Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Fegefeuer
Spielfilm, AT 1988, Schwarzweiß, 83 min.
Diagonale 2016

Regie: Wilhelm Hengstler
Buch: Wilhelm Hengstler, Bernhard Seiter, nach einer Romanvorlage von Jack Unterweger
Darsteller/innen: Bobby Prem, Romeo Sitar, Jürgen Goslar, Jeanette Mühlmann
Kamera: Jirí Stibr
Schnitt: Eliska Stibrova
Originalton: Walter Fiklocki
Szenenbild: Andrea Jaufer-Zahlbruckner
Kostüm: Renee Diamant
Produzent/innen: Dieter Pochlatko
Produktion: epo-Film

 

Jack Unterweger: zwei Drehbücher, zwei Filme. Verurteilter Frauenmörder, Häfenliterat, Unterweltdandy. In Referenz zu Elisabeth Scharangs aktuellem Wettbewerbsbeitrag JACK zeigt die Diagonale Wilhelm Hengstlers als Film noir inszenierte preisgekrönte Unterweger-Roman-Adaption Fegefeuer aus dem Jahr 1988. Ergänzend diskutieren Elisabeth Scharang und Wilhelm Hengstler in einem Let’s talk about scripts! Spezial ihre filmische Annäherung an die ambivalente Figur.

Authentizität ist immer wieder eine Forderung an den Helden einer Geschichte. Hengstlers Fegefeuer beruht auf der Vorlage des gleichnamigen autobiografischen Romans von Jack Unterweger, der während seiner Haft auch am Filmdrehbuch mitarbeitete. Das Ergebnis ist eine schwarz-weiße, Nouvelle-Vague-artige Reise in das Leben Unterwegers – die mehrschichtige Reflexion der Reflexion des Autors, die das Scheitern als unabdingbare Folge seiner Zurückweisung anerkennt. In Scharangs Film – fast dreißig Jahre später – scheint es Unterweger für den kurzen Moment seines Starruhms geschafft zu haben, der eigenen Vergangenheit zu entfliehen. Bis sie ihn wieder einholt: endgültig und tödlich. „Er hat jedenfalls sehr schnell schon nicht mehr dem Bild entsprochen, das man lieber gehabt hätte: Er war nicht dankbar, sondern wollte auf egozentrische Art und Weise alles“ (Elisabeth Scharang).
(Wilbirg Brainin-Donnenberg)