Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege
Dokumentarfilm, CH 2018, Farbe, 94 min., OmeU
Diagonale 2019

Regie, Buch: Hercli Bundi
Darsteller/innen: Christian Eisenberger
Kamera: Adrian Stähli, Aurelio Buchwalder, Christian Eisenberger, Hercli Bundi
Schnitt: Nela Märki
Originalton: Patrick Becker, Mathias Hefel, Hercli Bundi
Musik: Daniel Almada
Sounddesign: Daniel Almada, Dominik Avenwedde, Nela Märki
Weitere Credits: Sandro Droschl, Brigitte Kowanz, Philipp Konzett, Ursula Krinzinger, Gernot Schulz, Christine Eisenberger, Willi Eisenberger, Bischof Hermann Glettler, Julian Riess, Grete Müller, Philipp Teuchtler, Manfred Wiplinger, Joachim Vötter, Johann Loibl, Peter Kozek, Mathias Lehner, Raimo Rudi Rumpler, Hieronymus
Produzent/innen: Peter Zwierko, Hercli Bundi
Produktion: Mira Film

 

— Spektrum: Out of Competition

Ob Leinwände, Papier oder Spinnweben – Christian Eisenberger verwandelt und verwertet Materialien und Räume, die ihn umgeben. Dieses wunderbar schwungvolle Porträt beschäftigt sich mit dem faszinierenden steirischen Künstler, der bisher geschätzte 45.000 Werke hergestellt hat. Geschickt montiert kommen namhafte Vertreter/innen der Kunstszene zu Wort – so fügt sich auch ein Bild des Kunstbetriebs zusammen, dessen Systemgrenzen Eisenberger gern ignoriert.

Im Fundus des Ateliers stapeln sich Leinwände, Papierstücke, geklebte und gesteckte Skulpturen aus allerhand Material. Auf dem Boden liegt eine Serie neuer Gemälde. „Das ist noch sehr figurativ, ich werde vielleicht noch radikaler sein müssen“, kommentiert Christian Eisenberger seine eigenen Bilder. Und in einer der folgenden Szenen schält sich der steirische Künstler aus einer Art Kokon, gewickelt aus Plastikklebeband.
Hercli Bundis wunderbar schwungvolles und überaus facettenreiches Porträt ist dem 1978 geborenen Eisenberger gewidmet, der bisher geschätzte 45.000 Werke hergestellt hat, die in keine einheitliche Kategorie passen wollen. Bekannt wurde er durch abertausende Pappkartons: in Form gestutzte Aufsteller mit aufgemalten collagierten Menschen, die der Künstler zunächst anonym im urbanen Raum aufstellte – im völligen Bewusstsein, dass diese Interventionen von den Gehsteigen entfernt und entsorgt würden.
Ob Stadt oder Land, ob Leinwände, Zeitungspapier, Farbe oder Spinnweben – Eisenberger verwandelt und verwertet die Materialien und Räume, die ihn umgeben. Trotz dieser Heterogenität fügen sich seine Werke zu einem großen Ganzen zusammen: zu einer Serie, in der jede neue Arbeit als Echo auf eine vorangegangene gelesen werden kann. 2007 etwa verbrachte Eisenberger auf Einladung von Hermann Glettler, heute Bischof von Innsbruck, vierzig Tage schweigend und fastend auf der Empore der Grazer Kirche St. Andrä. Darauf folgte eine experimentelle Auferstehungsperformance auf der Art Cologne.
Bundi zeigt Eisenbergers lustvolle und impulsive Arbeitsweise, hakt aus dem Off nach und lässt den Künstler in kurzen, spielerischen Performances vor der Kamera dessen Werke und Zugänge präsentieren. Kontextualisiert wird Eisenbergers Schaffen durch eine Vielzahl namhafter Vertreter/innen der Kunstszene, etwa den Direktor des KM-Künstlerhaus, Halle für Kunst und Medien Graz, Sandro Droschl, die Wiener Galeristin Ursula Krinzinger oder die renommierte Künstlerin Brigitte Kowanz, in deren Klasse für Transmediale Kunst an der Wiener Angewandten der gelernte Schlosser für kurze Zeit studierte. Die Protagonist/innen sprechen über Eisenbergers eher prozess- als ergebnisorientierte Arbeit im Speziellen und über Kunst im Allgemeinen: So fügt sich Stück für Stück auch ein Bild des Kunstbetriebs und -geschäfts zusammen, dessen Systemgrenzen der Künstler immer wieder austestet oder einfach unbeeindruckt ignoriert. Hercli Bundis pointierter Film ist eine große Freude, nicht nur für erklärte Kunstfans. Denn was ist Kunst überhaupt? „Keine Ahnung“, antwortet Christian Eisenberger achselzuckend und macht sich weiter an die Arbeit.
(Katalogtext, jk)