Diagonale
Festival des österreichischen Films
5.–10. April 2022, Graz

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Der Blick in den Abgrund
Dokumentarfilm, AT/DE 2013, Farbe, 82 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie, Buch: Barbara Eder
Darsteller*innen: mit: Helinä Häkkänen-Nyholm, Gérard Labuschagne, Stephan Harbort u.a.
Kamera: Hajo Schomerus
Schnitt: Dieter Pichler, Rosana Saavedra-Santis
Originalton: Atanas Tcholakov
Sounddesign: Atanas Tcholakov
Produzent*innen: Viktoria Salcher, Mathias Forberg, Nicole Ringhut
Produktion: Prisma Film- und Fernsehproduktion GmbH
Koproduktion: Belle Epoque Films

 

Die kriminalistische Suche nach dem vermeintlich „Bösen“ und „Abgründigen“ ist heute ein viel bemühtes TV- und Kinomotiv. Wie verhält sich aber ein so genannter Profiler im richtigen Leben, worin liegt sein Ansporn? Barbara Eder begleitet sechs internationale Expert/innen während ihrer Arbeit und Freizeit. Sie sucht nach Normalität in einem Job, der den Spaß am Leben kosten kann – und findet beides: Medienklischee und bitterernste Realität.

Katalogtext Diagonale 2013:

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. (Friedrich Nietzsche, „Jenseits von Gut und Böse“)

In seinen zehn Jahren als Profiler hat Gérard N. Labuschagne achtzig Serienmordfälle und zweihundert Serienvergewaltigungen untersucht. Es gebe viel Unerfreuliches, das man sieht und riecht, meint er und führt in den kriminalistischen Sektionsraum. Sein Job kann den Spaß am Leben kosten. Nichtsdestotrotz ist Profiling – die kriminalistische Suche nach dem vermeintlich „Bösen“ und „Abgründigen“ – ein viel bemühtes TV- und Kinomotiv. Wie verhält sich aber ein Profiler im richtigen Leben, worin liegt sein Ansporn, was sind seine Techniken? Barbara Eder begleitet sechs internationale Expert/innen zu Tatorten, Verhören und Weiterbildungen – ebenso wie in ihrer Freizeit: zum Angeln ans Meer, in die Sauna, ins Eigenheim. In Deutschland erzählt ein Kollege vom mulmigen Gefühl, das ihn beim Aufsuchen des Schauplatzes einer Vergewaltigung überkam. Seine Frau serviert dazu das Abendbrot.

Die Filmemacherin sucht die Normalität im Leben der Kriminalist/innen und zieht dafür eine dokumentarische Mischform heran: Wenn die finnische Psychologin mit Südafrika telefoniert, ist die Kamera an beiden Enden live dabei – Fiktion und Wirklichkeit prallen in Momenten inszenierter Realität aufeinander. Auch in der Praxis der Profiler sind diese Pole nicht allzu weit voneinander entfernt: Mit Staunen folgt man einer renommierten US-Kriminalpsychologin bei ihrem Bewilligungsmarathon für eine Untersuchung an den Gehirnen von Serienmörder/innen. Ihr erklärtes Ziel: das Aufspüren des Killergens, „the seed of their evil“. Profiling zwischen (Medien-)Klischee und bitterernster Realität. (red)

In den unmenschlichen Taten von Serienmörder/innen steht auch viel über uns geschrieben, sie spiegeln und versinnbildlichen unsere eigenen Unzulänglichkeiten. (Profiler Stephan Harbort)