Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

FilmprogrammRegisseur/innen | Spielplan


Sonntag, 24.03.
11:00 Uhr, UCI Annenhof Saal 6

The Green Lie

Dokumentarfilm, AT 2018, 97 min, eOmdU

Palmöl, Elektroautos, Sojabohnen: Mit welchen Tricks arbeiten große Konzerne, um ihren Produkten einen umweltfreundlichen Anstrich zu verpassen? Was verbirgt sich tatsächlich hinter dem Gütesiegel „nachhaltig“? Gemeinsam mit der „Greenwashing“-Expertin Kathrin Hartmann begibt sich Werner Boote auf eine Recherchereise quer durch die Welt, um den Herstellungsbedingungen vermeintlich nachhaltiger Produkte nachzuspüren. Ein Dokumentarfilm voll kleiner wertvoller Erkenntnisse über große grüne Lügen.

„Mir wird gesagt, dass ich die Welt retten kann“, beginnt Werner Boote seinen Dokumentarfilm. „Alles, was ich dafür tun muss, ist nachhaltige und faire Produkte kaufen. Aber das ist eine Lüge.“ So steht der Filmemacher vor den Regalen eines österreichischen Supermarkts, um Nahrungsmittelprodukte kritisch zu beäugen, die mit dem Etikett „nachhaltig“ versehen sind. Fast jedes zweite enthält Palmöl – und damit auch ein Stück Regenwald, wie Kathrin Hartmann bemerkt. Die wiederum beschäftigt sich als Journalistin und Buchautorin schon lange mit dem sogenannten „Greenwashing“: einer profitablen Marketingstrategie großer Konzerne, die Produkten einen täuschenden grünen Anstrich verpasst, um auf Kundenfang zu gehen. Was steckt wirklich hinter dem Label „nachhaltig“? Und was richtet unser Konsumverhalten mit der Welt an?
Diesen Fragen spüren Werner Boote und Kathrin Hartmann auf einer gemeinsamen Recherchereise nach, die sie nach Indonesien, in die USA, nach Deutschland und nach Brasilien zu Wirkungsstätten großer Konzerne führt: auf das abgefackelte Feld eines Palmölherstellers, der mit illegalen Bränden mehrere hundert Hektar Regenwald rodete, um dort Plantagen anlegen zu können; an die Küste Louisianas, an deren Strände noch viele Jahre nach der verheerenden Havarie der BP-Ölplattform Deep Water Horizon giftige Teerklumpen gespült werden; an den luftverpestenden Braunkohletagebau der RWE im nordrhein-westfälischen Garzweiler. Es sind beklemmende Bilder von Orten, die alles andere als menschen- oder umweltfreundlich sind. Das Duo blickt aber nicht nur auf verwüstete Landstriche. Mit namhaften Aktivist/innen, Wissenschaftlern, Biologen sowie Vertretern der Industrie sprechen sie über die schmutzigen Herstellungsbedingungen und ihre katastrophalen Langzeitfolgen. Während der Filmemacher spielerisch die Rolle des vermeintlich naiven Konsumenten übernimmt, wird Kathrin Hartmann nicht müde, als Expertin kritisch nachzuhaken und zu diskutieren. Eine zentrale Gewissensfrage: Was können oder müssen wir als Konsument/innen tun, um die Zerstörung der Natur durch große Konzerne zu verhindern? Das Kernproblem, das verdeutlicht auch der renommierte Globalisierungskritiker Noam Chomsky in einem Gespräch, liegt im globalen Wirtschaftssystem und im Fehlen von Gesetzen, die den Schutz von Natur und Mensch verankern: „Die wahre Herausforderung ist, dass wir vehement an einem Systemwechsel arbeiten müssen, der grüne Lügen überflüssig macht, indem die Machtsysteme unter öffentliche Kontrolle gestellt werden.“ Der erste Schritt ist das Hinsehen.
(Katalogtext, jk)

Dank an GRAWE  

Regie: Werner Boote
Buch: Werner Boote
Darsteller/innen: Werner Boote Kathrin Hartmann Noam Chomsky Raj Patel Feri Irawan Vincent Hannemann Dean Blanchard Scott A. Porter Sônia Bone de Sousa Silva Santos Guajajara Estevinho Floriano Tiago
Kamera: Dominik Spritzendorfer, Mario Hötschl
Schnitt: Gernot Grassl, Roland Buzzi
Originalton: Andreas Hamza, Atanas Tcholakov
Musik: Marcus Nigsch
Sounddesign: Thomas Pötz, Andreas Hamza
Weitere Credits: Regieassistenz Myriam Loukili Recherche Kathrin Hartmann, Daniela Kretschy, Thomas Köttner, Myriam Loukili Produktionskoordination Sandra Hirscher Produktionsleitung Florian Brandt Herstellungsleitung Robert Sattler Producer Elise Lein Produzenten Markus Pauser, Erich Schindlecker
Produzent/innen: Markus Pauser, Erich Schindlecker
Produktion: e&a film
Koproduktion: -