Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Soldate Jeannette
Spielfilm, AT 2012, Farbe, 79 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie, Buch, Szenenbild: Daniel Hoesl
Darsteller/innen: Johanna Orsini-Rosenberg, Christina Reichsthaler, Josef Kleindienst, Julia Schranz u.a.
Kamera: Gerald Kerkletz
Schnitt: Natalie Schwager
Originalton: Klaus Kellermann, Johannes Preis, David Seitz
Musik: Bettina Koester, Gustav
Sounddesign: Gerhard Daurer, Peter Kutin, Andreas Pils
Kostüm: Alexander Goll
Produzent/innen: Katharina Posch, Daniel Hoesl, Gerald Kerkletz
Produktion: European Film Conspiracy

 

Diagonale-Preis Sounddesign 2013
Bestes Sounddesign Spielfilm


Diagonale-Schauspielpreis 2013
Johanna Orsini-Rosenberg


Zwei Frauen: Fanni und Anna. Die eine ist müde vom Konsumleben der Stadt, die andere vom erniedrigenden Umgangston am ländlichen Bauernhof. Ebendort treffen die beiden aufeinander – und beschließen, das Spiel nicht länger mitzuspielen. Bis dahin hat Fanni ihre Delogierung galant ignoriert und das Vermögen einer Bekannten im Wald verheizt. Herrlich unaufgeregt geht sie ihren Weg, ohne viel über das Wie und Warum preiszugeben. Eine Übung in Autopoiesis – inhaltlich wie auch dramaturgisch.

Katalogtext Diagonale 2013:

Das ist ein Kleid, das man nicht nur trägt, das ist ein Kleid, über das man spricht, versichert der Verkäufer in der Nobelboutique. Gesagt, gekauft – und an der nächsten Straßenkreuzung im Kleidercontainer entsorgt. Wenige Szenen später wird die großzügige Spenderin einer schweizerischen Bekannten vermeintlich lukrative Goldgeschäfte schmackhaft machen. All das geschieht eloquent und höflich. Einzig: Vom Gewinn wird die Geschäftspartnerin nichts zu Gesicht bekommen. Wie und warum, das lässt Regisseur Daniel Hoesl offen. Auch in weiterer Folge wird er von den Beweggründen der Protagonistin Fanni wenig preisgeben. Ihr Handeln wirkt seltsam künstlich, beinahe apathisch abgeklärt: Die eigene Delogierung will sie erst gar nicht wahrhaben. Irgendwie scheint Fanni abgeschlossen zu haben – mit dem bisherigen, finanziell abgesicherten Leben, vielleicht auch mit einer Vergangenheit, die sich nur in wenigen Andeutungen zu erkennen gibt.

Während Jeanne d’Arc auf der Leinwand vom Tod als Erlösung spricht, schläft Fanni tief und fest im dunklen Kinosaal. Ihr eigener, herrlich unaufgeregter Feldzug hat mehr von einer Reise – und führt sie hinaus ins Grüne, wo sie auf Anna trifft. Die eine ist müde vom Konsumleben in der Stadt, die andere vom erniedrigenden Umgangston auf dem Hof. Auch die regenreiche Landkulisse darf bei Hoesl also nicht als uneingeschränkter Sehnsuchtsort herhalten. Gemeinsam nehmen die Frauen in einem gleichsam stillen Akt der Selbstbestimmung die Würfel in die Hand. Und die Zuschauer/innen folgen den unkonventionellen Fäden der Erzählung, getragen vom kühlen Spiel von Johanna Orsini-Rosenberg und der präzisen Kameraarbeit von Gerald Kerkletz.

Soldate Jeannette ist der erste Langspielfilm des European Film Conspiracy Kollektivs. (red)

Was normalerweise durch die Gestaltung eines Drehbuchs auszuschalten versucht wird, also das Unberechenbare oder die Autopoiesis, wird bei unserer Arbeitsweise zum Potenzial. (Daniel Hoesl)