Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Putty Hill
Spielfilm, US 2010, Farbe, 89 min., OmdU
Diagonale 2016

Regie, Buch: Matt Porterfield
Darsteller/innen: Sky Ferreira, Zoe Vance, James Siebor Jr., Dustin Ray, Cody Ray, Charles «Spike» Sauers, Catherine Evans, Virginia Heath, Casey Weibust, Drew Harris, Marina Siebor
Kamera: Jeremy Saulnier
Schnitt: Marc Vives
Originalton: Phil Davis, Nick Rush
Produzent/innen: Jordan Mintzer, Steve Holmgren, Joyce Kim, Eric Bannat
Produktion: The Hamilton Film Group

 

„Rest in Peace, Cory“ sprüht im Skatepark jemand an die Wand. Putty Hill umkreist den Tod des jungen Mannes und zeichnet ein liebevolles Porträt einer Community an Baltimores Peripherie. Der Film war Sebastian Brameshuber eine wichtige Referenz für seinen Film Und in der Mitte, da sind wir.

Putty Hill startet mit Bildern von maskierten, Paintball spielenden Gestalten. Als ich den Film 2010 sah, lag die von Jugendlichen mit Softguns ausgeführte „Störaktion“ während der KZ-Befreiungsfeier von Ebensee – die mein Film Und in der Mitte, da sind wir umkreisen sollte – eineinhalb Jahre zurück. Drei Jahre zuvor waren Fotos des jungen Heinz-Christian Strache bei Wehrsportübungen aufgetaucht – aus der Zeit, als Waldheims Erinnerung selektiv versagt hatte. Ähnlich angeschlagen war Straches Gedächtnis, der von einem „harmlosen Paintball-Spiel mit kleinen gelben Plastikkugeln“ sprach. Paintball stand fortan im Ruf, paramilitärische Spielwiese junger Rechtsextremer zu sein. Doch während meiner Recherche auf einem Paintball-Feld betonte dessen Betreiber, man werde nicht abgeschossen, sondern markiert: „Hier wird nicht Krieg gespielt!“ Die bunten Paints (es gibt keine roten) schienen das zu unterstreichen. Gleichzeitig trug ein Jugendlicher eine Bundesheeruniform, ein anderer einen Tarnanzug. Sie hatten eigene, Sturmgewehren nachempfundene Markierer dabei. In Putty Hill nimmt ein Spieler seine Maske ab, zum Vorschein kommt ein erschöpftes Bubengesicht. Porterfield fragt den Jungen, was er für den Rest des Tages vorhabe: „Go home, take a shower, play games. Work on my book!“ – „You’re writing a book?“ – „Yeah.“ – „What’s it about?“ – „Vampires … You’d have to read it to understand.“ Diese Antwort begleitete mich während der Arbeit an meinem Film. Sie erinnerte mich daran, dass es trotz der NS-Vergangenheit, in deren Schatten jugendliche Ebenseer/innen aufwachsen, keinen Grund gab anzunehmen, deren Innenleben falle weniger komplex aus als das ihrer Altersgenoss/innen in Putty Hill. (Sebastian Brameshuber)

In Kooperation mit dok.at