Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

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Mein blindes Herz
Spielfilm, AT 2013, Schwarzweiß, 98 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie, Buch, Schnitt: Peter Brunner
Darsteller/innen: Christos Haas, Jana McKinnon, Robert Schmiedt, Susanne Lothar, Georg Friedrich u.a.
Kamera: Franz Dude
Originalton: Philip Zauner
Musik: Cardiochaos
Sounddesign: Laura Endres
Szenenbild: Simone Ehegartner, Nina Salak
Kostüm: Hanna Adlaoui
Produzent/innen: Therese Seemann, Klara von Veegh

 

Diagonale-Preis Schnitt 2013
Beste künstlerische Montage Spielfilm


Der Regisseur wird anwesend sein.

Beinahe vollständig erblindet, lebt Kurt von seiner Umwelt entrückt. Nachdem sein Traum von einem Stipendium als Meeresbiologe platzt, entlädt sich sein Frust im autodestruktiven Aufbegehren gegen den eigenen Körper; gegen den Ausdruck von etwas, das er nie sein wollte, das die Gesellschaft nie haben wollte. In kontrastsattem Schwarz-weiß fotografiert, inszeniert Peter Brunner eine Rebellion, die alle Beteiligten bis an ihre Grenzen führt. Eine Charakterstudie von verstörender Konsequenz.

Katalogtext Diagonale 2013:

„Der Zufall im Leben ist ein Zufall, mit dem wir alle leben müssen.“ Seit seiner Geburt leidet der heute 27-jährige Kurt am Marfan-Syndrom, einer seltenen, unheilbaren Bindegewebsstörung. Beinahe erblindet, lebt er von seiner Umwelt entrückt. Nachdem sein Traum von einem Stipendium der L.A. Shark School geplatzt ist, entlädt sich Kurts Frust im autodestruktiven Aufbegehren gegen den eigenen Körper; gegen den Ausdruck von etwas, das er nie sein wollte, das die Gesellschaft nie haben wollte. „Mein blindes Herz schlägt wie im Krieg ...“, vernimmt man seine Gedanken, nachdem er sich von Mutter und Pflegeheim losgesagt hat, „... bis ich zerreiße, in tausend Stücke.“ Jeder Verpflichtung gegenüber seiner Mitwelt enthoben, irrt er fortan durch die Stadt – eine urbane Wüste, poetisch fotografiert in kontrastsattem Schwarz-Weiß. Die Begegnung mit der 13-jährigen Ausreißerin Conny lässt ihn kurzzeitig quasi familiären Halt finden. Ohne die Beweggründe ihres Wahlbruders ersinnen zu können, schließt Conny sich dessen Rebellion an. So sind sie zwei Gestrandete – Mikroelemente inmitten von Chaos, wie es sich in den flüchtigen Motiven der zwischenmontierten Internetbilderflut manifestiert: verendete Haie, Flaktürme – Sinnbilder für Kurts innere Zerrissenheit. Unnachgiebig strebt dieser weiter dem körpereigenen Exodus entgegen, eine Revolte, die alle Beteiligten bis an die Grenzen führt.

Ohne falsche moralische Rücksichtnahme erzählt Mein blindes Herz die Geschichte eines Kranken und seiner unkonformen Reaktion auf die gesellschaftliche Marginalisierung. Kurt ist Gepeinigter und Handelnder, Manipulierender und Zerstörender zugleich. Es ist diese anhaltende Widersprüchlichkeit, das Changieren zwischen Zärtlichkeit und Brutalität, die Peter Brunner in bisweilen verstörende, rasant geschnittene (Psycho-)Bilder übersetzt. Eine unkonventionelle, formal streng durchexerzierte Charakterstudie – bestechend fotografiert und gnadenlos ob ihrer Manie. (red)

Mein blindes Herz ist ein Film, der sich nach innen richtet, der die Wahrnehmung seiner Hauptfigur und seiner Innenwelt in das Zentrum stellt. Diese Entscheidung hat in jedem Fall auch die Ästhetik des Films beeinflusst und der Möglichkeit, mit Abstraktion zu arbeiten, viel Raum gegeben. Die Art und Weise, einen Film zu machen, beschreibt immer auch den Film, den man macht. (Peter Brunner)