Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Shqipëria – Notizen aus Albanien
Dokumentarfilm, AL/AT 2012, Farbe, 72 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie: Klaus Hübner, Alfred Zacharias
Buch: Klaus Hübner, Alfred Zacharias
Darsteller/innen: mit: Sokol Koçeku, Chris Whichelo, Pavlin und Liliana Polia, Hasan Brroca u.a.
Kamera: Alfred Zacharias
Schnitt: Klaus Hübner, Alfred Zacharias
Originalton: Klaus Hübner
Musik: Falm
Produzent/innen: Alfred Zacharias, Klaus Hübner, Alba Cepani
Produktion: Evolver Film
Koproduktion: Alfred Zacharias Filmproduktion (ehem. Some Footage Film)

 

Hundert Jahre Staat, fünfzig Jahre Isolation, zwanzig Jahre Marktwirtschaft. Oft bleibt die Sicht auf Albaniens Vielfalt, Schönheit und Widersprüchlichkeit durch dessen konfliktreiche Geschichte verstellt. Klaus Hübner und Alfred Zacharias widmen sich dem vielleicht letzten „weißen Fleck“ auf der europäischen Landkarte. Visuelle und auditive Notizen verbinden sich dabei zu einem lebendig sprudelnden Fluss an Geschichten, weitreichend aber notwendig unvollständig.

Katalogtext Diagonale 2013:

Kost und Logis seien für Gäste in Albanien traditionell frei, heißt es zu Beginn des Films. So brauchte es einige Überzeugungsarbeit, die Einheimischen auf das Prinzip des Tourismus– die Zukunftshoffnung des lange Zeit isolierten Staates– einzuschwören. Tatsächlich erweisen sich viele im Film gezeigten Panoramen als postkartentauglich. Ohne vorgefertigte Meinung fokussieren Klaus Hübner und Alfred Zacharias deren Schönheit und ihre Kehrseite: die politischen und sozialen Widersprüche der albanischen Gegenwart. Geleitet von mannigfachen Eindrücken montieren sie visuelle und auditive Notizen zu einem faszinierenden kaleidoskopischen Gesamteindruck. (red)

Neben berauschend schöner, intakter Natur mit fantastischen Ressourcen, einem beispielhaft friedlichen Miteinander der Religionen und weitestgehend biologischer Landwirtschaft schaffen mangelhafte Müllentsorgung und Wasserklärung, haarsträubende Bausünden und politische Extravaganzen alter und neuer Seilschaften viele erstaunlich paradoxe Zustände. Shqipëria – Notizen aus Albanien lässt einen Fluss von Geschichten aus und über Albanien entstehen, der diesen weißen Fleck auf Europas Landkarte entdeckt, das Land in seiner tatsächlichen Vielfalt zeigt und seine Konflikte unspekulativ beleuchtet. (Produktionsnotiz)

In den späten 1970er-Jahren erzählte mein Vater einmal, man könne nach Griechenland nicht über Albanien reisen, weil dort bewaffnete Räuberbanden Straßenbarrikaden errichten und jeden bis auf die Unterhose ausrauben würden. Im Frühjahr 2011 bekamen wir immer noch dieselben Befürchtungen zu hören, Gerüchte über Blutrache, Ehrenmorde, Gewalt, Korruption und Anarchie. Recherchen versprachen dagegen ein von der Natur überreich beschenktes Land mit alpinem Hochgebirge und mediterranen Traumstränden, fruchtbar und vielschichtig wie ein kleiner Kontinent. Es sei ein extrem sicheres Reiseland mit unglaublich gastfreundlichen Leuten, hieß es immer wieder. Uns erstaunte, wie wenige aktuelle Eindrücke aus Albanien im Internet zu finden waren. Spärliche Videos und Fotos, ein paar Reiseberichte – es kam uns vor, als wären wir im 21. Jahrhundert auf unbekanntes Land gestoßen. (Klaus Hübner)