Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Revanche
Spielfilm, AT 2007, Farbe, 117 min., OmeU
Diagonale 2019

Regie, Buch: Götz Spielmann
Darsteller/innen: Johannes Krisch, Ursula Strauss, Andreas Lust, Hanno Pöschl
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Karina Ressler
Musik: Walter W. Cikan
Szenenbild: Maria Gruber
Kostüm: Monika Buttinger
Produktion: Prisma Film, Spielmann Film

 

In Götz Spielmanns Drama Revanche spielte Hanno Pöschl seine vorerst letzte große Kinorolle. Als schmieriger Bordellbesitzer kommt ihm in dem Drama rund um Schuld und Sühne, Großstadt und Provinz eine wichtige Nebenrolle zu. Der Film, der um eine schicksalhafte Dreieckskonstellation zwischen einem Kleinganoven, einem Polizisten und dessen Frau kreist, war für den Auslands-Oscar nominiert.

In Götz Spielmanns Drama Revanche spielte Hanno Pöschl seine vorerst letzte große Kinorolle. Als schmieriger Bordellbesitzer kommt ihm in dem Drama rund um Schuld und Sühne, Großstadt und Provinz eine wichtige Nebenrolle zu. Der Film kreist um eine schicksalhafte Dreieckskonstellation zwischen dem Kleinganoven Alex (Johannes Krisch), dem Polizisten Robert (Andreas Lust) und dessen Frau Susanne (Ursula Strauss). Als bei einem Bankraub versehentlich seine Geliebte getötet wird, schwört Alex Vergeltung und begibt sich auf einen persönlichen Rachefeldzug. Anstatt sich jedoch tatsächlich zu rächen, beobachtet er die Lebensumstände des „Täters“ recht genau und lässt sich schließlich auf eine Affäre mit dessen Frau ein, die sich schon seit Langem ein Kind wünscht. Irgendwann ist nicht mehr klar, ob Susanne Mittel zum Zweck der Rache ist oder ob sich über sie eine überraschende Katharsis ereignet.
Die präzise Milieustudie mutiert kontinuierlich und unvorhersehbar zum düsteren Thriller. Spielmann konzentriert sich in Revanche auf den Ausbruch des Tragischen in den Leben ganz gewöhnlicher Leute, die er auf eine verzwickte, schlaue Weise miteinander verknüpft, sodass jede einzelne Figur dem/der Zuschauer/in in ihrer Verzweiflung und Schwäche nahegeht. Den entscheidenden Schlüssel zur Figur des Kleinganoven Alex liefert Hanno Pöschl als dessen Zuhälterboss. Er erkennt nämlich, dass sein Handlanger in Wirklichkeit zu weich ist für die zwielichtige Umgebung, in der er sich aufhält – ein Charakterzug, der sich als entscheidend für die gesamte Filmhandlung herausstellt.
(Katalogtext, ast)

Man würde sich hierzulande jedes Jahr mehrere Filme wie diesen wünschen: Erzählungen, die ihre Charaktere in Bewegung setzen, anstatt sie resignativ und voll Ressentiment leiden zu lassen. Genau: Kino, das bewegt.
(Claus Philipp, Der Standard)

Die Figuren in Revanche sind so faszinierend, weil sie so glaubwürdig sind. Um sie herum wuchern die Mythen, aus denen die Lebensträume: von der perfekten Familie, vom geglückten Neuanfang, von der Seelenreinigung durch Revanche. Der Gang aufs Land gelingt Götz Spielmann, weil seine Geschichten dort eine Echokammer finden, da sich das, was daran persönlich erscheint, universale Gültigkeit erlangt. Endlich wieder ein heimischer Film, der zur ganz großen Erzählung ausholt! Revanche hat etwas Selbstverständliches und Unangestrengtes, eine organische Beschaffenheit: wie die Spätsommersonne, die durch das Waldgrün fällt und Licht und Schatten bringt. Und irgendwann kommt der Herbstnebel.
(Markus Keuschnigg, Die Presse)

Der österreichische Regisseur Götz Spielmann geht mit seinem verstörenden Heimatfilm, der für den Auslands-Oscar nominiert ist, auf Distanz zu seinen kühlen Landsleuten Ulrich Seidl und Michael Haneke. Die gefühlsstarke Erzählung von Zufall und Schuld trägt groteske, aber nie sarkastische Züge und entfaltet tragische Wucht, ohne die Macht des Schicksals zu bemühen. Spielmann zeigt in klar komponierten Bildern, wie ein Getriebener Vergeltung sucht und dabei ein wenig Erlösung findet.
(Der Spiegel)