Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Archivsuche

Suchen nach:
Jahr:
Titel:
Genre:

Holz Erde Fleisch
Dokumentarfilm, AT 2016, Farbe, 72 min., OmeU
Diagonale 2016

Regie, Buch, Schnitt: Sigmund Steiner
Kamera: Michael Schindegger
Originalton: Pavel Cuzuioc
Sounddesign: Michael Schreiber
Weitere Credits: Dramaturgische Beratung: Barbara Kaufmann, Katharina Mückstein
Produzent/innen: Flavio Marchetti, Katharina Mückstein, Michael Schindegger, Natalie Schwager, Sigmund Steiner
Produktion: La Banda Film OG

 

Großer Diagonale-Preis 2016
Bester österreichischer Dokumentarfilm


„Einen Bauern, hat mein Vater immer gesagt, kann man nur dann verstehen, wenn man einmal mit ihm im Wald war. Oder am Feld. Oder auf der Alm.“ Auf der Suche nach dem Wesen des eigenen Vaters begleitet Sigmund Steiner drei Landwirte bei ihrer Arbeit. In kontemplativen Naturaufnahmen und intimen Interviews wird der Zyklus von Leben und Tod in all seinen Dimensionen erfahrbar: im Rhythmus der Natur, im Wechsel der Generationen. Ein liebevolles Porträt eines schwierigen Vater-Sohn-Verhältnisses.

Um mehr über den eigenen Vater und dessen Arbeit als Landwirt zu erfahren, setzt sich Sigmund Steiner mit seiner bäuerlichen Herkunft auseinander und begleitet einen Forstwirt, einen Gemüsebauern und einen Schafzüchter bei ihrer Arbeit. In den Interviews mit den Protagonisten und ihren Familien ist nicht nur die Frage nach der Zukunft der Landwirt/innen und der Bereitschaft der Nachkommen, das Erbe ihrer Vorfahren anzutreten, von Bedeutung. Ebenso erzählt die Elterngeneration von ihrer Kindheit, ihrem Verhältnis zu den eigenen Eltern und zur Tradition – ein Umstand, in dem sich die Beziehung zwischen dem abwesenden Vater und dem Filmemacher selbst spiegelt.
Holz Erde Fleisch entspringt einem sehr persönlichen Anliegen: der Suche nach dem Wesen dieses Vaters, dem Bedürfnis nach einem tieferen Verständnis für einen Mann, der dem Familienbesitz höhere Priorität beimisst als der Familie selbst. Es ist ein sehr privater und berührender Essay, der in kontemplativen Einstellungen Einblicke in die Arbeit in und mit der Natur gewährt, den Zyklus von Leben und Tod allgegenwärtig spürbar, Zeit in all ihren Dimensionen erfahrbar werden lässt: bei der Saat und Ernte einer Kartoffel, beim Aufziehen und Schlachten eines Tiers, beim Pflanzen und Fällen eines Baums – Leben und Arbeit in Abhängigkeit vom Rhythmus der Natur. Der Blick auf den natürlichen Kreislauf des Generationenwechsels mündet in einer Perspektivenverschiebung, die schließlich eine emotionale Annäherung des Filmemachers an den Vater zu ermöglichen scheint. Man meint einen Mann zu erkennen, der kein gieriger Egoist war, sondern ein Idealist, der immer nur einer Idee gefolgt ist: der Bewahrung eines Lebens für die nächste Generation. „Vielleicht ist zwischen Filmarbeit und Holzarbeit gar kein so großer Unterschied“ (Sigmund Steiner). (Katalogtext, mk)

labandafilm.at

Im bäuerlichen Leben ist die Weitergabe des Familienbetriebs mit vielen Erwartungen und Loyalitätskonflikten verbunden. Ich selbst habe mich entschieden, den Betrieb meines Vaters nicht zu übernehmen. In die Fußstapfen der Eltern zu treten kann bedeuten: Sicherheit, den eigenen Platz im Lauf der Dinge zu kennen, aber auch Verantwortung, die mit der Einschränkung der eigenen Bedürfnisse einhergeht. Für mich behandelt Holz Erde Fleisch am Beispiel der Bauern ein größeres Thema: Wie können wir mit den Erwartungen unserer Eltern umgehen, und wie werden wir mit unseren eigenen Kindern verfahren? (Sigmund Steiner)