Diagonale
Festival des österreichischen Films
8.–13. Juni 2021, Graz

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Hochwald
Spielfilm, AT/BE 2020, Farbe, 108 min., 11.06. dOF/13.06. OmeU
Diagonale 2021

Regie, Buch: Evi Romen
Darsteller*innen: Thomas Prenn, Noah Saavedra, Josef Mohamed, Ursula Scribano-Ofner, Elisabeth Kanettis, Katja Lechthaler, Helmuth Häusler, Hannes Perkmann, Claudia Kottal, Daniel Keberle, Walter Sachers, Kida Kodhr Ramadan
Kamera: Martin Gschlacht, Jerzy Palacz
Schnitt: Karina Ressler
Originalton: David Hilgers, Fabrice Osinski
Musik: Florian Horwath
Sounddesign: Valérie Le Docte
Szenenbild: Katharina Wöppermann
Kostüm: Cinzia Cioffi
Weitere Credits: Maske: Sam Dopona, Verena Eichtinger Casting: Eva Roth, Benjamin Roth
Produzent*innen: Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Bady Minck, Gregory Zalcman, Alon Knoll
Produktion: AMOUR FOU Vienna
Koproduktion: Take Five (BE)

 

Mario und Lenz sind seit ihrer Kindheit befreundet. Als Mario beschließt, der Enge der Heimat zu entfliehen und den Freund nach Rom zu begleiten, gerät für ihn die Welt aus den Fugen. Nach einem Terroranschlag findet er Halt in einer muslimischen Glaubensgemeinschaft. Evi Romens Spielfilmdebüt beschreibt die schmerzhaften Berg- und Talfahrten eines jungen Mannes auf Sinnsuche. Schnell ist klar: Der einzige Weg in eine selbstbestimmte Zukunft ist der Ausbruch.

Weihnachten in einem kleinen Südtiroler Bergdorf: Nach dem Gottesdienst kommt man im zur Disco umfunktionierten Pfarrsaal zusammen. Hier besäuft man sich, tanzt wild, und alles ist wie immer – auch wenn man sich das restliche Jahr kaum gesehen hat. So wie Mario und Lenz, beide Anfang zwanzig und seit Kindheitstagen befreundet. Während Mario orientierungslos durchs Leben schlittert und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, obwohl er gerne Tänzer werden würde, ist Lenz ganz der weltgewandte Winzersohn, der zum Schauspielstudium nach Rom zieht. Als Mario beschließt, der Enge der Heimat zu entfliehen und gemeinsam mit Lenz in die verheißungsvolle Hauptstadt zu gehen, gerät seine Welt aus den Fugen. Nach einem Terroranschlag kehrt der traumatisierte junge Mann in sein Dorf zurück, wo er endgültig die Außenseiterrolle annimmt und schließlich in einer muslimischen Glaubensgemeinschaft Halt findet. Was hat es auf sich mit Marios Hinwendung zum Islam, die die Dorfgemeinschaft schockiert?
Hochwald ist das beeindruckende mehrsprachige Spielfilmdebüt der Editorin und Drehbuchautorin Evi Romen. Das Interesse des Dramas gilt dem Paradiesvogel Mario, der auf der Suche nach der eigenen Identität und seinem Platz in der Welt einige sprichwörtliche Berg- und Talfahrten erlebt. In seinem hoch über den Dächern von Bozen gelegenen Heimatdorf ringt er um Anerkennung, seinen Lebenstraum zu verwirklichen traut er sich jedoch nicht. Schließlich treiben ihn Drogensucht und Trauer an den Rand des Abgrunds. Thomas Prenn glänzt in der Rolle des sensiblen Traumtänzers, dessen Outfits und Gesten zwischen Glamour und Retro, zwischen männlicher und weiblicher Codierung changieren. An seiner Seite brilliert Noah Saavedra als bester Freund und Objekt der Begierde. Sehr eindrücklich und visuell stimmig fokussiert Martin Gschlachts Kamera das Duo und die es umkreisenden Personen. Spannungen und unausgesprochenes Begehren bestimmen die Atmosphäre des Dramas, dem eine bemerkenswerte Wendung hin zu einem politisch aufgeladenen und höchst brisanten Thema gelingt. Während Sexualität und Verlangen stets in der Schwebe und voller Doppeldeutigkeiten gehalten werden, wird die Religion in Hochwald zur Projektionsfläche für die Sehnsucht nach Halt in einer komplex gewordenen Lebensrealität. Schnell ist klar: Der einzige Weg in eine selbstbestimmte Zukunft ist der Ausbruch.
(Katalogtext, ast)

Evi Romen makes brilliant use of the mountain scenery in her audacious queering of classical Heimatfilm tropes. Ricky Shayne and Salvatore Adamo make for pointed additions to a clever soundtrack.
(Bert Rebhandl, Katalog Viennale 2020)