Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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COPS
Spielfilm, AT 2018, Farbe, 92 min., 16.3. dOV / 18.3. OmeU
Diagonale 2018

Regie: Stefan A. Lukacs aka ISTVAN
Buch: ISTVAN aka. Stefan A. Lukacs
Darsteller/innen: Laurence Rupp, Anton Noori, Maria Hofstätter, Roland Düringer, Michael Fuith, Anna Suk, Aaron Friesz, Lukas Watzl, uvm.
Kamera: Andreas Thalhammer, Xiaosu Han
Schnitt: Julia Drack
Originalton: Claus Benischke-Lang
Musik: Wolfgang Frisch, Markus Kienzl
Sounddesign: Thomas Pötz, Sebastian Watzinger
Szenenbild: Julia Oberndorfinger, Attila Plangger
Kostüm: Monika Buttinger
Weitere Credits: Maskenbild: Birgit Beranek Casting: Lisa Olah Produktionsleitung: Monika Maruschko Herstellungsleitung: Constanze Schumann, Karin C. Berger Filmgeschäftsführung: Tina Thurner
Produzent/innen: Arash T. Riahi, Karin C. Berger
Produktion: Golden Girls Filmproduktion & Filmservices GmbH

 

Christoph ist in Ausbildung bei der Polizeispezialeinheit WEGA, sein Alltag dort von Testosteron, Kampf und Gruppendruck geprägt. Als er bei einem Einsatz in vermeintlicher Notwehr einen Mann erschießt, wird er von seinen Kollegen als Held gefeiert. Die Außenwelt reagiert jedoch kritisch. Und obwohl Christoph unter wiederkehrenden Panikattacken leidet, tut er nach außen hin alles, um den Schein des starken Mannes zu wahren.

Deeskalation ist nicht unbedingt das, womit die Polizei immer wieder Schlagzeilen macht, auch wenn die Konfliktverhinderung zu ihren Kernaufgaben gehört. Der Fall des Asylwerbers Bakary J., der von vier WEGA-Beamten brutal misshandelt wurde, ist in diesem Zusammenhang noch in Erinnerung – und war Gegenstand des Kurzfilms VOID, mit dem Regisseur Stefan Lukacs 2012 erstmals große Aufmerksamkeit erhielt. Der Kontakt, den Lukacs damals ins Polizeimilieu aufbaute, formt nun den Hintergrund seines ersten Langspielfilms.
COPS erzählt vom jungen Christoph (Laurence Rupp), der unter seinem Chefausbilder Konstantin (Anton Noori) bei der WEGA seine Berufung gefunden zu haben scheint. Die körperliche Herausforderung, der Gruppenzusammenhalt, das Adrenalin haben es ihm angetan. Und dann auch noch das Ansehen, in dessen zweifelhaften Genuss er kommt, als er bei einem Einsatz einen psychisch „auffälligen“ Mann erschießt.
Innerhalb der WEGA wird Christoph dafür gefeiert, nicht zuletzt weil er als noch sehr formbar (um nicht zu sagen manipulierbar) gilt. Doch aus anderen Reihen, besonders vonseiten der Polizistin (Maria Hofstätter), die bei jenem Einsatz dabei war, kommt Kritik – und auch sein eigener Vater (Roland Düringer), selbst ein Polizist, steht der WEGA und Christoph stets skeptisch gegenüber. Christoph selbst beginnt allmählich, an posttraumatischen Belastungsstörungen zu leiden.
Lukacs interessiert sich für die gruppendynamischen Funktionen der Spezialeinheit und für die Polizistenkultur im Größeren. Dabei befasst er sich mit Fragen zu Notwehr, Fahrlässigkeit, Angemessenheit und Gruppendruck, mit Antworten hält er sich jedoch zurück.
Effektiv unterstützt wird Lukacs in seiner sehr zugänglichen Milieustudie nicht nur durch die wandelbare schauspielerische Leistung von Laurence Rupp, sondern auch durch die Kameraarbeit von Xiaosu Han und Andreas Thalhammer, die es sich zum Markenzeichen machen, das moderne Österreich in einer besonderen Ästhetik liebevoll gestalteter Coolness in Szene zu setzen. Aufnahmen von aufmarschierenden Fußballfans vor dem Stadion gegen einen einsamen Tanz frühmorgens in einem Technoclub: COPS bleibt stets anteilnehmend beobachtend an seiner Hauptfigur und erlaubt ihr viel Ambivalenz.
(Katalogtext, az)