Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Archivsuche

Suchen nach:
Jahr:
Titel:
Genre:

Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist
Spielfilm, AT 2015, Farbe, 90 min.
Diagonale 2015

Regie: Andreas Prochaska
Buch: Stefan Hafner, Thomas Weingartner
Darsteller/innen: Gerhard Liebmann, Simon Hatzl, Ines Honsel, Branko Samarovski
Kamera: Thomas Kiennast
Schnitt: Daniel Prochaska
Originalton: Dietmar Zuson
Musik: Stefan Bernheimer
Sounddesign: Nina Slatosch
Szenenbild: Verena Wagner
Kostüm: Christine Ludwig
Produzent/innen: Klaus Graf
Produktion: Graf Filmproduktion
Koproduktion: ORF

 

Ein totes Mädchen im Kärntner Hinterland. Unverhofft muss der schrullige Postenkommandant Muck gegen die eigene Community ermitteln. Als immer brisantere Details zutage treten – Handy-Sextape inklusive –, wird er im Windschatten seines unwirschen Vorgesetzten (Städter trifft Land) zum Buhmann. Es drohen Selbstjustiz und Eskalation. Mit einer Mischung aus Lokalkolorit und universaler Genreopulenz arbeitet sich Andreas Prochaska an der Trias Freund-, Ort- und Leidenschaft ab. Bissig, humorvoll und genrekundig bis zuletzt.
http://graffilm.com, www.thimfilm.at

Katalogtext Diagonale 2015:
Nachdem bei einer Rettungsübung fünf anstelle von vier Verunglückten aus einem Stollen geborgen werden, stehen die Ermittlungszeichen auf Mord. Bereits im Intro zum aktuellen ORF-Landkrimi beweist Andreas Prochaska, dass er die Regeln des Spiels beherrscht: In einer Rückblende sehen wir die Tote im weißen Kleid – attraktiv, jung, vermeintlich unschuldig wie einst Laura Palmer. Obgleich Hüttenberg nicht Twin Peaks ist, schüren die präzis montierten Blicke der Hinterbliebenen rasch den Verdacht, dass hier das eine oder andere Geheimnis schlummern könnte. Und auch die Melancholie des Kärntner Liedguts, das vom schrulligen Polizeikommandanten Muck mit Herzblut gepflegt wird, fügt sich nur allzu gut in die visuelle Mystik der örtlichen Abgeschiedenheit ein.

Hier in Hüttenberg kennt tatsächlich jede/r jede/n, und es ist genau diese von Muck bisweilen idealisierte Idylle, die ihn mit Fortdauer der Nachforschungen in die Bredouille bringt: Von den verbalen Spitzen des neuen Klagenfurter Chefinspek- tors eingeschüchtert erklärt die Dorfgemeinschaft Muck zum Verräter aus den eigenen Reihen. Nachdem immer brisantere Details zutage treten – Sextape am Handy inklusive – droht die Situation endgültig zu eskalieren. Denn die eigentlichen „Schuldigen“ sind im ländlichen Hörensagen rasch ausgemacht und bereits außergerichtlich vorverurteilt.

Prochaska inszeniert eine bissige österreichische Krimivariation, die sich im Dazwischen von Lokalkolorit und universaler Genreopulenz an der Trias Freund-, Ort- und Leidenschaft abarbeitet. Nicht zuletzt durch das Aufeinandertreffen der beiden herrlich opportunistischen Kieberer (Stadt trifft Land) darf diese auch Spaß machen und über den kriminalistischen Plot hinauswachsen: zu einer Erzählung über Dialekt, Brauchtum und Erwachsenwerden auf dem Land, „Marktgemeinderassismus“, die Skepsis gegenüber allen Außenstehenden und Partner/innen-Engpässe fernab der Großstadt. Landkrimi Kärnten: eine Spurensuche in Verbrechen und Geografie. (sh)

Ich versuche, diesen Figuren, so merkwürdig sie zum Teil auch sind, eine gewisse Würde zu lassen. Für mich ist der Dorf- polizist kein Dorftrottel, sondern jemand, der gefangen ist in dieser dörflichen Struktur und unter den Umständen leidet. Es macht ihm keinen Spaß, dass er plötzlich gegen die eigenen Leute ermitteln muss. (Andreas Prochaska, APA-Interview)