Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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SUPERWELT
Spielfilm, AT 2015, Farbe, 120 min., OmeU
Diagonale 2015

Regie, Buch: Karl Markovics
Darsteller/innen: Ulrike Beimpold, Rainer Wöss, Sibylle Kos, Nikolai Gemel, Angelika Strahser, Michael Scherff, Thomas Mraz, Simon Jaritz, Kati Zambito u. a.
Kamera: Michael Bindlechner
Schnitt: Alarich Lenz
Originalton: William Edouard Franck
Musik: Herbert Tucmandl
Sounddesign: Philipp Mosser, Reinhard Schweiger
Szenenbild: Isidor Wimmer
Kostüm: Caterina Czepek
Produzent/innen: Dieter Pochlatko, Jakob Pochlatko
Produktion: epo-film

 

Diagonale-Preis Filmdesign 2015
Bestes Szenenbild


Diagonale-Preis Bildgestaltung 2015
Beste Bildgestaltung Spielfilm


Diagonale-Schauspielpreis 2015
Ulrike Beimpold


Zwischen Kassajob und Haushalt hat sich Routine ins Leben von Gabi Kovanda geschlichen – unbemerkt, jedoch stetig, wie das längst aus der Wahrnehmung verdrängte Piepen der Kassenscanner. Als sie eines Tages Stimmen heimsuchen, hält das Metaphysische Einzug in die Kleinfamilienenge. „Es ist Gott“, wird sie auf die Frage nach ihrem (Selbst-)Gesprächspartner antworten. Während die Umwelt mit Unverständnis reagiert, begibt sich Gabi auf die Suche nach dem Verborgenen und findet sich – Gott hin oder her – dort selbst.
www.superwelt.at, www.thimfilm.at

Superwelt wird von Thimfilm mit den Apps Greta & Starks barrierefrei zur Verfügung gestellt.

Katalogtext Diagonale 2015: „Herr Markovics, glauben Sie an Gott?“ „Ja.“ „Nein.“ „Ja.“ „Nein.“ (Karl Markovics, SUPERWELT-Blog)

Der Blick von oben auf einen Supermarktparkplatz. Eben hat Gabi Kovanda ihre Schicht beendet und macht sich mit dem Auto auf den Weg nach Hause. Aus der Vogelperspektive gleicht die Szene einem Planspiel, die Welt wirkt modellhaft und klein. Ein wenig so, wie sich auch Gabis Leben anfühlt. Zwischen Einfamilienhaus und Supermarktkassa, Frauenturnen und (Wasch-)Küche hat sich Routine in ihren Alltag eingeschlichen – unbemerkt, jedoch stetig, wie das längst aus der Wahrnehmung verdrängte Piepen der Kassenscanner. Selbst die Beziehung zu ihrem Ehemann verläuft unaufgeregt, bisweilen sprachlos. So bleibt ein Schokoriegel die vielleicht einzige süße Belohnung am Tagesende.

Gabi hat sich eigentlich mit ihrem Leben arrangiert, doch eines Tages verliert sich ihr Blick apathisch im Nichts. Was wie momenthafter Wahnsinn anmutet, entpuppt sich bald schon als göttliche Eingebung. Es ist der Einbruch des Metaphysischen (woman meets god) in den eingespielten Kosmos des Vorhersehbaren – ein Sujet, das Karl Markovics subtil verhandelt und gewitzt mit biblischen Motiven in die Bildebene überträgt. Da brennt der Dornbusch, der eigentlich eine Thujenhecke ist (der Götze einer sich stetig abschottenden Bürgerlichkeit), da avanciert ein Kaffeekränzchen in einem Bauwagen zum perspektivisch ausgeklügelten Abendmahlgleichnis ... Gott ist überall. Und spricht fortan zu Gabi.

Wie Ulrike Beimpold deren ambivalente und notgedrungen imaginäre Beziehung in Gestik und Körperlichkeit übersetzt, ist vielleicht die Sensation in dieser SuPErWELT; wie sich ein vorgebliches Selbstgespräch durch ihr Spiel zunehmend als vertrautes, intimes Flüstern vermittelt; wie sie den anfänglichen Fluch des Stimmenmeeres zum regelrecht physischen Befreiungsschlag aus der familiären und gesellschaftlichen Konvention ummünzt; wie sie paradoxerweise sowohl ferngesteuert als auch selbstbestimmt durch ihre irritierte Mitwelt wandelt und dabei gegen das Stigma der „Irren“ kämpft.

Allen Widerständen zum Trotz öffnet sich Gabi Kovanda einer Welt des Verborgenen und findet sich dort – mit Gott, gegen Gott oder auch ohne Gott – ganz von selbst. (sh)