Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

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Das finstere Tal
Spielfilm, AT/DE 2013, Farbe, 114 min.
Diagonale 2014

Regie: Andreas Prochaska
Buch: Andreas Prochaska, Martin Ambrosch, nach einem Roman von Thomas Willmann
Darsteller/innen: Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Gerhard Liebmann, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Erwin Steinhauer u.a.
Kamera: Thomas W. Kiennast
Schnitt: Daniel Prochaska
Originalton: Dietmar Zuson
Musik: Matthias Weber
Szenenbild: Claus Rudolf Amler
Kostüm: Natascha Crutius-Noss
Produzent/innen: Helmut Grasser, Stefan Arndt
Produktion: Allegro Film Produktion
Koproduktion: X Filme Creative Pool, SamFilm, ZDF, ORF

 

Kurz vor Einbruch des Winters dringt ein wortkarger Fremder in ein abgeschottetes österreichisches Hochtal vor, dessen Gemeinschaft ein düsteres Geheimnis eint. Genrekonform führt der Weg zur Wahrheit in Andreas Prochaskas Alpenversion eines Westerns über die (blutige) Aussöhnung mit der Vergangenheit – alsbald sieht sich das Reinweiß des Gebirgsschnees mit tiefem Rot versetzt. Ein bildgewaltiges Spiel auf der Genre-Mundharmonika: starbesetzt, inszenatorisch brillant, gnadenlos.

www.dasfinsteretal-derfilm.at, www.filmladen.at,

Filmgespräch mit: Andreas Prochaska

Katalogtext Diagonale 2014:
Die Freiheit ist ein Geschenk, das sich nicht jeder gern machen lässt. (Filmzitat)

Es gibt Sachen, über die darf man nicht reden, heißt es. Doch die schlimmsten Erlebnisse wird man nie ganz vergessen. Welches Medium würde sich besser für ein Erinnern eignen als der Film; welches Genre besser als der Western, in dem nicht erst seit C’era una volta il West das Gesetz der Rache – des blutigen Nichtvergessens – regiert. Über einen versteckten Pfad dringt ein Fremder aus Übersee in den räumlich und zwischenmenschlich abgeschotteten Kosmos eines österreichischen Bergdorfs vor – in eine Umgebung der Angst, geschürt durch einen Altbauernclan mit Mafia-Aura. Die Kamera schweift über zerfurchte Gesichter, zelebriert durchdringende, misstrauische Blicke, die den Neuen alles andere als willkommen heißen. Läge nicht der kalte Nebel zwischen den umliegenden bedrohlich in Szene gesetzten Berggipfeln, man fühlte sich in die abgelegenen Westernstädte Sergio Leones versetzt. Es ist dieses (Film-)Welten verschränkende Spiel auf der Genre-Mundharmonika, das Andreas Prochaska in Österreich beherrscht wie kein Zweiter: „Gibt’s da wirklich Indianer?“, wird der schweigsame Unbekannte im tiefsten Tirolerisch zu seiner Heimat gelöchert – ganz so, als wäre die Fragende selbst ein Kind kinematografischer Wild-West-Sozialisierung. Und auch die „Alpencowboys“ um Tobias Moretti reiten nicht zufällig im hierzulande unüblichen amerikanischen Westernstil. Ihre Gastfreundschaft muss sich der angebliche Fotograf und Eindringling (Casting-Großtat Sam Riley) allerdings erst mit einer Handvoll Dollar erkaufen, die ihm letztlich für die Dauer eines Winters Unterkunft verschafft. Zeit genug, einem grausamen Geheimnis nachzuspüren, das ihn und das Tal bis ins Heute verbindet. Denn nicht bloß seine fotografische Apparatur versteht sich als „Spiegel mit nicht löschbarem Gedächtnis“.(red)

Das Besondere an Das finstere Tal ist, dass es mehr ist als ein Western, der im Schnee in den Alpen spielt. Letztlich hat der Film Elemente von einem psychologischen Thriller, es ist die Geschichte einer Identitätssuche, es ist ein Heimatfilm, ein Drama, und die Action kommt auch nicht zu kurz. Es ist sozusagen Western mit Mehrwert. (Andreas Prochaska)