Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Szenen meiner Ehe
Dokumentarfilm, DE 2019, Farbe, 94 min., OmeU
Diagonale 2019

Regie, Buch, Kamera, Originalton: Katrin Schlösser
Schnitt: Barbara Gies, Katrin Schlösser
Sounddesign: Tatjana Jakob
Weitere Credits: Mischung Matthias Lempert Dramaturgische Beratung Dieter Pichler Produktion Katrin Springer, Frank Löprich Technischer Support edelbytes postproduction Jakob Wehrmann Farbkorrektur Farbkult Felix Hüsken Produzentinnen: Hannah Dörr, Katrin Schlösser
Produzent/innen: Hannah Dörr, Katrin Schlösser
Produktion: öFilm Dörr & Schlösser GmbH

 

Als sich Katrin und Lukas zehn Jahre nach ihrer Affäre wiedersehen, sind die Gefühle sofort wieder da. Kurz darauf folgt der Heiratsantrag. Um das Rätsel der Liebe zu erkunden, hält Katrin Momente ihrer Beziehung mit der Handykamera fest, die sie zu einem sehr persönlichen Dokumentarfilm montiert. Unterhaltsam und kompromisslos erzählt Szenen meiner Ehe von der Liebe mit all ihren Höhen und Tiefen und lädt dazu ein, über sich selbst nachzudenken.

Ein Mann und eine Frau treffen einander bei einer Wohnungsbesichtigung. Beide leben in festen Beziehungen und haben kleine Kinder. Doch aus einer starken gegenseitigen Anziehung heraus beginnen die zwei eine Affäre. Die eine Beziehung zerbricht gleich, die andere ein paar Jahre später. Zehn Jahre vergehen, und der Mann und die Frau begegnen einander zufällig auf der Straße. Beim anschließenden Lokalbesuch sind die Gefühle sofort wieder da. Kurz darauf macht er ihr einen Heiratsantrag. Lukas versteht nicht, wieso er den Antrag gleich vorgebracht hat. Katrin weiß nicht, wieso sie sofort Ja gesagt hat. Liebe auf den ersten Blick nennen die beiden ihre schicksalhafte Verbundenheit. Um das Rätsel der Liebe zu erkunden, hält Katrin Momente ihrer Beziehung mit der Handykamera fest. Später wird sie die Aufnahmen zu einem sehr persönlichen Dokumentarfilm montieren. In kurzen Ausschnitten bekommt man Einblicke in den Alltag der Liebenden, der sich zwischen dem Südburgenland und Berlin abspielt.
Meist sieht man Lukas vor der Linse: Im Gespräch mit Katrin über ihre Beziehung, bei der Verrichtung häuslicher Tätigkeiten oder beim Philosophieren über Vergangenheit und Zukunft vor dem Einschlafen. Zärtliche Aufnahmen sind das, die Nähe und die Vertrautheit der beiden vor und hinter der Kamera übertragen sich auf die Zuschauer/innen. Mit der Zeit wird dieses Spiel mit der Kamera mehr und mehr Teil der Beziehung. Das Medium wird für das Paar zur Strategie, sich Reflexionsvermögen und Objektivität zu wahren, aber auch Erinnerungen an glückliche Momente festzuhalten. Zuweilen sieht man die beiden sympathischen Hauptfiguren im Dialog. In den Gesprächsfetzen kreisen die Fragen immer wieder darum, wo und wie man sich ein gemeinsames Leben vorstellt. Liebenswerte Alltäglichkeiten und intime Neckereien sind dabei ebenso ungefiltert zu sehen wie Konflikte und Streitereien. Wie fühlt es sich für sie an, gemeinsam mit der Tochter des Partners den Weihnachtsbaum in der österreichischen Provinz mit fremden Kugeln zu schmücken? Warum regt es ihn auf, wenn sie angesichts der oft unlösbar scheinenden Problematik mit den unterschiedlichen Lebensorten von Trennung spricht? Wie geht man mit dem Alter der eigenen Eltern um? Szenen meiner Ehe erzählt amüsant und mutig von den Höhen und Tiefen der Liebe. Gerade weil der Film so persönlich ist, wirft er die Zuschauer/innen immer wieder auf sich selbst zurück und lässt Raum, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Das ist lustig, traurig, manchmal unfair, aber immer ehrlich – und das Schönste daran: Katrin und Lukas sprechen miteinander über das, was sie bewegt, öffnen sich. Einander und dem Publikum.
(Katalogtext, ast)