Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Der Glanz des Tages
Spielfilm, AT 2012, Farbe, 92 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel
Buch: Tizza Covi, Rainer Frimmel, Xaver Bayer
Darsteller/innen: Philipp Hochmair, Walter Saabel, Vitali Leonti u.a.
Kamera: Rainer Frimmel
Schnitt: Tizza Covi, Emily Artmann
Originalton: Manuel Grandpierre
Produzent/innen: Rainer Frimmel
Produktion: Vento Film

 

Großer Diagonale-Preis 2013
Bester österreichischer Spielfilm


Der Schauspieler Philipp Hochmair definiert seine Freiheit entlang seiner künstlerischen Selbstverwirklichung, die zahlreichen Bühnen-Ichs lassen kaum Platz für Alltagsrealität. Als sich der ehemalige Zirkusschausteller Walter als Onkel zu erkennen gibt, prallen zwei wahlverwandte, jedoch grundverschiedene Lebenskonzepte aufeinander. Was an den Biografien real oder Fiktion ist, bleibt uneindeutig. Ein Film über die Diskrepanz zwischen Spiel und Wirklichkeit, über die Freundschaft und das Leben.

Katalogtext Diagonale 2013:

Philipp Hochmair als er selbst. Doch wer ist dieser Mann? Am Tag vor der großen „Woyzeck“-Premiere trifft der Schauspieler auf seinen Onkel Walter (Walter Saabel), einen ehemaligen Zirkusartisten und Bärenringer. Dieser ist gekommen, um mit seinem Bruder reinen Tisch zu machen und den Neffen kennenzulernen. Bald entpuppen sich ihre Lebensentwürfe als wahlverwandt – eine gemeinsame, persönliche Ebene ist rasch gefunden.

Beim Folgetreffen wandelt sich Hochmairs Erscheinungsbild: Die Glatze vom Vortag erweist sich als Theatermaske. Nicht nur in dieser Hinsicht ist die Privatperson von ihren zahlreichen Bühnen-Ichs kaum zu trennen. Das Leben des erfolgreichen Schauspielers ist konsequent nach der eigenen künstlerischen Verwirklichung getaktet: Theaterprobe, Texttraining, Auftritt – für Privates und Alltag bleibt wenig Platz. Obgleich in ähnlichen Metiers sozialisiert, erweisen sich die beiden Protagonisten und ihre Welten als grundverschieden. Zunehmend fungiert der in der Realität verankerte Onkel als Gegenpol zum Bühnenmenschen Hochmair.

Wie schon die Vorgängerfilme von Tizza Covi und Rainer Frim- mel ist auch Der Glanz des Tages durch ein unkonventionelles Mischverhältnis von Theater, Film und Realität geprägt. Gerade in diesem Spannungsfeld entfalten sich die Lebensnähe und die Unmittelbarkeit der Erzählung, die sehr eng an die Biografien ihrer Schauspieler andockt. Die Wirklichkeit hat eben viele Seiten. Am deutlichsten wird das in der wohl eindringlichsten Szene des Films, einer beinahe philosophischen Reflexion über die unterschiedlichen Definitionen persönlicher Freiheit. Ohne Frage: Der Glanz des Tages sieht für jede/n anders aus. (red)

„Sei einfach Du selber!“ Aber was heißt das, wenn es seit vielen Jahren alltäglich ist, sich permanent zu verwandeln und andere zu spielen? Ich habe darüber wahrscheinlich auch ein Stück weit vergessen, wer ich außerhalb dieser Literatur-Welten bin. (Philipp Hochmair)

Die Stärke von Der Glanz des Tages liegt wie bei früheren Filmen des Regiepaares in genauer Beobachtungsgabe und Liebe zu marginalen Figuren und Schauplätzen. Wien erscheint als Sammelsurium lebensnaher Existenzen, eine Bühne, die in Kontrast zu jenen steht, auf denen Hochmair reüssiert. (Dominik Kamalzadeh, Der Standard)