Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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FREIGANG
Spielfilm kurz, AT/DE 2019, Farbe, 35 min., dOF
Diagonale 2019

Regie: Martin Winter
Buch: Sebastian Schmidl
Darsteller/innen: Anna Suk, Birgit Linauer, Patrick Schmidl, Daniela Zacherl, Christopher Legedza
Kamera: Aram Baroian
Schnitt: Sebastian Schmidl, Martin Winter
Originalton: Markus Ortner
Musik: Valentin Martins
Sounddesign: Valentin Königshofer, Benedikt Palier, Jón Geirfinnsson
Szenenbild: Sophia Wöss, Sanja Halb
Kostüm: Marlene Pleyl
Produzent/innen: Victoria Herbig, Sebastian Schmidl
Produktion: Baroian-Herbig-Schmidl-Winter

 

Die Gefängnisinsassin Kathi bekommt am Geburtstag ihres dreijährigen Sohnes Freigang. Völlig verwahrlost lebt er bei ihrer überforderten Mutter. Kurz entschlossen macht Kathi sich mit ihm auf, um an diesem einen Tag ein geeignetes Zuhause für ihn zu finden. Ohne Sentimentalität erzählt der Film von einer erschütternden Entscheidung. Das ewige Gefängnis besteht nicht aus Beton.

Warum die junge Kathi im Gefängnis sitzt, erfährt man nicht, denn es soll in diesem Film nicht darum gehen, was sie getan hat, sondern darum, was sie tun kann. Am Geburtstag ihres dreijährigen Sohnes bekommt sie einen Tag Freigang. Sie findet das Kind komplett verwahrlost und eingesperrt in der verrauchten Wohnung ihrer völlig überforderten Mutter. Kurzerhand beschließt Kathi, an diesem einen Tag alle Möglichkeiten auszuloten, wie für ihren Sohn besser gesorgt werden könnte. Die beiden irren durch ein unwirtliches Wien, als wären sie auf der Flucht vor ihrer Zwangslage. Souverän und durchdringend empathisch erzählt der Film ohne Sentimentalitäten von einer erschütternden, selbstlosen Entscheidung. Kathi versucht, ihre Qualen zu verstecken – Darstellerin Anna Suk macht sie durch Mark und Bein spürbar. Wenn Kathi später realisiert, dass das gnadenloseste Gefängnis nicht aus Betonmauern besteht, bricht man beinahe mit ihr zusammen.
(Katalogtext, az)