Diagonale
Festival des österreichischen Films
5.–10. April 2022, Graz

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Die Wand
Spielfilm, AT/DE 2012, Farbe, 108 min.
Diagonale 2013

Regie, Buch: Julian Roman Pölsler
Darsteller*innen: Martina Gedeck, Karl Heinz Hackl, Ulrike Beimpold u.a.
Kamera: J.R.P. Altmann, Christian Berger, Markus Fraunholz, Martin Gschlacht, Bernhard Keller, Helmut Pirnat, Hans Selikovsky, Thomas Tröger, Richi Wagner
Schnitt: Bettina Mazakarini, Natalie Schwager, Thomas Kohler
Originalton: Uve Haussig, Gregor Kienel, Markus Kathriner
Sounddesign: Johannes Konecny
Szenenbild: Renate Schmaderer, Enid Löser, Petra Heim, Hajo Schwarz
Kostüm: Ingrid Leibezeder
Produzent*innen: Bruno Wagner, Martin Gschlacht, Antonin Svoboda, Rainer Kölmel, Wasiliki Bleser
Produktion: coop99 filmproduktion
Koproduktion: Starhaus Filmproduktion (DE)

 

„Das einzige Geschöpf, das hier nicht hingehört, ist der Mensch.“ Eines Morgens findet sich eine namenlose Frau im ländlichen Idyll von einer unsichtbaren Wand umgeben – gefangen oder geschützt, je nach Interpretation. Abgeschottet von der Zivilisation muss sie sich neu definieren, sich mit ihren Ängsten in Einsamkeit aussöhnen. Julian Roman Pölsler inszeniert Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ als poetische Erzählung in spektakulärer Bergkulisse, mit einer sagenhaft wandlungsfähigen Martina Gedeck in der Hauptrolle.

Katalogtext Diagonale 2013:

„Heute, am 5. November, beginne ich mit meinem Bericht“, verkündet eine matte Stimme aus dem Off. Wenig später führt ein harter Schnitt zurück ins Vorleben der erzählenden Protagonistin: Mit dem Cabrio geht es in die Berge – und zwar länger, als es der von Martina Gedeck eindrucksvoll verkörperten namenlosen Frau lieb ist. Erst einmal in der Jagdhütte angekommen, wird sie von einer undefinierten, unsichtbaren Wand an jedweder Rückkehr in die Zivilisation und das bisherige bürgerliche Leben gehindert. „Das schreckliche, unsichtbare Ding“ hält sie und ihren Hund Luchs je nach Interpretation gefangen oder geschützt. Jedenfalls sieht sich die Frau aber zurückgeworfen in eine „Welt der Mühen und der Einsamkeit“, in der sie sich fortan neu definieren und erfinden muss. Zunehmend souverän interagiert sie mit Natur(-Gewalten) und Tierwelt, lernt zu töten, zu überleben.

Julian Roman Pölsler hält sich in seiner Verfilmung des gleichnamigen Romans von Marlen Haushofer eng an die Vorlage. Die Protagonistin und ihr Zwist mit dem eigenen Schicksal werden über Gesten, Naturbilder und den inneren Monolog – die Verschriftlichung des Erlebten – erzählt. Letztere entsteht nicht aus Freude am Schreiben, sondern aus Notwendigkeit, um nicht den Verstand zu verlieren, wie die Protagonistin einmal betont. Denn eines ist ihr trotz aller Stärke bewusst: „Das einzige Geschöpf, das hier nicht hingehört, ist der Mensch.“ (red)

Aus der totalen Isolation, die zunächst als Albtraumszenario erscheint, erwachsen auf der Leinwand zunehmend faszinierende Aspekte. Die imposante, wechselhafte Naturkulisse entwickelt über die Jahreszeiten hinweg einen starken visuellen Sog und verschmilzt mit dem sich wandelnden Seelenzustand der Figur. (Martin Schwickert, Zeit Online)

Die Wand sollte gar nicht dargestellt werden. So wenig wie möglich sollte sie physisch vorkommen. Es muss klar sein, dass die Wand eben nicht greifbar und nicht begreifbar ist. (Julian Roman Pölsler)