Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

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Macondo
Spielfilm, AT 2014, Farbe, 98 min., OmdU
Diagonale 2015

Regie, Buch: Sudabeh Mortezai
Darsteller/innen: Ramasan Minkailov, Aslan Elbiev, Kheda Gazieva, Rosa Minkailova, Iman Nasuhanowa, Askhab Umaev u.a.
Kamera: Klemens Hufnagl
Schnitt: Oliver Neumann
Originalton: Atanas Tcholakov
Sounddesign: Atanas Tcholakov
Szenenbild: Julia Libiseller
Kostüm: Carola Pizzini
Produzent/innen: Oliver Neumann, Sabine Moser
Produktion: FreibeuterFilm

 

Innovative Produktionsleistung der VAM 2015

Macondo folgt dem elfjährigen Ramasan durch die titelgebende Wiener Wohnsiedlung für Menschen mit Asylstatus: beim Fußballspielen, bei jugendlichen Dummheiten und mitten im Familienverband, in dem er gemäß tschetschenischer Tradition den Platz des gefallenen Vaters eingenommen hat. Als sich der grüblerische Isa zunehmend als erwachsene Integrationsfigur anbietet, wird Ramasan auf eine harte Probe gestellt. Coming-of-Age unter prekären Umständen – eine Flüchtlingsgeschichte mit Blick von innen.
www.macondo-film.com, www.filmladen.at

Katalogtext Diagonale 2015:
Versteckt am Stadtrand von Wien liegt Macondo, eine Wohnsiedlung für Menschen mit Asylstatus. Bunte Wäschestücke säumen die nicht enden wollenden Treppengeländer der mehrstöckigen Bauten. Sie zeugen von der Enge des Wohnraums, aber auch von der Diversität der hier ansässigen Nationalitäten. Macondo folgt dem elfjährigen Ramasan durch diesen rauen transkulturellen Kosmos. Stets auf Augenhöhe, leichtfüßig und neugierig bleibt die bewegte Kamera dabei dicht an ihrem Protagonisten, während dieser im Dazwischen von Kind- und Erwachsensein die Lücke zu füllen sucht, die sein im Krieg gefallener Vater hinterlassen hat. Als einer von dessen Kriegskameraden in den Familienverband drängt, wird die Ambivalenz zwischen Kindheit und Männlichkeit, zwischen Sehnsucht nach einer neuen erwachsenen Integrationsfigur sowie dem Festhalten an Tradition und zurückgelassener Vergangenheit zunehmend zur Belastungsprobe.

Sudabeh Mortezai erzählt eine sensible Flüchtlingsgeschichte, die nicht zuletzt durch die junge Perspektive und den grandiosen Laiencast (allen voran Ramasan Minkailov) besticht. Weitgehend klischeefrei vermitteln sich die Bedürfnisse und Sorgen von Coming-of-Age in prekären Umständen, während sich der unwirtliche suburbane Lebensraum ohne unnötige Gangsterverklärung erschließt. Macondo: Nicht „mein Block“, sondern schlichtweg „mein Zuhause“. (sh)

Mir ging es darum, dem ominösen Schlagwort „Integration“ einen Blick von innen entgegenzusetzen. In der herkömmlichen Integrationsdebatte wird meist über die Leute geredet, anstatt sie mit einzubeziehen – Menschen werden wie ein Thema behandelt. Dieser Blick von außen ist in den Medien vorherrschend. Mir ging es aber um die Innenperspektive. (Sudabeh Mortezai)

“Will Ramasan grow up to be a good man or a bad man?” is the question that hangs in the balance throughout Macondo, and one that some superb performances, authentic context and impressive filmmaking make us care deeply to see answered. And yet film’s deep currents actually guide us away from this simplicity, to a conclusion that instead sings a bittersweet song that is both far more truthful and far more compromised: he is going to be neither. He is going to be both. (Jessica Kiang, Indiewire)