Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Hannas schlafende Hunde
Spielfilm, DE/AT 2015, Farbe, 124 min.
Diagonale 2016

Regie: Andreas Gruber
Buch: Andreas Gruber, nach dem Roman von Elisabeth Escher
Darsteller/innen: Hannelore Elsner, Nike Seitz, Franziska Weisz, Rainer Egger, Nico Liersch, Christian Wolff, Bruno Ricketts, Seraphine Rastl, Paul Matic, Lena Reichmuth, Christian Hoening, Johannes Silberschneider, Elfriede Irrall, Michaela Rosen, Wolf Bachofner, André Resch, Jeremias Meyer, Luca Lombardo, Carl Achleitner, Georg Bonn, Wolfgang S. Zechmayer, Peter Landerl, Karola Niederhuber, Lucie Stickel, Lola Scholer, Celina Schelle, Vivienne v.d. Klosters, Markus Zwettler, Andreas Graf, Joseph Dünser, Elias Bremstale
Kamera: Martin Gressmann, Jakob Wiessner
Schnitt: Julia Drack
Ton: Torsten Heinemann
Musik: Gert Wilden
Sounddesign: Heiko Müller, Chrissy Rebay, Mario Hubert
Szenenbild: Oliver Hoese, Bettina Zirngibl
Kostüm: Tina Keimel-Sorge
Produzent/innen: Fritjof Hohagen, Andreas Gruber, Stephan O. Hansch, Sebastian Zembol
Produktion: enigma film
Koproduktion: Provinzfilm International, Bayerischer Rundfunk, Österreichischer Rundfunk, oryxmedia, Mixtvision Film

 

Die authentische Geschichte eines jüdischen Mädchens, das – von den Eltern als braves katholisches Kind getarnt – Ende der 1960er-Jahre in Wels aufwächst. In den Köpfen der meisten dort ist die Nazi-Ideologie noch immer tief verankert. Die oberste Maxime, eingetrichtert von der Mutter, heißt deshalb: Stillhalten und auf keinen Fall auffallen. Die „schlafenden Hunde“ der Vergangenheit will niemand in der kleinen Stadt wecken. Doch das heranwachsende Mädchen will seine Identität nicht länger verstecken. (Produktionsnotiz)

„Wie das riecht, Gerechtigkeit …“, sagt Johannas Oma, während sie aus dem Fenster der Welser Wohnung blickt, in der sie mit ihrer Tochter, deren Mann und Sohn sowie der neunjährigen Enkelin Johanna wohnt. Sehen kann sie nichts, sie ist blind. Es ist 1967, aber den Geruch von verbranntem Menschenfleisch meint sie nach wie vor wiederzuerkennen. Soeben hat man den Hauswart aus dem Keller geborgen. Vor nicht sehr langer Zeit hatte er ihr während eines Bombenangriffs auf die Stadt den Zutritt ins schützende Gewölbe verwehrt, nun ist er darin umgekommen. Die Figuren in Andreas Grubers Film stecken noch tief in den Traumata des Kriegs, und viele von ihnen bereuen kaum etwas. Bis vor Kurzem wusste Johanna nichts von ihrer jüdischen Abstammung, penibel hat ihre Mutter diese vor ihr geheim gehalten. Dann jedoch wird die Religionslehrerin immer neugieriger, die „Gerüchte“ häufen sich – Johanna beginnt zu leiden. Gruber verankert den zentralen Antagonismus in dieser Geschichte nicht im Konflikt mit den früheren Nazis, sondern in der Beziehung zwischen Johanna und ihrer Mutter, die durch ihre persönliche Erfahrung in einem „Ausgeliefertsein“ verharrt und als Lösungsstrategie nur die Verdrängung und das „Totstellen“ kennt. Allmählich jedoch gelingt es dem Mädchen, die Mutter aus ihrer Erstarrung zu lösen – und zugleich sich selbst zu emanzipieren.
(Katalogtext, az)

thimfilm.at

Ich möchte eine nicht immer gleich erkennbare Scheinwelt von Normalität erschaffen, in der selbst die ungeheuerlichsten braunen Rülpser zur Normalität gehören. Diese (Schein-)Welt ist bestimmt von einer Betonung der Oberfläche, von festen Abläufen und Wiederholungen und einem ausgeklügelten System von Auslassungen und Schweigen. Man könnte in Anlehnung an Hannah Arendt von der Trivialität und Selbstverständlichkeit des Bösen sprechen. Durch eine besonders lapidare, unbetonte Inszenierung soll eine Monstrosität der Figuren verhindert werden – weil es ihnen eine unverdiente Größe geben würde.
(Andreas Gruber)

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