Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

Filmprogramm | Spielplan | Regisseur/innen


Donnerstag, 15.03.
21:00 Uhr, Rechbauer
Sonntag, 18.03.
18:30 Uhr, UCI Annenhof Saal 5

JOURNEY THROUGH A SMALL HOLE IN A GLOVE

Dokumentarfilm, AT/DE 2018, 104 min, OmdU

Die norwegische Inselgruppe der Lofoten ist ein beliebtes Reiseziel. Zumindest im Sommer. Im Winter kommen wenige Tourist/innen. Was nun anbricht, ist die Zeit der Ruhe und Kälte, der Dunkelheit und Langsamkeit. Des Kabeljaufangs. Wer jetzt noch bleibt, ist entweder Inselbewohner/in, will es noch werden oder gar nicht sein. Ein Film, der wie ein Reisebericht anhebt, sich wie ein Spinnennetz ausbreitet und das Inselleben aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt. Von Nordlichtern und Sehnsüchten – „als wären wir auf einem anderen Planeten“.

Die norwegische Inselgruppe der Lofoten ist ein beliebtes Reiseziel. Im Sommer. Im Winter kommen wenige Tourist/innen. Ruhe, Kälte, Dunkelheit – Langsamkeit. Es bleiben die Inselbewohner/innen und die, die es noch werden oder nicht sein wollen. Die Kamera misst eine karge Landschaft aus – Gebirge, Frostboden, mittelbraunes Gras. Es ist ein ungewöhnlicher Winter ohne Schnee. So trocken, dass Brandgefahr besteht.
Persönliche Geschichten verraten die Verbindung der Bewohner/innen zu den Inseln – mal geben sie distanziert, mal oberflächlich, mal sehr vertraut Auskunft: Da ist Grace, die ihren norwegischen Mann durch Briefe kennenlernte und von den Philippinen zu ihm zog. Oder Stig, der vergessen hat, das Wasser laufen zu lassen, damit die Rohre bei den herrschenden Minustemperaturen nicht einfrieren. Während er den vom Meer angespülten Müll einsammelt, erzählt Kurt von den ersten Tourist/innen, die auf die Inseln kamen: „Es war, als ob die Welt zu Besuch kam.
Die Welt hielt bei uns an. Für eine Zeit. Und fragte uns und schaute und wartete.“ Die Insel war lange Zeit isoliert, dann kam der Fährverkehr. Freilich gab es schon viel früher reges Treiben in der Region, ab 1700 hatte vor allem der lukrative Walfang Massen von Fischern angelockt. „Wo der Wal ist – da ist Reichtum“ („Die Lofotfischer“, Johan Bojer, 1921). Heute wird hauptsächlich Kabeljau in der Fabrik verarbeitet. Während Tourist/innen von Booten aus mit Teleskopobjektiven Wale beobachten und zubereitete Fischsuppe essen, freut sich Vidar über den wolkenlosen Himmel. Jede Nacht ist er unterwegs, um das Nordlicht zu fotografieren. Man sagt, es sei hörbar, ein kosmisches Lied, ein Geräusch wie Elektrizität.
Anna Schwingenschuh setzt atmosphärische Kontrapunkte und bringt so im dynamischen Schnitt die vielen individuellen Geschichten in regen Dialog. Traditionelle Volkslieder über Walfang mit der Moderne, das neue Außen mit dem alten Innen und dem immer Dagewesenen vibrieren in der Beziehung zueinander. Ein Film, der wie ein Reisebericht anhebt, sich dann wie ein Spinnennetz ausbreitet und so den Mikrokosmos des Insellebens aus der Gemeinschaft heraus erzählt. Von Nordlichtern und Sehnsüchten – „als wären wir auf einem anderen Planeten“.
(Katalogtext, mh)  

Regie: Anna Schwingenschuh
Buch: Anna Schwingenschuh
Kamera: Florian Werner
Schnitt: Zuhal Er
Originalton: Gerd Jochum
Musik: Bas Grossfeldt
Sounddesign: Niclas Wohlleben
Weitere Credits: SprecherIn: Katharina Thalbach, Cynthia Agojo, Ingvar Kolbjørnsen Filmassistentin Kerstin Neuwirth Schnittberatung: Sarah Weber
Produzent/innen: Anna Schwingenschuh
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