WIR NOCH erzählt poetisch und verspielt die traurig-schöne Geschichte eines Geschwisterpaares, das trotz widriger Bedingungen zusammenhält und sowohl Mut als auch Glauben an eine gemeinsame Zukunft nicht verliert.

Wenn man den Mund lange offen lässt, dann können die Sorgen vielleicht aus einem herausfliegen. Traumata wie Geister austreiben, die schweren Gedanken loswerden und Atem für einen Neubeginn schöpfen. An diese hoffnungsvolle Geste klammern sich die Geschwister Oskar und Lilli. Gar nicht so einfach für die beiden aus Tschetschenien geflüchteten Kinder, deren Vater verschollen und deren Mutter depressiv ist. Als die Polizei eines Tages die Wiener Wohnung stürmt, um die Familie abzuschieben, versucht die Mutter, sich das Leben zu nehmen. Oskar und Lilli fliehen aufs Dach und sind sich einig: Sie wollen unter keinen Umständen in ein Flüchtlingsheim, ihr Zuhause ist Österreich. Hier haben sie den Großteil ihres Lebens verbracht, außerdem sprechen sie besser Deutsch als Tschetschenisch. Nach dem Vorfall werden die Kinder voneinander getrennt und in unterschiedlichen Pflegefamilien untergebracht. EIN BISSCHEN BLEIBEN WIR NOCH basiert auf einem Roman von Monika Helfer und erzählt die traurig-schöne Geschichte eines Geschwisterpaares, das trotz widriger Bedingungen zusammenhält und sowohl Mut als auch Glauben an eine gemeinsame Zukunft nicht verliert.
Arash T. Riahis poetischer Film ist immer ganz nah bei den Kindern, folgt ihren Gedanken und Sehnsüchten und beobachtet sie liebevoll in ihren neuen Umgebungen. Dort ist es für die beiden klugen Kinder nicht immer einfach: Oskar kommt zu einer vegetarisch lebenden Lehrerfamilie nach Traiskirchen, wo er sich mit der an Parkinson erkrankten Oma anfreundet, und Lilli landet bei der kinderlosen Ruth in einem schicken Wiener Neubau. Trotz der tragischen Ereignisse vermitteln die kontraststarken, zeitlosen Bilder Zuversicht. Das liegt an den vielen zärtlichen und humorvollen Momenten des Films, der mit charmanten und einfallsreichen Details eine magische Atmosphäre kreiert: etwa wenn der so artig-adrette Oskar versucht, ein „schlechtes“ Kind zu sein, und eine Leberkäsesemmel im Bett seiner Pflegemutter versteckt. Oder wenn die Geschwister sich gegenseitig Fotos von Objekten schicken, die wie Smileys aussehen. Die Hoffnung, ihre Mutter zu finden und mit ihr zu fliehen, lässt Oskar und Lilli ihren neuen Alltag bewältigen. Trotz Momenten voller Wehmut und Melancholie ist EIN BISSCHEN BLEIBEN WIR NOCH kein Problemfilm. Seine Leichtigkeit speist sich aus der Kraft der Geschwisterliebe, die die Kinder zum Weitermachen antreibt. Das Vertrauen in eine bessere Zukunft überwiegt stets die Bitterkeit vergangener Erfahrungen. Der Film zeigt, wofür es sich zu kämpfen lohnt, auch wenn es vielleicht nur eine Utopie ist, die am Leben hält.
(Katalogtext, ast)