Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Oktober November
Spielfilm, AT 2013, Farbe, 114 min., OmeU
Diagonale 2014

Regie, Buch: Götz Spielmann
Darsteller/innen: Nora von Waldstätten, Ursula Strauss, Peter Simonischek, Sebastian Koch, Johannes Zeiler u.a.
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Karina Ressler
Originalton: Heinz K. Ebner, Uve Haußig
Sounddesign: Bernhard Bamberger
Szenenbild: Katharina Wöppermann, Susanne Hopf
Kostüm: Erika Navas
Produzent/innen: Antonin Svoboda, Martin Gschlacht, Bruno Wagner, Götz Spielmann
Produktion: coop99 filmproduktion
Koproduktion: SpielmannFilm

 

Diagonale-Preis Schnitt 2014
Beste künstlerische Montage Spielfilm


Über das, was war, ist, vielleicht hätte sein können. Als sich der Gesundheitszustand ihres Vaters verschlechtert, kehrt eine erfolgreiche TV-Schauspielerin zurück aufs Land. Im ehemaligen Dorfgasthof trifft sie auf die ältere Schwester, die das vermeintliche Provinzidyll nie verlassen hat. Subtil inszeniert, brechen sich lang verborgene Sehnsüchte Bahn, kollidieren Selbstbilder und Lebensentwürfe. Und auch der Vater weiß, dass ihm für die Offenbarung eines Geheimnisses nicht mehr viel Zeit bleibt.

www.oktober-november.at, www.filmladen.at

Filmgespräch mit: Götz Spielmann

Katalogtext Diagonale 2014:
Ein Abendessen in Berlin. Am nächsten Morgen werden die Dinierenden ein Paar mimen. An einem Filmset: TV-Produktion, Dutzendware, Oberfläche. Hier hat Sonja Karriere gemacht. In den glatten, beinahe klinisch aufgeräumten Bildern des Drehs verortet Götz Spielmann seine Protagonistin als heimisch. Abseits der Profession scheint sie dagegen nie ganz sie selbst. Auch Sonjas Schwester Verena wird diesen Vorwurf zu einem späteren Zeitpunkt im Film geltend machen. Sie, die einst in der österreichischen Provinz geblieben ist: im ländlichen, poetisch fotografierten Sehnsuchtsraum. Als sich der Gesundheitszustand des gemeinsamen Vaters verschlechtert, kehrt Sonja aus der pulsierenden Metropole zurück an den Ort ihrer Kindheit. „Still ist es“, vermerkt sie nach ihrer Ankunft, gleich einem Kommentar zur gegensätzlichen Lebenswelt der älteren Schwester. Direkt und unaufgeregt konfrontieren die beiden einander fortan mit den jeweils widersprüchlichen Selbstbildern und Lebensentwürfen: mit dem, was war, was ist, was niemals sein konnte, aber vielleicht hätte sein können. Es sind Gestik und Mimik, das Hin- und Wegschauen, mittels derer Spielmann subtile Veränderungen innerhalb der Schwesternbeziehung vorantreibt – und die er gleichzeitig in den (teils antithetischen) Innen- und Außenräumen ihren visuellenWiderhall finden lässt. So stellt Oktober November die Frage nach Identität über das Alltägliche, werden selbst schwerwiegende Geheimnisse und Lügen beinahe nebenbei verhandelt. Nur einmal – wenn Martin Gschlachts Kamera wie die Seele aus dem Körper des zwischenzeitlich verstorbenen Vaters fährt – kommt es dann doch zur momenthaften Entfesselung der Inszenierung, und das Metaphysische hält Einzug im wunderbar epischen Kammerspiel. (red)

Spielmann findet einen gelungenen Rhythmus, das schwelende Drama in den Herbstlandschaften widerhallen zu lassen, während er im Inneren des Hauses keine einfachen Lösungen sucht. (Dominik Kamalzadeh, Der Standard)

Wenn ich das Thema von Oktober November definieren müsste, dann ist es die Frage von Identität. Das ist eine zentrale Frage in unserem Leben. Selbstentfremdung, Selbstverwirklichung spielen da hinein, auch die Frage nach dem Sinn, und warum ich hier auf dieser Welt bin. (Götz Spielmann, AFC-Interview)