Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Sturmjahre - Der Leidensweg Österreichs
Dokumentarfilm, AT 1947, Schwarzweiß, 80 min.
Diagonale 2016

Regie: Frank Ward Rossak
Buch: Frank Ward Rossak, Herbert Heidmann
Darsteller/innen: Dagny Servaes, Trude Sommer, Hans Brand, Herbert Holy, Hans Jungbauer u. a.
Kamera: Hans Imber, Hans Nigmann, Bruno Lötsch, Mario Wiberal, Josef Halbritter, Paul Bruck
Musik: Hans Wilma
Produktion: Pax-Film

 

Geschichtsunterricht auf Österreichisch: Der vom einstigen Arbeiterfilmer Frank Ward Rossak mit Archivmaterialien realisierte Dokumentarfilm Sturmjahre – Der Leidensweg Österreichs liefert konsensuale Interpretationen der jüngeren Zeitgeschichte und entwirft erste Selbstbilder eines kollektiven Gedächtnisses.

Glaubt an dieses Österreich! Sturmjahre – Der Leidensweg Österreichs visualisiert den politischen Imperativ des Jahres 1945 in einer geschichtsmächtigen und mit Pathos vorgetragenen Erzählung über die jüngere Vergangenheit. In dieser mit vielen Archivbildern montierten Collage versammeln sich schon alle Interpretationen und Mythen, die auf längere Sicht die Geschichte, die Österreich von sich selbst entworfen hatte, bestimmen sollten: das bis zum Einmarsch der Nazis prosperierende Land, das erste Opfer des Nationalsozialismus, der aktive Widerstand gegen Hitler. Sturmjahre – Der Leidensweg Österreichs ist eine Form der visuellen Folklore, die sich in den kommenden Jahren zu prägenden Geschichtsbildern, zur Lebenslüge dieses Landes verfestigen wird. Frank Ward Rossak, schon seit den 1910er-Jahren im österreichischen Film tätig, avancierte in den Zwischenkriegsjahren zu einem der wichtigsten Vertreter eines linken Kinos in Österreich. Zu seinen bekanntesten Filmen zählt der für die Sozialdemokratie realisierte Propagandafilm Mr. Pim’s Trip to Europe (1930) über die Aufbauleistungen des Roten Wien. Doch Rossak zog mit der „neuen Zeit“ und sympathisierte bereits 1933 mit den Nationalsozialist/innen, denen er sich auch als Filmdienstleister andiente. 1934 schilderte er in Stürmische Tage über Österreich die Lage nach den Februarkämpfen in Wien, 1947/48 wurde eine vermutlich umgeschnittene Version neuerlich ins Kino gebracht. Die Kunst der Montage, des Redesigns historischer Filmdokumente spielt Rossak abendfüllend in Sturmjahre – Der Leidensweg Österreichs aus: Auf Basis einer auch visuell verklärten Vergangenheit baut Sturmjahre – Der Leidensweg Österreichs am Mythos des Wiederaufbaus.
(Ernst Kieninger)

Sturmjahre – Der Leidensweg Österreichs beschreibt die Jahre von 1936 bis 1946 in Österreich und baut in seinen Bildern an den mentalen Fundamenten der Zweiten Republik mit. Der Film beginnt mit einem schwelgenden Prolog. Archaische Bilder sprechen von der Schönheit des Landes und der Kraft der Heimat. Der Bauernstand wird als Bewahrer ewiger Kreisläufe vorgestellt. Der Weg führt in die Stadt, nach Wien. 1936 lebten die Menschen hier glücklich und zufrieden. Arbeitslosigkeit und Nationalsozialismus brechen als Tragödien von außen herein. Während halb Europa in Schutt und Asche aufgeht, agiert in Österreich, das offiziell auf der Landkarte nicht mehr existiert, der Widerstand im Untergrund. Das österreichische Volk leistet „im Rahmen des Möglichen“ seinen Beitrag zur Befreiung. Die Forderung nach dem Krieg lautet daher: „Gerechtigkeit für Österreich“. Die Mittel der Alliierten, die eigene Arbeitskraft, der Wille zum Verzicht bringen – zunächst spärlich – Licht in die Straßen, die Häuser, die Herzen. Sturmjahre – Der Leidensweg Österreichs entlässt seine Besucher/innen mit der Gewissheit: „Es geht aufwärts.“
(Elisabeth Büttner, Christian Dewald)

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