Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Styx
Spielfilm, DE/AT 2018, Farbe, 93 min., OmdU
Diagonale 2019

Regie: Wolfgang Fischer
Buch: Wolfgang Fischer, Ika Künzel
Darsteller/innen: Susanne Wolff, Gedion Oduor Wekesa
Kamera: Benedict Neuenfels, aac/bvk
Schnitt: Monika Willi, aea
Originalton: Andreas Turnwald
Musik: Dirk von Lowtzow
Sounddesign: Uwe Dresch, Andre Zimmermann
Szenenbild: Wolfgang Fischer, Ika Künzel, Benedict Neuenfels, Volker Rehm
Kostüm: Nicole Fischnaller
Weitere Credits: Tonmischung: Tobias Fleig, bvft Maske: Elke Hahn Casting: Anja Dihrberg, Godfrey Ojiambo Redaktion: Andrea Hanke / WDR, Georg Steinert / Arte Produzenten: Marcos Kantis, Martin Lehwald, Michal Pokorny Koproduzenten: Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Bady Minck Produktionsleiter: Dirk Seibert Herstellungsleiter: Charles E. Breitkreuz, Christian Müller, Julian Berner
Produzent/innen: Marcos Kantis, Martin Lehwald, Michal Pokorny, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Bady Minck
Produktion: Schiwago Film (DE)
Koproduktion: AMOUR FOU Vienna

 

Rike ist Notärztin und leidenschaftliche Seglerin. Allein mit ihrem kleinen Segelboot macht sie sich von Gibraltar nach Ascension Island auf. Nach einem heftigen nächtlichen Unwetter sichtet sie einen havarierten Kutter – überladen mit Geflüchteten. Trotz Alarmierung der Küstenwache bleibt Hilfe aus. Im Wettlauf gegen Zeit und Naturgewalt stößt Rike an die Grenzen von Moral und Menschlichkeit. Pures, intensives Kino – in Reinform.

Cool und überlegt wirkt die Notärztin Rike (Susanne Wolff) in all ihren Handlungen. Von der sorgfältig geplanten Vorbereitung ihrer Reise von Gibraltar nach Ascension Island bis zur stets besonnenen Reaktion auf jeden Zwischenfall, der sie in den nächsten Wochen auf ihrer kleinen Jacht Asa Gray ereilen mag. So auch an jenem Morgen, als sie nach gewittergeschüttelter Nacht einen havarierten Kutter sichtet, voll mit Menschen, offenbar Geflüchteten. Vor ihren Augen springen manche über Bord. Andere treiben bereits leblos im Wasser.
Regeltreu, vor allem aber selbstverständlich alarmiert Rike umgehend die Küstenwache und ein nahes Schiff, um die Rettungsmaßnahmen einzuleiten. Doch anstelle von Unterstützung erhält sie von allen Seiten bloß die Mitteilung, sich fernzuhalten. Manche Reedereien hätten ihren Schiffen jede Beteiligung an der Seenotrettung von Geflüchteten sogar ausdrücklich untersagt.
Regisseur Wolfgang Fischer gelingt ein außergewöhnlicher Film, stilistisch stets nah an einer verstörenden Illusion des Dokumentarischen. Gibraltar, von wo aus Rike gestartet ist, markierte in der Antike den Endpunkt der bekannten Welt. Wie soll Rike sich außerhalb dieser verhalten? Wo liegen die Grenzen moralischer Grundsätze? Als der etwa 14-jährige Kingsley bis zu ihrem Boot schwimmt, hievt sie ihn hinauf. Aber soll sie alle anderen sterben lassen, während sie wegsieht, solange keine Hilfe kommt? Wie sollte sie die Rettung selbst versuchen, ohne dabei zu sinken? Styx bietet keinen billigen Ausweg.
(Katalogtext, az)

Susanne Wolff, fast stumm, fast ohne Gegenüber, ist die eine Sensation in diesem Film. Die andere? Die Mittelmeerpassage, die Ertrinkenden auf dem Weg nach Europa, in einer Geschichte sichtbar zu machen, die pures Kino ist – Bewegung und Geräusche und Licht und eine Figur, deren Welt auseinanderbricht, weil sie keine Antwort findet, finden kann auf eine Frage nach Leben und Tod.
(Verena Lueken, FAZ)

(Es ist) das Verdienst von Fischers Film, zu verdeutlichen, welchen nicht wieder gut zu machenden Schaden diese von äußeren Mächten aufgezwungene Grausamkeit des Geschehenlassenmüssens in den beiden Menschen anrichtet. (…) Entstanden ist auf diese Weise nicht nur ein unheimlich authentischer Film, sondern auch ein tief aufrichtiger. Es findet sich in Styx kein falscher Ton und keine tröstende Lüge.
(Alexandra Seitz, Berliner Zeitung)

Dank an GKP Steiermark