Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Eine gemeinsame Veranstaltung von Diagonale und Österreichischem Filmmuseum

 

Kurator/innen:
Alejandro Bachmann, Sebastian Höglinger,
Alexander Horwath, Barbara Pichler, Regina Schlagnitweit.

 

Katalogtext zu Ein anderes Land

Spezialprogramm: Ein anderes Land

Fünf österreichische Filmgeschichten

 

Ein Programm. Das Österreichische Filmmuseum feiert 2014 sein 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass präsentiert die Diagonale eine gemeinsam entwickelte fünfteilige Schau. Die drei Wörter im Namen der jubilierenden Institution werden dabei zum Programm – und zu einer Serie offener Fragen: Österreich? Film? Museum? Die Antworten sind einfach und kompliziert. Erstens: Der einzige Pool, in dem hier nach Filmen gefischt wurde, ist jener des Museums selbst – eine Sammlung kinematografischer Zeugnisse, die 50 Jahre lang nach bestimmten Kriterien, aber auch dank vieler unvorhersehbarer Akquisitionen aufgebaut wurde. Zweitens sind es logischerweise Filme, die hier gesammelt wurden; aber welche grundsätzliche Vorstellung vom Medium Film drückt die „Kollektion Filmmuseum“ am ehesten aus? Und was könnte, drittens, die Idee von Österreich sein, die sich dabei herausfiltern lässt – aus einer Sammlung, die seit 1964 ganz dezidiert nichtnationalen Überlegungen folgt? Kurz gesagt: Ist das, was der Dreifachfilter „Österreich, Film, Museum“ auf die Grazer Kinoleinwände wirft, etwas ganz Fremdartiges – oder ist es genau so zwielichtig, glanzvoll und verkommen wie das Land, in dem wir leben? Wie die Ausdrucksform Film? Wie das zwischen Ideologie und Kritik pendelnde Bildungsinstrument Museum?

Himmel oder Hölle © Sammlung Österreichisches Filmmuseum

Fünf Termine, Titel, Temperamente. Es geht ums Kino und wie es sich selbst begreift. Es geht um Nazis (sowie andere Antisemit/innen) – und um diejenigen, die mittels Film Möglichkeiten geschaffen haben, der Folklorisierung des NS-Staats zu widerstehen. Es geht um eine konkrete Situation der Nachkriegsentwicklung, in der eine Nachfrage nach dem „Modernen“ entsteht, wie auch immer es sich anfühlen mag: Unser Wien, 1957–67. Es geht um den Klang der Sprache des Films, wie also das Weben von Sounds, Schriftzeichen und Einstellungen einen unverwechselbaren Darstellungsmodus und zugleich einen unverwechselbaren Locus beschwört („das Österreichische“ im Licht des „Filmischen“). Und es geht um Skepsis gegenüber jener Idee von Nation oder nationaler Kinematografie, die ständig Ursprungszeugnisse fordert: In Transit, jenseits der Staatsgrenzen oder im Blick von Fremden auf dieses Land, kann „das Österreichische“ seiner Versulzung entgehen. Eine solche Betrachtungsweise, in der Ausländervorteil und Inländerrum einander fröhlich begegnen, wird von der „Österreichsammlung“ des Filmmuseums auf fast natürlichem Wege hervorgebracht.

Nur fünf?! Diese Begrenzung ist glückhaft, denn sie verbietet das „Repräsentative“ und die damit einhergehenden Fallen fast schon von selbst. Weder Österreich noch das Museum und seine Sammlung sind hier „in all ihren Facetten“ oder „ausgewogen“ dargestellt. Am ehesten noch der Film: Bei fünf Programmen kommen nämlich die wirtschaftlich marginalisierten Gattungen gegenüber dem dominanten Spielfilmformat am ehesten zur Geltung. Es sind insgesamt 33 Beispiele aus den Jahren 1896 bis 2014, darunter ein „richtiger“ Spielfilm (Himmel oder Hölle), ein „richtiger“ Dokumentarfilm (Franz Grimus) und ein halb-abendfüllendes Hybrid (Unser Wien). Ansonsten: Filmessay, Filmlyrik, Werbefilm, Künstlerfilm, Spielfilmfragment, frühes Kino der Attraktionen, Amateurfilm, anthropologisches Dokument, Trailer, Filmbeitrag fürs Fernsehen, „Aktualität“ und Wochenschau.