Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

Österreich: zum Vergessen-ALT

Entlang des programmatischen Titels Österreich: zum Vergessen nähern sich das Österreichische Filmmuseum, das Filmarchiv Austria und SYNEMA heuer erstmals gemeinsam, aber mit verteilten Rollen einer zentralen Phase österreichischer Film- und Zeitgeschichte an: den Waldheim-Jahren. Dabei wird nicht nur der Zeit um 1986, sondern auch der Frage nachgespürt, inwiefern der österreichische Film die Vergessens-/Verdrängungskultur beförderte oder für diesbezügliche Wider- und Einsprüche sorgte.

 

Vienna Is Different © David Leitner

Vienna Is Different © David Leitner

Filmische Widerreden

Österreich, die Waldheim-Jahre

Über das Medium Film reflektieren fünf Programme des Filmmuseums einen Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte Österreichs: die Präsidentschaftskandidatur von Kurt Waldheim vor genau dreißig Jahren. Die hier versammelten Werke verstehen sich als filmische Widerreden, stören sie doch genau jene Österreichrhetorik, mit der Waldheim seine eigene Person und seine Rolle im und nach dem Zweiten Weltkrieg zu konstruieren suchte. Klassiker wie Die Ausgesperrten (Franz Novotny, 1982), Die papierene Brücke (Ruth Beckermann, 1987) oder Der siebente Kontinent (Michael Haneke, 1989) stehen für verschiedene Formen der Widerrede und sind sich zugleich nah in ihrer Suche nach den Verschränkungen von Politik, Geschichte und Gesellschaft.
Kuratoren: Alejandro Bachmann, Alexander Horwath

Die Diagonale freut sich, dass Oscar- und Cannes-Preisträger Michael Haneke am Sonntag, dem 13. März 2016, im Anschluss an das Screening von Der siebente Kontinent persönlich für ein Gespräch mit dem Direktor des österreichischen Filmmuseums Alexander Horwath in Graz zugegen sein wird.

 

Ehesache Lorenz © DEFA-Stiftung, Karin Blasig

Ehesache Lorenz © DEFA-Stiftung, Karin Blasig

Das zweite Exil

Emigrierte österreichische Filmschaffende in Ostberlin

Mit Untersützung der DEFA-Stiftung

Eine filmische Entdeckungszone verspricht auch dieses Jahr das Programm von SYNEMA. Unter dem Titel Das zweite Exil nimmt es die Fährten emigrierter österreichischer Filmschaffender bis nach Ostberlin auf. Sie alle flohen vor den Nazis. Viele von ihnen nach Zürich, wo sie gemeinsam an der letzten freien Bühne Europas wirkten. 1946 kehrten die meisten wieder heim, versuchten in Wien mit dem Theater in der Scala etwas Neues; doch aufgrund antikommunistischer Kampagnen musste auch diese Bühne 1956 geschlossen werden. In Ostberlin konnten die aus Österreich Vertriebenen ihrer politischen Überzeugung schließlich treu bleiben und für ein paar Jahre weiterarbeiten. Gezeigt werden: Pension Boulanka (Helmut Krätzig, 1964), Professor Mamlock (Konrad Wolf, 1961), Ehesache Lorenz (Joachim Kunert, 1959), Semmelweis – Retter der Mütter (Georg C. Klaren, 1950). Kurator/innen: Brigitte Mayr, Michael Omasta

 

Der Hofrat Geiger © Filmarchiv Austria

Der Hofrat Geiger © Filmarchiv Austria

Rebranding Images?

Bildstörungen und Verblendungen im österreichischen Kino der „Stunde null“

Der Konstruktion filmischer Erinnerungsräume zur „Stunde null“ – der Zeit kurz nach 1945 – widmet sich das Filmarchiv Austria. Die meisten der Filme aus dieser Zeit lesen sich heute eher als Negative der damaligen Verhältnisse – Wirklichkeit wird vor allem in dem sichtbar, was sie aus- und überblenden. Vier Programme zeigen Wunschprojektionen und Wirklichkeitskonstruktionen des Nachkriegskinos und markieren die Wurzeln einer bis Waldheim durchgehaltenen Österreicherzählung. Willi Forsts Wiener Mädeln etwa, ein noch in der NS-Zeit gedrehter Film, liefert die Schablone für das postkartentaugliche Österreichkino der Wiederaufbauära, während Filmschaffende wie Frank Ward Rossak (Sturmjahre, 1947) oder Johann Alexander Hübler-Kahlas Die Welt dreht sich verkehrt (1947) erste Versuche der Deutung und Einordnung unternahmen. Das Heimkehrerdrama Der weite Weg (1946) fokussiert unterdes auf das unmittelbare Kriegsende, während mit Hans Wolffs Der Hofrat Geiger (1947) ein prototypischer Nachkriegsheimatfilm entstand. Kuratoren: Ernst Kieninger, Nikolaus Wostry