Diagonale
Festival des österreichischen Films
16.–21. März 2021, Graz

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ROBOLOVE
Dokumentarfilm, AT 2019, Farbe, 79 min., OmdU
Diagonale 2020

Regie, Buch: Maria Arlamovsky
Kamera: Sebastian Arlamovsky
Schnitt: Emily Artmann, Maria Arlamovsky, Alexander Gugitscher, Sebastian Arlamovsky
Originalton: Andreas Hamza, Hjalti Bager-Jonathansson, Thomas Cervenca, Sergey Martynyuk, Thomas Funk
Musik: Andreas Hamza, Boris Hauf
Sounddesign: Andreas Hamza
Weitere Credits: Tonmischung: Thomas Pötz
Produzent/innen: Michael Kitzberger, Wolfgang Widerhofer, Nikolaus Geyrhalter, Markus Glaser
Produktion: NGF - Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

In den Fabrikhallen mit den aufgehängten weiblichen Torsi wird vielleicht bald eine Androidin geboren, die ein Mann aus Fleisch und Blut dann lieben kann. ROBOLOVE von Maria Arlamovsky besucht jene Orte der Wissenschaft und der Feinmechanik zwischen Japan und Amerika, an denen Zukunft erdacht, erschraubt und letztlich erprobt wird. Mit einigem Humor und noch mehr Horror zeigt ROBOLOVE, was bereits möglich ist – und was noch passieren könnte.

Ein Android verschwindet in einer Kiste und weckt Erinnerungen an Horrorfilme. Der nun unbewegliche Kopf mit seinen toten Augen wird mit einem Tuch bedeckt, unter dem das Antlitz noch hindurchschimmert. Man behandelt den Roboter wie die Maschine, die er ist. Doch aufgrund seines menschlichen Äußeren wirkt das mehr noch als absurd: nämlich verkehrt. Maria Arlamovskys ROBOLOVE spielt mit dieser Uneindeutigkeit, die Irritation auslöst, wie sie Begeisterung entfacht. Gleich der Auftakt ihres Films ist von einem Doppelgängerthema bestimmt: Hiroshi Ishiguro und sein Geminoid, der ihm selbst nachempfunden ist. Hin und wieder kommt es zu kurzen Verwechslungen, die sich im Verlauf des Films häufen: wenn ein Fernsehmoderator für eine Sendung geschminkt wird und in einer Nahaufnahme zunächst nicht klar ist, ob es sich um einen Menschen handelt oder nicht. Andere Male ist es leichter herauszufinden: Die Androiden sind allesamt mit perfekter Haut ausgestattet – im Gegensatz zu ihren menschlichen Vorbildern. Eine Haut, die sich jedoch nicht wie Haut anfühlt. Würde jemand eine solche erfinden, er würde sehr, sehr reich, meint Matt McMullen, Gründer der US-Firma Realbotix, die genau das tut, was ihr Name verspricht: ziemlich echt wirkende (Frauen-)Roboter herstellen.
Auch hier machen einige Szenen schaudern. Fabrikhallen, in denen Torsi an Haken hängen. Die sexy Androidin Harmony, die von sich selbst sagt, sie sei auf der Welt, um zu dienen. Maria Arlamovsky besucht für ihren Film führende Entwickler/innen humanoider Roboter und fragt nach ihren Visionen und Gedanken. Einige tönen groß von der vierten industriellen Revolution, die KI, künstliche Intelligenz, meint, und prophezeien, dass die Sterblichkeit des Menschen in nicht mehr allzu ferner Zukunft überwunden sei. Andere befinden sich in der Gegenwart und sehen Chancen in der Betreuung von Alten und Kindern. Und lauscht Arlamovsky nur mit, ganz als wäre sie selbst ein Echo Dot von Amazon, fallen solch unbedachte Sätze wie der eines japanischen Experten, der sich über das Gesicht einer Androidin beugt, das ihm noch nicht recht gelungen vorkommt: „Es ist eine Frau, daher ist das Lächeln wichtig.“ Das wichtige Lächeln sitzt noch nicht. Dafür eine Menge anderes. ROBOLOVE lässt erahnen, wie weit es mit der Konzeption und Realisation Humanoider schon gekommen ist. Und wie spürbar man es noch mit Abbildern zu tun hat, die allzu offensichtlich einem menschlichen, zumeist männlichen Geist entstiegen sind.
(Katalogtext, cw)