Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Diamantenfieber - Kauf dir lieber einen bunten Luftballon
Spielfilm, AT 2012, Farbe, 74 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie, Buch: Peter Kern
Darsteller/innen: Johannes Nussbaum, Anna Posch, Josef Hader, Stephanie zu Fürstenberg, Melanie Kretschmann u.a.
Kamera: Peter Roehsler
Schnitt: Wolfgang Auer
Originalton: Benjamin Kalisch
Musik: Wolfgang Makula
Sounddesign: Wolfgang Auer
Szenenbild: Susanne Feas
Kostüm: Tanja Linner
Produzent/innen: Michael Klangvoll
Produktion: Kulturfabrik Austria

 

Diagonale-Schauspielpreis 2013
Johannes Nussbaum


Der 15-jährige Hans sorgt im Alleingang für die Familie. Weil Geld kein Mascherl hat, nimmt er, von wem auch immer er etwas kriegen kann. Beispielsweise vom Onkel, dem er als Diamanten-Kurier bei dessen Gaunereien zur Seite steht. Als sich Hans in die Tochter von superreichen Klient/innen verliebt und das Jugendamt anklopft, nehmen die Probleme Überhand – doch Liebe und Freundschaft währen immer noch am längsten. Ein antikapitalistisches Plädoyer im märchenhaften Krimiformat.

Katalogtext Diagonale 2013:

Hans ist 15 und alles andere als ein gewöhnlicher Teenager. Nach dem Tod der Eltern sorgt er mit unermüdlicher Hingabe für seine jüngeren Geschwister und die kranke, bettlägerige Großmutter. Weil Geld bekanntlich kein „Mascherl“ hat, nimmt Hans, vom wem auch immer er etwas kriegen kann. Legal, illegal: egal. Mit dieser Einstellung ist er bei seinem Onkel (Josef Hader, Diagonale Schauspielpreis 2009) an der richtigen Adresse, vermittels dessen Disposition gefälschte Diamanten die Besitzer/innen wechseln. Hans mimt den vertrauenswürdigen Kurier im eleganten Zwirn. Robin-Hood-gleich wird in diesem Spiel von den höheren Gesellschaftsschichten nach unten umverteilt.

Bei einem Botengang in einem Wiener Villenviertel trifft Hans auf die süße, todunglückliche Melanie. Während deren Eltern vergebens danach trachten, den Ehezwist mit Diamanten-Deals zu lindern, steckt die Tochter den Kopf in den Gasofen und übt Freitod. Erst die Bekanntschaft mit Hans eröffnet ihr einen alternativen Ausweg aus ihrer Daseinsmisere: Sie schließt sich dem charismatischen Junggauner und dessen Kumpanen an. Gemeinsam, wider das Jugendamt und alle Wahrscheinlichkeit, erkämpfen sie ein unbedingtes Happy End. So muss das auch sein, denn „Kerns Sympathie mit den Außenseitern und Verletzten ist so radikal wie sein Kino aktuell und notwendig“ (Philipp Bühler). Ein antikapitalistisches Plädoyer im märchenhaften Krimiformat. Von wegen „Diamonds are forever“. (red)

Im Zentrum unseres Films steht die Suche nach Leben und Liebe. Das Zwischenmenschliche steht im Vordergrund. Reich und Arm treffen hier zwar zusammen, aber unser Thema ist mehr ein Robin-Hood-Stoff als eine soziale Studie über eine verlorene Jugend. Die Jugendlichen machen etwas Verbotenes, weil das Leben mit dem Verbot spielt. Gäbe es kein Schwarzgeld, würde sich niemand auf einen Handel mit falschen Brillanten einlassen. Sie lernen durch die Umstände zu han- deln. (Peter Kern)

Bei seinen Filmen hat mich immer diese Unmittelbarkeit so angesprochen, dass man das Gefühl gehabt habt, die machen das einfach, die scheißen sich nichts – und ich wollte schauen, wie diese Leichtigkeit entsteht. Sie entsteht eigentlich durch ihn und in ihm und mit ihm. Und er hat einen so liebenden Zugang. (Josef Hader über Peter Kern, Deutschlandradio)