Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Im weißen Rössl
Spielfilm, AT, DE 1960, Farbe, 99 min., dOV
Diagonale 2018

Regie: Werner Jacobs
Buch: Helmuth M. Backhaus, Janne Fuchs
Darsteller/innen: Peter Alexander, Waltraud Haas, Karin Dor, Adrian Hoven, Estella Blain
Kamera: Heinz Schnackertz
Schnitt: Arnd Heyne
Musik: Heinz Gietz, Johannes Fehring
Produktion: Carlton Film, Sascha Film, Koproduktion Roxy Film

 

In Referenz zu Im weißen Rössl präsentiert das Diskollektiv am 17. März um 15.30 Uhr einen Überraschungsfilm als Trouble Feature.

Wenn im „Weißen Rössl“ Hochbetrieb herrscht, ist es an Oberkellner Leopold Brandmeyer (Peter Alexander), die Gäste mit vielzüngigem Zureden und einem gut gelaunten Lied auf den Lippen vom Chaos abzulenken und zufriedenzustellen. Nur die Liebe zu seiner Chefin Josepha Voglhuber ist seine Schwachstelle, denn die will von ihrem Untergebenen nichts wissen und hofft vielmehr, in den Armen eines Anwalts aus Berlin zu landen. Nach dessen Ankunft schreitet Leopold zur Tat und schreckt nicht einmal vor unlauteren Methoden zurück, um das Herz der Angebeteten zu erobern.

Wenn im „Weißen Rößl“ Hochbetrieb herrscht, ist es an Oberkellner Leopold Brandmeyer, die Gäste mit vielzüngigem Zureden und einem gut gelaunten Lied auf den Lippen vom Chaos abzulenken und zufriedenzustellen. Nur die Liebe zu seiner Chefin Josepha Voglhuber ist seine Schwachstelle, denn die will von ihrem Untergebenen nichts wissen und hofft vielmehr, in den Armen eines Anwalts aus Berlin zu landen. Nach dessen Ankunft schreitet Leopold zur Tat und schreckt selbst vor unlauteren Methoden nicht zurück, das Herz der Angebeteten zu erobern.
„Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein!“ Zwölf Jahre nach Rendezvous im Salzkammergut also eine Rückkehr an ebendiesen Ort, an dem sich seit 1948 einiges getan hat. Man parliert jetzt auf Englisch, Französisch, Italienisch oder gar Berlinerisch, denn die Gäste sind international geworden. Bei so mondänem Publikum muss sich auch das Personal anpassen – allen voran natürlich der Oberkellner, der selbst im Anzug auf Wasserski eine tolle Figur macht: Peter „Der Papa wird’s schon richten“ Alexander in seiner Lebensrolle. Wer braucht Dean Martin und Jerry Lewis, wenn man beide in einer Person haben kann? Sein Leopold Brandmeyer ist nicht nur gewiefter Charmeur, „Womanizer“ und Gesangstalent, sondern zeigt eben auch in brenzligen Situationen ein herrliches Gefühl für Körperkomik und Slapstick. Bei Gästen wie bei Kolleg/innen beliebt, ist er stets bemüht, sein Bestes zu geben, darüber aber nie seinen Sinn für Humor zu verlieren. Oliver Nöding schreibt über Peter Alexanders Figuren: „In Augenblicken der größten Emotionalität fällt es ihnen stets leichter, sich mit Gesang zu artikulieren als mit dem gesprochenen Wort, mehr noch: In solchen Momenten kommt die Musik ganz natürlich aus ihnen heraus.“ Ihm an die Seite gestellt sind Waltraud Haas als resolute Rössl-Wirtin, Frithjof Vierock als frecher Piccolo Franzl sowie auf Gästeseite Adrian Hoven als Alexanders Gegenspieler und Gunther Philipp als Playboy Sigismund Sülzheimer, dem – man möchte es kaum glauben – die Frauenherzen nur so zufliegen. Auf die Rolle der optischen Behübschung reduziert: Karin Dor und Estella Blain, Letztere fast ausschließlich in sehr knappen Bikinis.
Im weißen Rössl gilt als Paradebeispiel für das eskapistische, fragwürdige Heileweltkino der 1950erund 1960er-Jahre, traumatisiert seitdem Generationen vor den Fernsehgeräten und markiert einen Höhe- und Übergangspunkt vom Heimat- hin zum Schlagerfilm. Die in malerisches Technicolor gehüllten Landschaften scheinen beinahe unwirklich, neben Tracht und Tradition ist auch diesmal ein Umzug durchs Dorf zu sehen, und beim obligatorischen wie absolut unromantischen Happy End schaut man besser nicht zu sehr auf Geschlechterrollen und -verhältnisse. Auf der anderen Seite setzen Regisseur Werner Jacobs und Co. auf behutsame Modernisierung: Die Handlung wird in die Jetztzeit übertragen, Musiknummern adaptiert und neu arrangiert. Die einst subversive und dissident-kritische literarische Vorlage von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg ist mittlerweile bereits knapp sechzig Jahre alt und hat mehrere Bearbeitungen erfahren: 1930 wird Im weißen Rössl als Operette von Ralph Benatzky zum Welterfolg, 1935 folgt die erste Verfilmung von Carl Lamac mit Theo Lingen. Während der NS-Diktatur ist das Stück ob seiner jüdischen Autoren und des kritischen Inhalts angefeindet und verpönt, 1952 zaubert Willi Forst noch eine Verfilmung auf die Leinwand. Dass es bereits 1967 eine weitere Fernsehproduktion geben sollte, spricht für die ungemeine Popularität des Stoffes. Die 2013 erschienene Neuverfilmung mit dem Titelzusatz Wehe, du singst! sei allerdings aus Chronistenpflicht erwähnt.
(Katalogtext, Florian Widegger)