Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Agonie
Spielfilm, AT 2016, Farbe, 93 min., OmeU
Diagonale 2016

Regie, Buch: David Clay Diaz
Darsteller/innen: Samuel Schneider, Alexander Srtschin, Mercedes Echerer, Patrick Matijasevic, Laurenz Fleissner, Martina Poel u. a.
Kamera: Julian Krubasik
Schnitt: Lisa Geretschläger
Ton: Michael Zachhuber
Musik: David Reichelt
Sounddesign: Richard Louis
Szenenbild: Katja Deutschmann, Hansjörg Mikesch
Kostüm: Veronika Susanna Harb
Weitere Credits: Maske: Marlene Lenz, Produktionsleitung: Anna Sautner
Produzent/innen: David Clay Diaz, Ko-Produktion des 1. Drehblocks: Filmakademie Wien/Theresa Winkler
Produktion: David Clay Diaz

 

An einem Novembertag zerstückelt ein junger Mann eine Leiche. Kopf, Torso und Gliedmassen werden in verschiedenen Müllcontainern über Wien verteilt aufgefunden. Schock und Rätselraten – niemand kann die Tat nachvollziehen, über das Motiv herrscht völlige Unklarheit. In seinem Langspielfilmdebüt widmet sich David Clay Diaz dem Davor des Unergründlichen und taucht in die Empfindungswelten zweier unterschiedlicher junger Männer ab. Fragmente einer ausweglosen Chronologie.

An einem Novembertag tötet ein junger Mann eine Frau und zerstückelt die Leiche. Kopf, Torso und Gliedmaßen werden in verschiedenen Müllcontainern über Wien verteilt aufgefunden. Schock und Rätselraten – niemand kann die Tat nachvollziehen, über das Motiv herrscht völlige Unklarheit. Doch sind einzelne Erklärungen ausreichend, um den Mord nachvollziehen zu können?
Stilistisch streng getrennt sucht David Clay Diaz in seinem Langspielfilmdebüt die Annäherung an die Empfindungswelten zweier unterschiedlicher junger Männer. Ein Handlungsstrang in kühlem Farbschema und überwiegend ruhigen Einstellungen folgt dem 24-jährigen Christian, einem Jusstudenten aus bürgerlichem Haus. Seine Umgebung ist geprägt von Disziplin und Ordnung, Struktur und Regeln. Er scheint sich darin wohlzufühlen, kleidet sich entsprechend wenig individuell und zurückhaltend, wie er auch seine Emotionen stets zurückzuhalten, gar zu unterdrücken versucht. Expressionistisch dagegen die Verortung von Alex, einem 17-jährigen Möchtegern-Rapper aus der Sozialbausiedlung, der seine Freizeit im Fitnessstudio an der Hantelbank verbringt. Alex scheint mit Wien viel mehr verwachsen zu sein als Christian, in ihm findet Clay Diaz Momente der Zärtlichkeit: gegenüber der Stadt, eine Grundstimmung, die Alex zu umspülen und zu unterhöhlen scheint, aber auch gegenüber seinem besten Freund – ein Tabu, immer noch. Zeitlich bewegt sich der Film in den Wochen vor der Tat. Clay Diaz entfaltet ein gesellschaftliches und emotionales Geflecht, in dem er seine Figuren nie aufeinandertreffen lässt. Lediglich die Zuseher/ innen werden zu distanzierten Zeug/innen einer ausweglosen Chronologie. (Katalogtext, az)

agoniefilm.com, davidclaydiaz.com

Kann man eine mörderische Tat verstehen, fragt Regisseur David Clay Diaz mit seinem ersten langen Spielfilm Agonie. Was sind die Gruüde, gibt es zu viele, gibt es keinen? Lässt sich nicht immer nur spekulieren? In einem Alltagsprotokoll des 24-jährigen Christian und des 17-jährigen Alex, deren Lebensläufe sich niemals kreuzen, versucht Diaz das Unerklärbare sichtbar zu machen. Ein inhaltlich und formal auffälliger Film eines an der HFF München studierenden Österreichers.
(Berlinale 2016, Perspektive Deutsches Kino)

Wenn man so eine Tat auch nur ansatzweise verstehen möchte, dann muss man das Geflecht betrachten, in dem sich die Menschen bewegen und verfangen, das große Ganze sehen. Die „offensichtlichen“ Gründe, die die Medien immer sofort aufgreifen, sind dabei genauso wahr wie die versteckten, zwischenmenschlichen Dynamiken von Verletzungen, die schwerer zu fassen sind. (David Clay Diaz)

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