Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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LICHT
Spielfilm, AT/DE 2017, Farbe, 97 min., OmeU
Diagonale 2018

Regie: Barbara Albert
Buch: Kathrin Resetarits
Darsteller/innen: Maria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm, Maresi Riegner, Johanna Orsini-Rosenberg
Kamera: Christine A Maier
Schnitt: Niki Mossböck
Originalton: Dietmar Zuson
Musik: Katharina Wöppermann
Sounddesign: Christian Conrad
Szenenbild: Katharina Wöppermann
Kostüm: Veronika Albert
Weitere Credits: Maske: Helene Lang Hammerklavier: Sonja Leipold Tonmischung: Alexander Koller
Produzent/innen: Michael Kitzberger, Wolfgang Widerhofer, Martina Haubrich, Nikolaus Geyrhalter, Markus Glaser, Gunnar Dedio
Produktion: NGF Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion
Koproduktion: Looks Filmproduktionen (DE)

 

Die 18-jährige blinde Pianistin Resi gilt in der feinen Wiener Gesellschaft zwischen Rokoko und Aufklärung als Wunderkind. Im Alter von drei Jahren hatte sie plötzlich ihr Augenlicht verloren. Als sich der Arzt und Magnetiseur Franz Anton Mesmer mit seiner neuartigen Behandlungsmethode der Künstlerin annimmt, scheint diese allmählich wieder sehen zu können. Doch mit zunehmender Sehkraft schwindet ihre Virtuosität – eine Tatsache, die die Musikerin und ihre Familie in eine tiefe Krise stürzt.

Ihr Gesichtsausdruck liegt irgendwo zwischen Verzückung und Qual. So genau kann man das bei der 18-jährigen Maria Theresia Paradis nicht sagen, wenn sie am Klavier sitzt und virtuos in die Tasten greift. Sie wirft den Kopf ungelenk hin und her und rollt mit den von den vielen Behandlungen entzündeten Augen. „Nicht so wackeln“, zischt die Mutter dann, die 1777 ihre „Resi“ für die versammelte feine Wiener Gesellschaft mit Schleifchen im Haar und überbordender Perücke herausgeputzt hat. Resi gilt als Wunderkind und ist blind. Stockblind. Im Alter von drei Jahren hatte sie plötzlich ihre Sehkraft verloren. Seitdem tun ihre Eltern alles, um das Augenlicht ihrer Tochter zurückzugewinnen. Die schrecklichsten Behandlungsmethoden musste die junge Pianistin schon über sich ergehen lassen – vergebens. Bis sich der Arzt und Magnetiseur Franz Anton Mesmer mit seiner neuartigen Behandlungsmethode der Künstlerin annimmt: Durch Handauflegen und die Kraft seines „Fluidums“ scheint Resi allmählich tatsächlich wieder Umrisse und Farben wahrnehmen zu können. Doch schwindet mit zunehmender Sehkraft auch ihre Virtuosität – und mit ihr das Ansehen der Familie Paradis. Barbara Alberts Historiendrama nach Alissa Walsers Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ ist angesiedelt zwischen Rokoko und Aufklärung, Sensationsgier und Selbstbestimmung. Es ist ein Film über das Sehen und das Gesehenwerden und über Fluch und Segen einer besonderen Gabe. Am Ende sind die Augen der Wahrheit auch nicht näher als die anderen Sinne.
(Katalog,ast)

Barbara Alberts jüngster Film LICHT (...) erzählt von zwei gescheiterten Befreiungsversuchen. Jener des Freidenkers Mesmer von der Borniertheit seiner Zeitgenossen und, mit mehr Nachdruck, jener von Maria Paradis von der Degradierung zum aparten Objekt. Ob Mesmers Ideen von der unsichtbaren Kraft des „Fluidums“ die Hirngespinste eines Esoterikers waren und ob sich Paradis als Musikerin und Komponistin mit etablierten Größen messen konnte, spielt dabei kaum eine Rolle. Spannend sind die beiden Figuren für Albert vor allem als Träger eines verschobenen Blickwinkels; weil sie aufgrund ihrer Vision respektive Blindheit nicht anders können, als die Widersprüche und Absurditäten der verblendeten Gesellschaft infrage zu stellen.
(Andrey Arnold, Die Presse)