Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Talea
Spielfilm, AT 2013, Farbe, 75 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie: Katharina Mückstein
Buch: Selina Gnos, Katharina Mückstein
Darsteller/innen: Sophie Stockinger, Nina Proll, Philipp Hochmair, Rita Waszilovics, Eva-Maria Gintsberg, Andreas Patton, Lili Epply, Megan Werther u.a.
Kamera: Michael Schindegger
Schnitt: Natalie Schwager
Originalton: Johannes Preis
Musik: Veronika Eberhart, Wolfgang Möstl, Alessandro Mannarino
Sounddesign: David Seitz
Szenenbild: Katharina Haring, Mira König, Simon Sramek
Kostüm: Monika Buttinger
Produzent/innen: Flavio Marchetti, Katharina Mückstein, Michael Schindegger, Natalie Schwager
Produktion: La Banda Film

 

Bestes Kostümbild 2013

Die 14-jährige Jasmin sehnt sich nach der Nähe zu ihrer leiblichen Mutter Eva. Nach deren Entlassung aus dem Strafvollzug wird ein Ausflug aufs Land zur Bewährungsprobe für die noch wenig routinierte Mutter-Tochter-Beziehung. Gemeinsam rauchen, tanzen, wandern – die Stimmung ist gut. Doch immer wieder klaffen beider Erwartungen und Bedürfnisse weit auseinander. Im Moment scheinen weder Eva noch Jasmin der jeweiligen Suche nach Halt und Identität gewachsen.

Katalogtext Diagonale 2013:

Endlich Sommer, endlich Urlaub. Alle freuen sich auf die gemeinsamen Tage in Italien. Nur die 14-jährige Jasmin ist unruhig. Generell verläuft ihre Kontaktaufnahme mit der Außenwelt für ein Mädchen ihres Alters ungewöhnlich verhalten, Antworten erfolgen – wenn überhaupt – einsilbig. Die Bemühungen ihrer Pflegefamilie, sie als vollwertiges Mitglied in den gemeinsamen Alltag einzubinden, scheinen Jasmin nicht wirklich recht zu sein. Sie sehnt sich nach ihrer leiblichen Mutter Eva, die erst kürzlich aus dem Strafvollzug entlassen wurde.

Immer wieder taucht Jasmin unangemeldet an deren Arbeitsplatz auf. Eva jedoch ist den Versuchen der Tochter, Kontakt aufzunehmen, psychisch nicht gewachsen – zu viel Zeit ist verstrichen. „Ich weiß ja gar nichts mehr von ihr“, gesteht sie ihrer Bewährungshelferin. Doch Jasmin lässt nicht locker. Nach einem Streit flüchtet sie aus dem Haus ihrer Zieheltern und überredet Eva zu einem Ausflug. Erst einmal aus der Stadt entkommen, nähern sich die beiden an – mal wie Mutter und Tochter, mal wie zwei Freundinnen. Auf der Tanzfläche einer Dorfdisco scheint Jasmin nach ersten verhaltenen Bewegungen endlich glücklich, verliert sich im Taumel zur Musik, um schon bald wieder in die gnadenlose Realität zurückgeworfen zu werden: Die Erwartungen und Bedürfnisse von Mutter und Tochter klaffen immer weiter auseinander. Im Moment scheinen weder Eva noch Jasmin der jeweiligen Suche nach Halt und Identität gewachsen, doch wird das Erlebte für beide zur Basis einer anderen – vielleicht gemeinsamen – Zukunft. (red)

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Kategorien, die unsere Identität prägen, stark verändern. Staatsgrenzen fallen, traditionelle Familienkonstellationen brechen auf, Geschlechterrollen werden hinterfragt. Wir sind freier denn je in der Gestaltung unseres Selbst, doch die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ ist für viele Menschen kompliziert. Die Hauptfigur unserer Geschichte muss sich auf die Suche nach ihrer emotionalen Herkunft machen. Sie ist getrieben von der Sehnsucht, sich in der Mutter widerzuspiegeln, um etwas über sich selbst zu erfahren. Obwohl diese Identitätssuche eigennützig ist, wirkt sie beziehungsstiftend, sodass beide Figuren gestärkt aus der Geschichte hervorgehen und am Ende an Zuversicht und Handlungsspielraum gewonnen haben. (Katharina Mückstein)