Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

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Alphabet
Dokumentarfilm, AT/DE 2013, Farbe, 109 min., OmdU
Diagonale 2014

Regie, Kamera: Erwin Wagenhofer
Buch: Erwin Wagenhofer, Sabine Kriechbaum
Darsteller/innen: mit: Yang Dongping, Andreas Schleicher, Sir Ken Robinson, Qu Pei, Bai Jia Ye, Gerald Hüther, Arno Stern u.a.
Schnitt: Michael Hudecek, Monika Schindler, Erwin Wagenhofer
Originalton: Lisa Ganser, Nils Kirchhoff, Tong Zhang
Musik: André Stern
Sounddesign: Daniel Weis
Produzent/innen: Mathias Forberg, Viktoria Salcher, Peter Rommel
Produktion: Prisma Film- und Fernsehproduktion GmbH
Koproduktion: Rommel Film (DE), Home Run Pictures (DE)

 

Innovative Produktionsleistung der VAM 2014

„Was denken sich eigentlich diejenigen, die über unser Schulleben bestimmen?“, fragte die 15-jährige Yakamoz Karakurt und trat mit ihrem offenen Brief eine Debatte los, der sich auch Erfolgsdokumentarist Erwin Wagenhofer angenommen hat: Ist unser Schulsystem noch tragbar? Führen immer mehr Leistung und Erfolgsdruck zu einem glücklicheren Leben? Oder ist es vielleicht genau andersrum, nämlich dass Glück am Beginn jeder erfolgreichen Lern- und Lebenslaufbahn steht? Ein Blick nach PISA und darüber hinaus.

www.alphabet-derfilm.at

Filmgespräch mit: Erwin Wagenhofer

Katalogtext Diagonale 2014:
Jeder weiß, dass die Schule nicht das Leben ist. Mein Leben aber ist die Schule, was heißt, dass da etwas falsch gelaufen sein muss. Ich komme um 16 Uhr aus der Schule und gehe nicht vor 23 Uhr ins Bett. Und das liegt nicht daran, dass ich fernsehe, mich entspanne oder sogar Spaß habe. Mein Kopf ist voll. Zu voll. Was denken sich eigentlich diejenigen, die über unser Schulleben bestimmen? (Yakamoz Karakurt, Alter: 15 Jahre, offener Brief, Zeit Online)

Mit Ultraschallaufnahmen führt Erwin Wagenhofer an den Anfang des Lebens – den Beginn des Alphabets –, an dem jedes Kind eine Hochbegabung in sich trägt. Was aber passiert mit der Unzahl von neugeborenen Genies, wo und wann bleiben ihre kreativen und ursprünglichen Fähigkeiten auf der Strecke? Zur Beantwortung dieser und anderer bildungspolitischer Fragen bedient sich Wagenhofer gewohnt einnehmender Bild- sprache und Dramaturgie. Über die Haltung des Filmemachers bleibt wenig Zweifel, auch wenn Alphabet zur Gänze ohne Offkommentar auskommt. In starken, mitunter symbolträchtigen Bildern sowie über die Montage selektierter Statements von Bildungsexperten, Hirnforschern und Managern vermitteln sich Lern- und Lebenswelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die kompetitiv und ökonomisch ausgerichtete Vollzeitschule Chinas, die Zielgerichtetheit in europäischen CEO-Trainingsworkshops oder das bloße Kind-sein-Dürfen im „Malort“, einem leistungsfreien Probierraum zum Freisetzen des ureigenen Lebensfundaments. Der Sohn des „Malort“-Begründers (ohne Schule aufgewachsen, mehrsprachig, leidenschaftlicher Gitarrenbauer) wird als Antithese zum durchschnittlichen chinesischen Schulkind positioniert: ein Gewinner jenseits von PISA und Leistungsdruck. Anhand seines Beispiels wagt Alphabet einen anschaulichen Blick über den Status quo hinaus: Eine andere Bildung ist möglich. Doch nur wenn die Bedingungen passen, kann Leben gedeihen; spricht Wagenhofer und lässt das ausgetrocknete Death Valley imaginär erblühen. (red)

In Alphabet ist alles eine Frage der Belehrung: Sie ist Thema und zugleich Praxis dieses Dokumentarfilms, der sich in seiner Kritik an Leistungsdruck im Schul(ungs)wesen um prägnante Bilder zur Bildung ebenso bemüht wie – siehe Titel – ums Ausbuchstabieren einer Lehre. (Drehli Robnik, filmgazette.de)