Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Blutgletscher
Spielfilm, AT 2013, Farbe, 97 min., dtOF
Diagonale 2014

Regie: Marvin Kren
Buch: Benjamin Hessler, Marvin Kren
Darsteller/innen: Gerhard Liebmann, Edita Malovcic, Hille Beseler, Brigitte Kren, Murathan Muslu, Michael Fuith, Adina Vetter u.a.
Kamera: Moritz Schultheiss
Schnitt: Daniel Prochaska
Originalton: Dietmar Zuson
Musik: Stefan Will, Marco Dreckkötter, Sebastian Zenke
Sounddesign: Nils Kirchhoff, Philipp Kemptner
Szenenbild: Alexandra Maringer
Kostüm: Hanya Barakat
Produzent/innen: Helmut Grasser
Produktion: Allegro Film Produktion

 

Diagonale-Schauspielpreis 2014
Gerhard Liebmann


Bei Marvin Kren stehen die Zeichen auf Genrekino. Als jüngste Auswirkung des Klimawandels führt ein mysteriöser organischer Saft zu einer ungekannten Artenverquickung, infolge derer sich ein Forschungsteam im glazialen Nirgendwo von mordlüsternen Mutanten umzingelt sieht. Mittendrin im abgelegenen evolutionären Schlachtfeld: die Ministerin und eine alte Liebschaft des starrköpfigen Stationsingenieurs. Oldschool-Kreaturenhorror mit klimatischem Panoramaweitblick.

www.blutgletscher.at, www.lunafilm.at

Filmgespräch mit: Brigitte Kren

Katalogtext Diagonale 2014:
„I wü wissen, wos mit mein’ Gletscher los is“, herrscht Janek die Kolleg/innen der Klimaforschungsstation Glazius an. Dass tatsächlich etwas mit „seinem Berg“ nicht stimmt, ist augenscheinlich: Wie die visuell betörende Visitenkarte eines Gottes des Gemetzels überziehen blutrote Schlieren das zunehmend schwindende Weiß eines ganzen Gipfelzugs. Der rätselhafte organische Saft vermag die DNA-Stränge beliebiger Organismen zu neuartigen hybriden Arten zu verquicken, die sich mordlüstern anschicken, der in diesen Gefilden rar gesäten Menschheit die Rechnung für das jahrzehntelange Klima-Laisser-faire zu präsentieren. Mittendrin im abgelegenen evolutionären Schlachtfeld: die Frau Ministerin auf PR-Tour, begleitet von Janeks alter Liebschaft. Im glazialen Nirgendwo weitet Regisseur Marvin Kren den Horror der Bedrohung alsbald auf zwischenmenschliche (Ohn-)Machtspielchen aus, die sich narrativ in die Enge der Berglandschaft einfügen. Vieles vom Schrecken der liebevoll selbst gebauten (Oldschool-)Kreaturen vermittelt sich im Dunkeln und bleibt der Vorstellungskraft des Publikums überlassen. Dabei verwirft das Drehbuch von Benjamin Hessler schon mal den Bierernst der Situation. Vor allem die leidensfähige Ministerin Bodicek weiß mit dynamischer Tatkraft und humorigen Knalleffekten zu begeistern. (red)

Die Budgetbeschränkungen sieht man dem Film vor allem an, wenn die Monster nur angedeutet, schnell geschnitten und meist im Halbdunkel gehalten sind. Das Bemerkenswerte aber ist, dass Kren und sein Drehbuchautor Benjamin Hessler versuchen, diesen Umstand zu einer Tugend zu machen (…) Blutgletscher ist ein Horrorfilm, der den Versuch wagt, die Konventionen des Genres zu etwas neuem Alten zu verbinden. (Alexandra Zawia, Wiener Zeitung)

Der Schrecken in Blutgletscher kommt nicht als unverschuldete Alien-Invasion von außen und auch nicht aus den psychologischen Untiefen des Einzelnen, an denen sich das unheimliche Genre im 20. Jahrhundert bis zur Erschöpfung abgearbeitet hat. Das Böse in Blutgletscher nimmt das Kollektiv in Haft für die globale Schuld, die ganz große menschliche Sünde: die systematische Zerstörung unseres Planeten. (Marvin Kren)