Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Statement von VdFS-Geschäftsführer Gernot Schödl

Herr Schödl, warum ist Ihnen der Diagonale-Preis ein Anliegen?
Die Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VdFS) engagiert sich seit Beginn ihres Bestehens im Bereich der Kulturförderung. Mit ihrem Fonds für soziale und kulturelle Einrichtungen (SKE) unterstützt die VdFS unter anderem filmbezogene Veranstaltungen und Festivals.
Die Diagonale ist für die VdFS von besonderer Bedeutung: Als Festival des österreichischen Films holt sie die Filmschaffenden vor den Vorhang, macht die verschiedenen Leistungen sichtbar und zeichnet diese auch aus. Die VdFS stiftet seit dem Vorjahr für alle in ihr vertretenen Berufsgruppen ein Preisgeld von jeweils EUR 3.000 und unterstützt das Festival darüber hinaus auch mit finanziellen Mitteln.
Filmschaffen lebt vom kreativen Zusammenwirken unterschiedlicher Departments und ihrer Akteure. Regie, Kamera, Schnitt, Kostümbild, Filmarchitektur bis zum Schauspiel – keine andere Kunstform erfordert ein derart intensives Ineinandergreifen kreativer Schaffensprozesse. Der VdFS ist es ein Anliegen, diese Leistungen regelmäßig durch Preise hervorzuheben und darauf hinzuweisen, dass hinter diesen Arbeitsfeldern auch Rechte und Ansprüche stehen, die von der Verwertungsgesellschaft treuhändig wahrgenommen werden. Diese gilt es zu stärken, denn sie werden immer wieder in Frage gestellt und sind auch im europäischen und internationalen Vergleich nicht selbstverständlich.

Was wünschen Sie dem österreichischen Film?
Ich wünsche dem österreichischen Film, dass er die Erfolgsgeschichte der letzten Jahre weiter fortschreiben kann. Dafür muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, von einer starken Filmförderung angefangen bis zu einem modernen (Film-)Urheberrecht. Ersteres ist an die aktuellen Bedürfnisse der Branche, zweiteres an die geänderten gesellschaftlichen Phänomene anzupassen. Weiters bedarf es einer stärkeren Solidarität zwischen den Filmschaffenden, ihren Produktionsfirmen und den Rundfunkanstalten. Grabenkämpfe auf Nebenschauplätzen in einem ohnehin sehr kleinen Markt zu führen ist der österreichischen (Film-)Seele zwar leider immanent, jedoch für alle Beteiligten am Ende kontraproduktiv.
Nur gemeinsam wird es dem österreichischen Film möglich sein, auch weiterhin auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu reüssieren.

© Diagonale/Klaus Pressberger

VdFS © Diagonale/Klaus Pressberger

 

Welche Rahmenbedingungen braucht es Ihrer Meinung nach, um die vielstimmige österreichische Filmlandschaft zu erhalten?
Oberste Priorität hat ein modernes (Film-)Urheberrecht, bildet es doch die Grundlage zur Sicherung von Einnahmen für die Filmschaffenden und die Filmwirtschaft. Die Parameter zur Novellierung des Filmurheberrechts hat der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) bereits im Jahr 2012 vorgegeben und der Oberste Gerichtshof (OGH) im letzten Jahr noch weiter konkretisiert.
Es ist schon ein österreichisches Spezifikum, dass die Filmschaffenden nun seit mehr als drei Jahren (!) auf eine Novelle des Filmurheberrechts warten müssen. Das wäre in anderen Ländern undenkbar.

Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen sind auch die kollektivvertraglichen Regelungen, die auf einer mittlerweile überholten Rechtslage aufbauen, zu erneuern. Auf europäischer Ebene gilt es die Rechte der (Film-)UrheberInnen nachhaltig zu stärken, denn die GegnerInnen sind in Brüssel stark vertreten und machen bereits Druck: Erst kürzlich hat eine Vertreterin der deutschen Piratenpartei im europäischen Parlament einen Bericht vorgelegt, der eine massive Verschlechterung der Position von UrheberInnen vorsieht.
Unter anderem stehen auch jene Ansprüche auf dem Prüfstand des europäischen Gesetzgebers, die für die nationalen Verwertungsgesellschaften die Grundlage zur Dotierung der eingangs erwähnten sozialen und kulturellen Einrichtungen bilden. Die VDFS setzt sich daher, ebenso wie die anderen Verwertungsgesellschaften, auf nationaler und europäischer Ebene intensiv für die Rechte der Kunstschaffenden ein.