Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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ROBIN'S HOOD
Dokumentarfilm, AT 2020, Farbe, 90 min., OmeU
Diagonale 2020

Regie: Jasmin Baumgartner
Buch: Jasmin Baumgartner, Matthias Writze
Kamera: Anna Hawliczek, Olga Kosanovic, Katharina Lüdin
Schnitt: Matthias Writze
Musik: Nvie Motho
Sounddesign: Matthias Ermert
Weitere Credits: Farbkorrektur: Lee Niederkofler
Produzent/innen: Jasmin Baumgartner
Produktion: Filmakademie Wien

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

Robins RSV ist ein „dirty rotten bunch“. Eine Beschreibung, die von Herzen kommt. Die Fußballmannschaft dümpelt in den unteren Ligen, manchmal sind ihr größere Erfolge beschieden, dann befindet sich die Gruppenmoral im Sinkflug. Jasmin Baumgartner begleitet Präsident Robin, einen gutherzigen Selbstdarsteller, samt multinationalem Team über mehrere Saisonen. Und wird nicht nur Zeugin von kraftvollen Ansprachen, sondern auch von abgrundtiefem Rassismus am Spielfeldrand.

„Wenn wir es schaffen, diese super sympathische Türken- und Moslem-Fraktion bei uns zu integrieren, mit den serbischen orthodoxen Nationalisten und den ungebildeten Schwabos und den Moslem-Hasser- Kongolesen, werden wir nicht nur wieder in die Oberliga, sondern auch in die Landesliga gehen. Und dann wird es keinen Strache als Bürgermeister geben und dann wird es auch kein Kurz werden.“ Robin, Präsident eines Wiener Fußballvereins in der Amateurliga, ist nicht dafür bekannt, sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Feinde und Freunde macht er sich damit gleichermaßen. Robin ist geradeheraus und bezeichnet sein Team liebevoll als „dirty rotten bunch“. Jasmin Baumgartner hat ihn über einige Saisonen begleitet und ein wechselhaftes Treiben eingefangen. Es reicht von Siegesfolgen und großem Selbstbewusstsein bis hin zu unliebsamen Trainerwechseln, Diebstählen in der Umkleide und nicht wenigen Spielern, die das Handtuch werfen. Kernstück von ROBIN’S HOOD ist ein eher exzessiver Ausflug in ein slowenisches Trainingslager, der bereits bei der Anreise für Probleme sorgt: Papy, ein ehemaliger Profispieler, wird an einer Raststätte von der Polizei mit einem Joint in der Hand erwischt. Unter den Spielern schockt das keinen. Und auch Robin nicht, der, bevor er seinen RSV ins Leben rief, selbst im Gefängnis saß – wegen siebzig Kilogramm Cannabis. Dabei ist ROBIN’S HOOD auch ein Lehrstück in Sachen Zivilcourage. Robin schert sich nicht um die Herkunft seiner Spieler, sie sind alle seine Kinder. Wird eines von ihnen beleidigt, mit rassistischen Auswürfen attackiert, wie es während der Spiele gegen andere Mannschaften nicht selten vorkommt, dann fährt Robin aus der Haut. Wie eine Mutter oder ein Vater, sagt er. Das wahre „dirty rotten bunch“ jedenfalls lauert überall. Im Gasthaus, wo sich Robin in ein zutiefst fremdenfeindliches und antisemitisches Gespräch verwickelt, sowie an den Spielfeldrändern, die Einblicke in finsterste Ressentiments gewähren. Jasmin Baumgartner bekommt in ihrem Film einen gutherzigen Selbstdarsteller mit großer Klappe vor die Linse, der weiß, wofür er kämpft. Sei es für den Teamgeist seiner Mannschaft. Oder für einen Regenschirm für seine Freundin, deren Wollmantel nicht nass werden darf.
(Katalogtext, cw)