Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Whatever Happened to Gelitin
Dokumentarfilm, AT 2016, Farbe+SW, 82 min., OmeU
Diagonale 2016

Regie, Buch, Schnitt: Angela Christlieb
Darsteller/innen: Salvatore Viviano, John Waters, Liam Gillick, Christian Meyer, Agnes Husslein-Arco, Carol Greene, Leo Koenig, Philippe Joppin, Emmanuel Perrotin, Massimo de Carlo, Casey Spooner, Tom Sachs, Tony Conrad
Kamera: Angela Christlieb, Gelitin, Salvatore Viviano, Katarina Tubonjic, Knut Klassen, Philipp Fleischmann
Originalton: Salvatore Viviano
Musik: Japanther, Philipp Quehenberger , Blueblut, Schuyler Maehl, Tankris, Trafo, XTMPLX
Sounddesign: Chris Janka
Weitere Credits: Production Manager: Josef Platt
Produzent/innen: Angela Christlieb
Produktion: Aaangelfilm

 

Galerist Salvatore Viviano und Regisseurin Angela Christlieb begeben sich auf die Suche nach dem verschollenen Künstlerkollektiv Gelitin, das seit den 1990er-Jahren immer wieder in extravaganten Aktionen und Installationen die Grenzen des „guten Geschmacks“ zerschmettert. Interviews mit alten Weggefährt/ innen und Künstlerfreund/innen in den USA, Europa und Asien werden mit anarchisch montiertem Gelitin-Archivmaterial verknüpft: intensiv, transgressiv, experimentell, grellbunt, witzig und virulent.

„You lost your brain, your memories, your datas? – And my dignity.“ So der Künstler und Galerist Salvatore Viviano über seine zeitweilige Beteiligung an den Performances der österreichischen Künstlergruppe Gelitin, bevor er sich gemeinsam mit der Filmemacherin Angela Christlieb auf die Suche nach ihren vier verschollenen Mitgliedern begibt. Ihre Nachforschungen führen nach New York, Baltimore, Paris, Wien, Venedig und Korea. Sie treffen alte Weggefährt/ innen, Künstler/innen, Kunsthändler/innen und Galerist/innen des anarchistischen Kollektivs, das seit den 1990er-Jahren immer wieder in extravaganter Aktions- und Installationskunst die Grenzen des „guten Geschmacks“ wie auch die eigenen Hemmschwellen zu zerschmettern wusste. Doch niemand hat sie gesehen, weder John Waters noch Liam Gillick oder Leo Koenig – Ali Janka, Tobias Urban, Florian Reither und Wolfgang Gantner sind wie vom Erdboden verschluckt.
Eine absurde Suche, die nur weitere Spuren des Mythos zutage fördert. Sichtbar werden die vier Phantome in Erinnerungen: in den – nicht immer ganz ernsten – Erzählungen der Interviewpartner/innen und in altem Gelitin-Archivmaterial von Aktionen, Performances, Fotokunst und Skulpturen, das Angela Christlieb in einem gesetzlosen Neben-, Nach- und Durcheinander zum Rhythmus von Pop- und Rockmusik montiert. Die Aufnahmen werden eingefärbt, auf den Kopf gestellt, im Split-Screen abgespielt.
Kapitalismuskritik, subversive Aus- und Darstellungen des nackten Körpers, seiner Ausscheidungen und Begierden ziehen sich ebenso programmatisch durch Gelitins Kunst wie die Einbeziehung des Publikums in die transgressiven Akte. Eine in Plastikfolie einvakuumierte „Familienpackung“ Fleisch, eine Hochtoilette, die tiefe Einblicke gewährt, kollektive Kunstzerstörungen und heiteres Schlammsuhlen. „Because art is the only thing that doesn’t need to do anything. To me it’s open to anarchy.“ Die Lust an der Gesetzlosigkeit bildet sich im Film nicht nur ästhetisch, narrativ und thematisch ab, sie wirkt auch ansteckend auf das Publikum. Intensiv, grellbunt, experimentell, grenzüberschreitend, witzig und virulent – Kunst muss gar nix, aber kann alles!
(Katalogtext, mk)

angelachristlieb.com, sixpackfilm.com

Ich beschloss, einen zu Film machen, der Gelitins Kunst entsprechen sollte: einen surrealen Trip auf der Suche nach den vier Mitgliedern der Künstlergruppe, der quer durch einen schier unfassbaren kreativen Kosmos führt.
(Angela Christlieb)