Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

FilmprogrammRegisseur/innen | Spielplan


Samstag, 23.03.
18:00 Uhr, Rechbauer

Der Stille Ozean

Spielfilm, AT/BRD 1983, 95 min, dOF

Hanno Pöschl in einer ungewohnt ernsthaften Rolle. Dem von ihm brillant verkörperten Arzt unterläuft ein Kunstfehler. Er wird freigesprochen und zieht sich aus der Großstadt in die Südsteiermark zurück. Dort hofft er, sein Gewissen beruhigen zu können. Doch als ein Mord passiert und das Dorf nach dem Täter sucht, muss er Stellung beziehen. Mit Der Stille Ozean legt der einstige Fassbinder-Kameramann Xaver Schwarzenberger sein beeindruckendes Regiedebüt nach dem gleichnamigen Roman von Gerhard Roth vor.

Unter dem Vorwand, eine Viruserkrankung auskurieren zu wollen, mietet der Arzt Dr. Ascher (Hanno Pöschl) ein abgelegenes kleines Haus in einem Dorf in der Südsteiermark. Doch Ascher lügt: Nach einem tödlichen Kunstfehler an einer großstädtischen Klinik wurde er vom Gericht zwar freigesprochen, wird aber mit seinem Gewissen nicht fertig. Vom bäuerlichen Leben erhofft er sich seelische Heilung. Aber Ascher hat seine Anpassungskraft an diese fremde Welt überschätzt. Obwohl seine Nachbarn ihn schnell akzeptieren, schafft er es nicht, sich hier heimisch zu fühlen. Als sich im Dorf ein Mord ereignet und Jagd auf den Mörder gemacht wird, wird er vor die Entscheidung gestellt, sich an der Jagd zu beteiligen oder sie zu unterstützen. Er erkennt, dass die Flucht aus der Stadt ein Fehler war. Mit Der Stille Ozean legt der einstige Fassbinder-Kameramann Xaver Schwarzenberger sein beeindruckendes Regiedebüt nach dem gleichnamigen Roman des österreichischen Schriftstellers Gerhard Roth vor. Hanno Pöschl brilliert dabei in einer ungewohnt ernsthaften Rolle, jener des Arztes.
(Katalogtext, 3sat)

Fassbinder – andere haben ein Buch über ihn geschrieben, ich habe einen Film für ihn gemacht. Der Stille Ozean ist Ausdruck dessen, was ich bei ihm gelernt habe. Dieser Film hat andererseits aber nichts mit ihm zu tun: Es ist kein Film, wie ihn Fassbinder gemacht hätte, kein Film von Fassbinder, sondern für ihn. Insgesamt habe ich öfter mit anderen Regisseuren zusammengearbeitet als mit Fassbinder. Die Arbeit mit ihm aber hat mich stärker beeindruckt, sodass ich nicht wusste, mit wem ich nach ihm einen Film machen sollte. Eine der Möglichkeiten war, selbst Regie, einen Film zu machen.
Es war die Rolle des Einzelgängers, des einsamen Wolfs, die mich interessiert hat, und dass Der Stille Ozean von vornherein eine optische Geschichte ist. Ich wollte die Poesie durch Bilder deutlich machen. Es muss auch bei einer sogenannten Literaturverfilmung nicht so viel geredet werden. Nicht einen intellektuellen und auch keinen Bühnenschauspieler haben wir für die Figur des Einzelgängers gesucht, sondern einen sinnlichen Menschen. Einen, dem man nicht ansieht, dass er denkt, sondern dass er gerne isst. Einen wie Hanno Pöschl. Dazu ist der sentimentale Grund gekommen, dass Fassbinder diesen Schauspieler für sich entdeckt hatte. Er hatte große Pläne mit ihm. Sein Tod hat Pöschl am stärksten von uns allen betroffen.
( Xaver Schwarzenberger)

Neben der Auslotung von Aschers Krise wird Der Stille Ozean zur ungeschönten Beschreibung des Dorfalltags – entgegengesetzt zum idealisierenden Tonfall des Heimatfilms. Das Töten aufgrund der um sich greifenden Tollwut sowie die Morde eines „Gerechtigkeitsfanatikers“ sind nur die extremeren Ausläufer einer kaum verborgenen Gewaltbereitschaft.
(Dominik Kamalzadeh, DVD-Booklet Edition Der Standard) 

Regie: Xaver Schwarzenberger
Buch: Walter Kappacher, Gerhard Roth
Darsteller/innen: Hanno Pöschl, Bert Breit, Maria Emo, Marie-France Pisier, Bruno Dallansky, Hannes Thanheiser, Paula Loew, Maria Martina, Sepp Löwinger, Joe Hembus
Kamera: Xaver Schwarzenberger
Schnitt: Ulrike Schwarzenberger, Alice hHckl
Originalton: Ed Parente, Norbert Lill
Musik: Bert Breit
Produzent/innen: Wulf Flemming
Produktion: ORF, ZDF; Teamfilm Produktion