Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Die Migrantigen
Spielfilm, AT 2017, Farbe, 98 min.
Diagonale 2017

Regie: Arman T. Riahi
Buch: Arman T. Riahi, Aleksandar Petrović, Faris Rahoma
Darsteller/innen: Faris Rahoma, Aleksandar Petrović, Doris Schretzmayer, Zijah A. Sokolović, Daniela Zacherl, Josef Hader, Mehmet Ali Salman, Julia Jelinek, Maddalena Hirschal, Margarethe Tiesel, Dirk Stermann, Rainer Wöss
Kamera: Mario Minichmayr
Schnitt: Cordula Werner, Arman T. Riahi
Ton: Atanas Tcholakov
Musik: Karwan Marouf
Sounddesign: Nils Kirchhoff
Szenenbild: Martin Reiter
Kostüm: Monika Buttinger
Produzent/innen: Arash T. Riahi, Karin C. Berger
Produktion: Golden Girls Filmproduktion

 

Marko und Benny sind zwei Wiener Vorzeige-Bobos mit Migrationshintergrund. Als die beiden Freunde im fiktiven migrantisch geprägten Grätzel „Rudolfsgrund“ von einem Fernsehteam interviewt werden, werden sie prompt als Protagonisten für eine neue Dokuserie engagiert – und müssen sich mit wirklichen Integrationsschicksalen auseinandersetzen. Die Migrantigen ist eine turbulente „Anti-Integrationskomödie“, bei der Identitäten mit einer kräftigen Portion politischer Unkorrektheit hinterfragt werden.

Marko trägt zum Vollbart Pudelmütze und denkt sich coole Werbesprüche für Hipstergetränke aus. Benny ist Schauspieler, aber leider nicht sehr erfolgreich. Beide sind perfekt integriert und haben keinerlei Bezug mehr zur Kultur und zur Herkunft ihrer Eltern. Dass sich ausgerechnet diese Tatsache als gewaltiges Problem für die beiden herausstellt, ist schon die erste humorvolle Verkehrung der Realität in Die Migrantigen. Als „Anti-Integrationskomödie“ bezeichnet Regisseur Arman T. Riahi seinen ersten Langspielfilm, denn die Themen Migration und Integration sollen seiner Ansicht nach nicht immer als Sozialdrama behandelt werden.
Riahis Strategie, Ängste und Vorurteile gegenüber Ausländer/innen mit Humor zu entkräften, geht auf: Als die beiden Freunde zufällig im fiktiven migrantisch geprägten Grätzel „Rudolfsgrund“ von einem Fernsehteam interviewt werden, wittern sie ihre Chance auf Erfolg und Geld. Warum nicht die ihnen entgegengebrachten Vorurteile ausnutzen und auf Kosten der „Gutmenschen“ und jener Anwohner/innen, die eine Überfremdung ihres Viertels fürchten, einen auf Migrant machen? Ihre Alter Egos Omar und Tito werden so vor der Kamera geboren, prollige Abklatsche ihrer selbst mit Jogginganzug, derben Sprüchen und kleinkrimineller Energie. Gute Geschichten verkaufen sich eben. Egal ob sie wahr oder erfunden sind. Prompt engagiert die ehrgeizige TV-Redakteurin Marko und Benny als Protagonisten für ihre Dokuserie. Und schon ist das doppelbödige Spiel mit Klischees und Vorurteilen in vollem Gang, die Kamera immer auf vermeintliche Brennpunkte und Konflikte gerichtet. Das Problem ist nur: Die beiden Wiener haben in Wirklichkeit gar keine Ahnung, wie sich ein „echter“ Ausländer verhält. Doch auch hierfür finden sie eine Lösung: Sie lassen sich coachen, von einem „echten“ Migranten mit dem „typischen“ Leben in einem Wiener Problemviertel. Zum ersten Mal – so glauben sie zumindest – setzen sie sich mit wirklichen Integrationsschicksalen auseinander, Boxkampf, Überfall beim Bankautomaten und krumme Geschäfte im Wettbüro inklusive. Bleibt nur die Frage, wer hier wem welche Komödie vorspielt. Auf jeden Fall steigen die Quoten, aber auch die Verwicklungen nehmen drastisch zu. Die Migrantigen ist eine turbulente Komödie, bei der Identitäten mit einer kräftigen Portion politischer Unkorrektheit gründlich hinterfragt werden – und natürlich mit dem nötigen Augenzwinkern.
(Katalogtext, ast)

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