Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

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Über die Jahre
Dokumentarfilm, AT 2015, Farbe, 188 min., OmeU
Diagonale 2015

Regie, Kamera: Nikolaus Geyrhalter
Buch: Nikolaus Geyrhalter, Wolfgang Widerhofer
Schnitt: Wolfgang Widerhofer
Originalton: Andreas Hamza, Ludwig Löckinger
Sounddesign: Peter Kutin, Florian Kindlinger
Produzent/innen: Nikolaus Geyrhalter, Michael Kitzberger, Markus Glaser, Wolfgang Widerhofer
Produktion: NGF Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

 

Großer Diagonale-Preis 2015
Bester österreichischer Dokumentarfilm

Beste künstlerische Montage Dokumentarfilm 2015


Zehn überraschende Jahre. In Form einer Langzeitbeobachtung folgt Nikolaus Geyrhalter den letzten Angestellten einer niederösterreichischen Textilfabrik – bis weit über deren Schließung hinaus – in das Leben (danach). Zwischen Neuorientierung, (vergeblicher) Arbeitssuche, Tupperpartys und bisweilen unkonventioneller Freizeitgestaltung zeichnet sich ein vielschichtiges Panorama postindustrieller Wirklichkeit ab. Der Mensch im Lauf der Zeit – eine dokumentarische, fürwahr epische Reise ins Ungewisse.
www.ueberdiejahre.at, www.stadtkinowien.at

Katalogtext Diagonale 2015:
2004, früher Morgen. Arbeiter/innen betreten die Fabrik. Schon die Stechuhr im Eingangsbereich erzählt von einer vergangenen Industrieepoche. Wie auch die lärmenden Maschinen und die handwerklichen Arbeitsschritte eigenwillig aus der Zeit fallen.

Früher einmal waren in der „Anderlfabrik“ bei Schrems mehr als 250 Menschen beschäftigt. Die wenigen Verbliebenen machen keinen Hehl aus ihrem Wissen um die Endlichkeit des einst florierenden Betriebs. Größtenteils geben sie sich aller­dings wortkarg. Doch weiß Nikolaus Geyrhalter die richtigen Fragen zu stellen – nur vermeintlich simpel, punktgenau – und lässt sowohl seinen Protagonist/innen als auch sich selbst den nötigen Raum, um Eindrücke sowie Geschichten zu artikulieren und zu ordnen. In Form einer zehn Jahre andauernden Langzeit­ beobachtung folgt er seinen Zufallsbekanntschaften – weit über die Fabrikschließung hinaus – in deren Leben (danach). Zwischen Neuorientierung, (vergeblicher) Arbeitssuche, Tupper­partys und bisweilen unkonventioneller Freizeitgestaltung zeichnet sich ein vielschichtiges Panorama postindustrieller Wirklichkeit ab – eines, das sowohl der Tragik als auch den Banalitäten des Alltags Platz einräumt. Dabei ist es dem sensiblen Umgang und Ton Geyrhalters sowie dem virtuosen Schnitt Wolfgang Widerhofers zu verdanken, dass die Verzah­nung der Biografien die formale Stringenz wahrt und nie ins Voyeuristische abgleitet. Der Mensch im Lauf der Zeit. Eine fürwahr epische, verblüffend unterhaltsame Reise ins Ungewisse. (sh)

In einer an Bildern vom Landleben – grausam, beklemmend, idyllisch – wie auch immer nicht gerade armen österreichi­schen Kunst und Kultur ist Über die Jahre ein unvergleichlicher Einzelfall. Und das liegt nicht zum geringsten Teil in seiner Orientierung an Lebens-­ und Arbeits­- (und arbeitsloser) Zeit (...) Lebensläufe mit offenem Ausgang bedingen einen offenen Zugang, eine offene Form. (Claus Philipp)

Es gab keine Fragestellungen im eigentlichen Sinn. Es war bald klar, dass der Film ab dem Moment, wo es die Fabrik, die wir ja noch durchaus detailliert beschreiben konnten, nicht mehr gab, dem folgen würde, was das Leben erzählt. Wie ein Baum, den man pflanzt und bei dem man keine Ahnung hat, in welche Richtung die Äste gehen werden. (Nikolaus Geyrhalter)